Zusammenfassende Literatur Belastungsinkontinenz: (Liedl u.a., 2005) (Viktrup u.a., 2004).
Der Blasendruck übersteigt durch passive (abdominelle) Druckerhöhung den Harnröhrenverschlussdruck und führt zur Harninkontinenz bei körperlicher Belastung.
Die früher gebräuchliche Bezeichnung Stressinkontinenz sollte nicht mehr verwendet werden.
Prävalenz der Inkontinenz bei Nullipara 10 %, bei Sectio 16 % und bei vaginalen Geburten 21 %. In vergleichenden Studien Prävalenz der reinen Belastungsinkontinenz 7 % (Sectio) vs. 12 % (vaginale Geburt).
deutliche Zunahme der Prävalenz mit dem Lebensalter.
Für alle Inkontinenzformen beträgt die Prävalenz: 4,5–53 % für Frauen, 1,6–24 % für Männer, in Abhängigkeit vom Lebensalter.
der Harnblasenverschluss wird durch den Harnröhrentonus und durch die aktive und passive Drucktransmission bei Belastung erreicht.
Harnröhrenverschlussdruck in Ruhe (Ruheprofil). Dieser Druck wird hauptsächlich von einem Sphinktersystem aufgebaut, das in den Rhabdosphinkter (quergestreifte Muskulatur) und Lissosphinkter (glatte Muskulatur) gegliedert wird [Kapitel Harnblasenanatomie].
bei Belastung wird auf Blasenhals und Urethra die abdominelle Drucksteigerung weitergegeben (Stressprofil). Die passive Drucktransmission wird durch die bindegewebige Aufhängung von Harnröhre, Harnblase und Vagina ermöglicht.
Kontraktion der quergestreiften Muskulatur des Beckenbodens und des Sphinkters bei/vor Belastung (Arbeitsprofil).
Hauptursachen für die Belastungsinkontinenz sind zum einen die hypermobile Harnröhre, zum anderen die intrinsische Sphinkterinsuffizienz (hypotone Harnröhre). Beide Faktoren können einzeln oder kombiniert eine Belastungsinkontinenz verursachen.
die extraabdominelle (kaudale) Verlagerung der Harnröhre unter abdomineller Druckerhöhung führt zur fehlenden Drucktransmission des abdominalen Drucks, zur Öffnung des Harnblasenhalses und damit zur Inkontinenz.
Die Stabilität des suburethralen Bindegewebes ist ein entscheidender Faktor für die Kontinenz unter Belastung. Vaginale Geburten erhöhen das Risiko für eine Belastungsinkontinenz durch Schäden am Bindegewebe, Muskeleinrisse und Schädigung der Innervation des Beckenbodens und Sphinktermuskulatur. In der Folge entsteht ein Beckenorgandeszensus.
Der Beckenorgandeszensus kann nicht nur eine Belastungsinkontinenz bewirken, sondern auch maskieren. Dies wird durch die Abknickung der Harnröhre (Quetschharnphänomen) erklärt. Eine zu starke Abknickung der Harnröhre kann Restharn und einen Harnverhalt auslösen. Nach Korrektur des Deszensus wird die Inkontinenz dann klinisch relevant. Der Einfluss der Hysterektomie auf die Belastungsinkontinenz ist umstritten.
Insuffizienz des Harnröhrenschließmuskels, unabhängig von der anatomischen Position.
verschlimmert eine bestehende Belastungsinkontinenz, z. B. chronische Bronchitis, Hernien, Adipositas, Tragen von Lasten.
Die Vaginavorderwand spannt sich wie ein Trampolin unter der Harnröhre und Harnblase auf und spielt eine zentrale Rolle in der Vermittlung der Kontinenz. Die Vaginavorderwand ist dreidimensional im kleinen Becken aufgehängt, je nach Lokalisation des Defektes in der Aufhängung können drei Ebenen (Level) unterschieden werden [Tab. 2.1] mit unterschiedlicher Klinik und therapeutischer Konsequenz.
Die proximale Harnröhre ist die Zone der kritischen Elastizität, diese Elastizität ist für eine Harnblasenfüllung essentiell, Störungen führen zur Drangsymptomatik.
| Level III | Level II | Level I | |
| Lokalisation | Läsion ventral des Harnblasenhalses bis Symphyse | Läsion zwischen Harnblasenhals bis Cervix uteri/ Cervixstumpf- narbe | Läsion dorsal des Cervix uteri bis Os sacrum |
| defekte Strukturen | Lig. pubourethrale, M. pubococcygeus | Arcus tendineus fasciae pelvis | Ligg. cardinale und sacrouterina |
| Beschwerden | Belastungs- inkontinenz | Belastungs- inkontinenz, Zystozele | Restharnbildung, Urgesympto- matik, Rekto- oder Enterozele |
| Therapie | pubovaginale Schlingen (TVT...) | Colporrhaphia anterior | Colporrhaphia posterior, sacrouterine Pexie |
| Harninkontinenz | Inhalt | Belastungsinkontinenz 2/3 |
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Dr. med. Dirk Manski
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