Zusammenfassende Literatur Belastungsinkontinenz: (Liedl u.a., 2005) (Viktrup u.a., 2004).
Gewichtsabnahme, regelmäßige Miktion, Beckenbodengymnastik, vaginale Östrogenbehandlung.
Bei der reinen Belastungsinkontinenz ist die medikamentöse Therapie noch nicht gut etabliert, erste erfolgsversprechende Substanz ist Duloxetin. Bei der gemischten Belastungsinkontinenz mit begleitender sensorischer oder motorischer Detrusorautonomie steht die Gabe von Anticholinergika im Vordergrund.
Inhibitor des Serotonin- und Noradrenalin-Reuptake auf spinaler Ebene, verstärkt damit die Stärke der Sphinkterkontraktion. Mit Duloxetin kann eine Verminderung der Inkontinenzepisoden um 50–60 % erreicht werden (vs. 20–40 % Placebo). Dosierung und Nebenwirkungen siehe Kapitel Medikamente/Duloxetin.
Kollagen, Teflon, Silikon, Polydimethylsiloxan oder autologes Fett werden verwendet. Im Langzeitverlauf sind jedoch schlechte Heilungsraten zu erwarten (30–40 %). Wenn die periurethrale Injektion kurzfristig erfolgreich ist, dann ist die Prognose für eine definitive chirurgische Versorgung gut.
die Kolposuspension nach Burch hat im Langzeitverlauf einen Erfolg von 70 % und ist damit (noch) der Goldstandard der Therapie. Alle anderen Therapieverfahren müssen sich mit ihren Langzeitheilungsraten daran messen. Es ist jedoch ein deutlicher Rückgang der Operationsfrequenz zugunsten von vaginalen Verfahren zu beobachten. Die suprapubischen Verfahren gefährden die Elastizität am Harnblasenhals und können daher zu neuer Urgesymptomatik oder sphinktärer Inkontinenz führen.
das paravaginale Gewebe wird an das Lig. ileopectineum (Cooper) mit Matratzennähten fixiert. 70 % Langzeiterfolg. Die Burch-OP kann auch laparoskopisch durchgeführt werden.
Suspensionsplastik mit Periostfixation: Suspension von Harnröhre und Blasenhals an die Symphyse. Wird nicht mehr angewendet.
der Scheidenstumpf wird mit Hilfe eines extraperitonealen Prolene-Netz am Os sacrum fixiert, geeignet für die Therapie des Level-1-Defekt (s. o.).
vaginale Operationsverfahren werden durch die Entwicklung der alloplastischen Vaginalbänder am häufigsten zur Therapie der Belastungsinkontinenz eingesetzt.
die vordere Scheidenplastik verstärkt die pubozervikale Faszie, in Ergänzung zur Kolposuspension oder Schlingenplastik bei einer Zystozele. Bei alleiniger Anwendung ist in 55 % eine Verbesserung der Belastungsinkontinenz zu erwarten, 19 % werden trocken.
vaginale Korrektur einer Entero/Rektozele.
nach suprasymphysärer Inzision (bds. der Mittellinie) und vaginaler Inzision werden mit einer speziellen Nadel Fäden von suprasymphysär nach vaginal und wieder nach suprasymphysär kontralateral gelegt. Durch eine Zystoskopie werden Blasenverletzungen ausgeschlossen. Danach werden die Fäden über der Rektusfaszie geknüpft und eine Blasenhalselevation erreicht.
beiderseits werden 2 Faszienzügel aus der Aponeurose des M. obliquus ext. präpariert, an der Hinterfläche des Os pubis nach paraurethral gezogen und dort nach Elevation des Harnblasenbodens befestigt.
das Operationsprinzip entspricht der Faszienzügelplastik. Alle Operationsschritte werden von vaginal durchgeführt. Über einen kleinen Einschnitt an der Vaginalvorderseite wird die Harnröhre präpariert. Ein 1 cm breites Band wird um die Harnröhre gelegt und suprapubisch oder transobturatorisch ausgeleitet. Verwachsungen des Bandes führen zur Stabilität, die Drucktransmission auf die Harnröhre bei Erhöhung des abdominellen Drucks wird wieder hergestellt. Operationstechniken und Komplikationen siehe Kapitel Operationstechniken/Vordere alloplastische Vaginalbänder.
Suprapubisch ausgeleitete alloplastische vordere Vaginalbänder: Erstbeschreibung als TVT (tension free vaginal tape) [Ulmsten 1998]. Inzwischen sind mehrere Anbieter am Markt vertreten, es bestehen Unterschiede hinsichtlich Schlingenmaterial und Operationstechnik [Abb. SPARC von AMS].
![]() |
Alloplastisches vorderes Vaginalband, suprapubisch ausgeleitet. Mit freundlicher Genehmigung, American Medical Systems, Minnetonka, USA. |
Transobturatorisch ausgeleitete alloplastische Vaginalbänder sind unter der Abkürzung TOT (Transobturator Tape) bekannt. Wie bei suprapubisch ausgeleiteten Bändern sind mehrere Anbieter am Markt vertreten, es bestehen Unterschiede hinsichtlich Schlingenmaterial und Operationstechnik [Abb. transobt. ausgeleitetes Vaginalband].
Minimalinvasive Alternativen sind kurze Bänder, welche mit einer ausschließlichen vaginalen Inzision im paraurethralen Gewebe und in der Beckenbodenmuskulatur verankert werden.
mit Hilfe von mehrarmigen (4–6) Prolene-Netzen ist die Rekonstruktion des gesamten Beckenboden über alle drei Level möglich. Das Netz wird entlang der Vorder- und Hinterwand der Vagina eingelegt, die Arme über den Beckenboden seitlich ausgeleitet. Die Indikation besteht vor allem bei ausgeprägtem Beckenbodendeszensus. Kontrollierte Langzeitdaten hinsichtlich der Sicherheit der Netzimplantation existieren nicht.
| Belastungsinkontinenz 2/3 | Inhalt | Harninkontinenz Männer |
Sie haben nicht gefunden, was Sie suchen?
Mit nachstehender Google-Suchmaske können Sie diese Webseite (www.urologielehrbuch.de) durchsuchen, alternativ das Internet (Web).
Letzte Aktualisierung
Dr. med. Dirk Manski
manski@urologielehrbuch.de