Häufige Form der Urolithiasis im unteren Harntrakt mit Ausbildung von Harnsteinen in der Harnblase.
eine Mangelernährung in Entwicklungsländer verursacht bei Kindern ohne Anwesenheit von neurologischen Erkrankungen oder Harnblasenentleerungsstörungen Harnblasensteine. Betroffene Gebiete sind v. a. Nordafrika, der mittlere und ferne Osten. Häufig erkranken Jungen unter 10 Jahren an Harnblasensteinen, da Mädchen aufgrund ihrer kurzen Urethra sandige Vorstufen besser ausscheiden können.
Eine Ernährung arm an tierischen Proteinen und hauptsächlich aus Getreide bestehend ist ursächlich für die Harnblasensteinentstehung. Weitere begünstige Faktoren sind Dehydratation und erhöhte Oxalatzufuhr. Es entstehen meist Ammoniumuratsteine mit oder ohne Calcium-Oxalat oder Calcium-Phosphat.
in entwickelten Ländern sind sekundäre Harnblasensteine die Regel und verursachen 5 % der Urolithiasis. Risikofaktoren sind die Urinstase, rezidivierende Harnwegsinfektionen, Fremdkörper und intestinale Mukosa im Harntrakt.
die Restharnbildung (Urinstase), ausgelöst durch z. B. die Benigne Prostatahyperplasie oder neurogene Harnblasenentleerungstörungen, ist die häufigste Ursache für Harnblasensteine (75 %). Es entstehen Steine aus Harnsäure, Kalziumoxalat oder Magnesium-Ammonium-Phosphat (Infektstein). Betroffen sind vor allem Männer über 50 LJ.
rezidivierende oder chronische Harnwegsinfektionen mit ureasebildenden Bakterien führen zur Bildung von Magnesium-Ammonium-Phosphat-Steinen.
Rückenmarksverletzte Patienten mit Dauerkatheter haben im Vergleich zur katheterfreien Versorgung ein 9faches Risiko für Harnblasensteine. Bei intermittierender Selbstkatheterisierung (CIC) oder Kondomurinal ist das Risiko für Harnblasensteine 4fach gesteigert.
selbsteingeführte, iatrogene oder wandernde Fremdkörper mit Kontakt zum Urin erzeugen Harnblasensteine. Beispiele für iatrogene Ursachen: Fadenmaterial, Klips, Katheter, Ureterstents und durch Migration intrauterine Spirale oder andere iatrogene Fremdkörper in der Nähe der Harnblase.
die Häufigkeit der Harnsteinformation (4–48 %) ist abhängig von der Art der Harnableitung. Harnsteine entstehen dreimal häufiger bei kontinenten als bei inkontinenten Harnableitungen. Risikofaktoren sind Urinstase, Schleimproduktion, Harnwegsinfektionen, Fremdmaterial (Klips, nicht-resorbierbares Nahtmaterial), Katheterversorgung und metabolische Störungen. In der Regel entstehen Magnesium-Ammonium-Phosphat-Steine (Infektsteine).
Bauchschmerzen, unterbrochener Harnstrahl, Manipulation und Ziehen am Penis, Dysurie, Algurie, häufiger Harndrang. Die Beschwerden sind häufig länger bestehend.
der Mehrzahl der Harnblasensteine verursacht keine zusätzlichen Beschwerden neben der verursachenden Harnblasenstörung. Typisch sind rezidivierende Harnwegsinfektionen, Dysurie, Algurie, unterbrochener Harnstrahl oder Harnverhalt.
Harnblasensteine erzeugen eine echogene Raumforderung in der Harnblase mit dorsalem Schallschatten, insbesondere mit gefüllter Harnblase zuverlässig erkennbar.
viele Harnblasensteine sind röntgendicht, manche werden jedoch durch Darmgasüberlagerung verdeckt oder sind nicht schattengebend.
nicht-schattengebende Harnblasensteine können durch Kontrastmittelaussparungen entdeckt werden [Abb. Zystogramm mit Harnblasensteinen].
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Zystogramm bei BPH und multiplen Harnblasendivertikeln: im großen rechten Divertikel befindet sich ein Harnblasenstein, erkennbar durch die Doppelkonturierung. Mit freundlicher Genehmigung, Dr. R. Gumpinger, Kempten. |
ohne Kontrastmittel eine sehr genaue Methode in der Diagnose von Harnsteinen.
zuverlässige Methode in der Diagnose von Harnblasensteinen, ebenso notwendig für die Therapieplanung (Prostatagröße? Divertikel? Harnröhrenstriktur?)
Die Mehrheit der Harnblasensteine können endoskopisch therapiert werden. Die Therapieoptionen werden durch die Anatomie, Harnsteinursache, Begleiterkrankungen oder Steingröße beeinflusst.
die ESWL ist eine Therapieoption für Kinder oder Patienten mit zu hohem Narkoserisiko. Ohne Therapie der auslösenden Ursache hohe Rezidivgefahr.
Technik und Komplikationen siehe Abschnitt Harnblasensteinlithotripsie. Je nach Verlauf der Operation kann eine TURP (falls indiziert) danach durchgeführt werden.
indiziert bei Kindern oder Patienten mit großer Steinlast. Nach perkutaner Punktion der Harnblase und Einlegen eines starren Arbeitsdrahtes wird ein Arbeitstrakt mit 24–36 CH aufdilatiert. Die Steinfragmentation und Entfernung erfolgt analog zur Perkutanen Nephrolithotomie.
die Abwägung zwischen einer endoskopischen Harnblasensteinlithotripsie oder einer offenen Sectio alta ist abhängig von der Größe der Steine, Anzahl der Steine und von der Prostatagröße, wenn eine zeitgleiche operative BPH-Therapie angestrebt wird. Technik und Komplikationen siehe Abschnitt Sectio alta.
neben der chirurgischen Entfernung (s. o.) verhindert eine Ernährungsumstellung (vermehrt Kuhmilch, gemischte Getreidediät) ein Wiederauftreten der Harnblasensteine.
| HWI Schwangerschaft | Inhalt | interstitielle Zystitis |
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Dr. med. Dirk Manski
manski@urologielehrbuch.de