Zusammenfassende Literatur Enuresis: (Palmtag, 1999) (Schultz-Lampel und Thüroff, 2000).
unwillkürliche Harnblasenentleerung an mindestens 2 Nächten pro Monat nach dem 5. Lebensjahr. Als primäre Form mit kontinuierlichem Einnässen seit Geburt, die sekundäre Form ist durch eine mindestens 3 Monate lange Phase ohne Einnässen charakterisiert.
Synonyme: Enuresis nocturna, unkomplizierte Enuresis.
beinhaltet alle Formen der Inkontinenz aufgrund Fehlbildungen, Infektionen, neurologischen Erkrankungen und Harnblasenfunktionsstörungen.
Veraltete Synonyme: Enuresis nocturna und diurna, komplizierte Enuresis, Enuresis diurna.
Die Enuresis ist eher ein Symptom als eine umschriebene Krankheit, viele ätiologische Faktoren werden verantwortlich gemacht. Im Einzelfall lassen sich jedoch nicht alle Komponenten nachweisen. Die Fähigkeit des Kindes, nächtliche Kontrolle über die Harnblasenfunktion zu erlernen, scheint bei enuretischen Kindern verzögert zu sein. Alle unten beschriebenen Auffälligkeiten sind ein normaler Bestandteil der Entwicklung und können (zeitlich früher) bei kontinenten Kindern nachgewiesen werden.
in Abhängigkeit von der ZNS-Reife gibt es unterschiedliche Enuresis-Formen, welche nach der jeweiligen Weckreaktion und der Harnblasenstabilität vor dem enuretischen Ereignis unterschieden werden (keine Weckreaktion, instabile Harnblase – geringe Weckreaktion, stabile Harnblase – starke Weckreaktion, stabile Harnblase). Im Verlauf entwickeln enuretische Kinder immer stärkere Weckreaktionen vor dem Einnässen, dies spricht für eine Unreife des ZNS, die Harnblasenfüllung zu Erkennen und den Miktionsreflex zu unterdrücken.
der zirkadiane Rhythmus der Vasopressinsekretion führt zu einer Halbierung der Urinproduktion in der Nacht. Viele Kinder mit Enuresis haben einen gestörten Rhythmus der Vasopressinsekretion, die nächtliche Urinproduktion übersteigt die Harnblasenkapazität und führt zum Einnässen.
Die Vasopressinausschüttung wird u.a. durch die Harnblasenfüllung stimuliert, so kann die nächtliche Harnblasenentleerung bei enuretischen Kindern die niedrige nächtliche Vasopressinkonzentration erklären. Weiterhin kann die gestörte Vasopressinsekretion Ausdruck einer verzögerten ZNS-Reife sein.
ohne anatomische Störungen kann ein Miktionsfehlverhalten zu Miktionsbeschwerden und Enuresis führen: das Verzögern der Miktion führt zu einem erhöhten Sphinktertonus, welcher beim Toilettengang nicht mehr ausreichend relaxiert. Die entstehende funktionelle subvesikale Obstruktion führt im Verlauf zu einer Detrusorhypertrophie, zu Harnblaseninstabilität und Enuresis.
die Inzidenz von autonomen Detrusorkontraktionen bei reiner Enuresis liegt um 15 % und ist vergleichbar mit der Norm. Häufig ist eine verminderte funktionelle Harnblasenkapazität nachweisbar.
Die Wahrscheinlichkeit für eine Enuresis beträgt 77 %, wenn beide Eltern enuretisch waren oder 43 %, wenn ein Elternteil enuretisch war. Ohne familiäre Belastung beträgt die Wahrscheinlichkeit 15 %.
es liegen bis auf die nächtliche Inkontinenz keine Miktionsbeschwerden vor.
neben der nächtlichen Harninkontinenz sind Miktionsbeschwerden wie Zeichen des Miktionsfehlverhalten (Harnhaltemanöver), Drangsymptome und Stuhlbeschwerden zu identifizieren.
die Häufigkeit und der Verlauf der unkomplizierten Enuresis gebietet, die initiale Diagnostik auf ein Minimum an Notwendigem zu reduzieren.
Entscheidend für die Diagnose Enuresis ist das Fehlen von Symptomen, welche auf eine urologische oder neurologische Erkrankung hinweisen. Typischerweise aber nicht obligat besteht eine nächtliche Inkontinenz ohne Symptome am Tag wie Inkontinenz, Pollakisurie, rezidivierende Harnwegsinfektionen oder neurologische Beschwerden.
nach einer Anleitung werden für 2 Wochen das Trinken (Uhrzeit, Volumen), die Miktion (Uhrzeit, Volumen) und die Defäkation (Uhrzeit) dokumentiert. Weiterhin dokumentiert werden der Zeitpunkt von Drangsymptomen und Harninkontinenz.
Sediment und Urinkultur zum Ausschluss eines Harnwegsinfektes.
Detektion von Miktionsstörungen (Dicke der Harnblasenwand? Restharn?). Ausschluss von pathologischen Befunden am oberen Harntrakt (Nierengröße? Harnstau? Parenchymnarben?).
Bei auffälligen Befunden in den vorangegangenen Untersuchungen oder bei frustraner Therapie sind weiterführende Untersuchungen notwendig: Harnstrahlmessung mit Beckenboden-EMG, MCU, Urodynamik, Nierenszintigraphie, Urogramm, Zystoskopie, ....
| Neurogene Inkontinenz | Inhalt | Enuresis 2/2 |
Sie haben nicht gefunden, was Sie suchen?
Mit nachstehender Google-Suchmaske können Sie diese Webseite (www.urologielehrbuch.de) durchsuchen, alternativ das Internet (Web).
Letzte Aktualisierung
Dr. med. Dirk Manski
manski@urologielehrbuch.de