Der Urin aus den Nierenpapillen mündet zunächst in die Nierenkelche, Calices renales minores. Jede Niere hat 7–9 Kelche. Über die Kelchhälse münden mehrere Nierenkelche in zwei bis drei Calices renales majores, welche wiederum in das Nierenbecken, Pelvis renalis, einmünden [Abb. Anatomie des Nierenbeckens und Nierenkelche].
Je nach Länge und Anatomie der Kelchhälse werden ein ampulläres Nierenbeckenkelchsystem (NBKS) und ein dendritisches NBKS unterschieden. Das ampulläre NBKS hat kurze Kelchhälse, die Kelche münden fast direkt in das große weite Nierenbecken. Das dendritische NBKS besteht aus lang verzweigten Kelchhälsen und Calices renales majores, das Nierenbecken ist schlank und manchmal verzweigt. Es existieren fließende Übergänge zwischen beiden anatomischen Grundformen.
Die Wand des NBKS besteht aus längsverlaufenden glatten Muskelfaserzügen, welche eine Melkfunktion des NBKS für den Urintransport in den Harnleiter ermöglichen.
Der Harnleiter, Ureter, ist ein 22–30 cm langes muskuläres Hohlorgan, welches Nierenbecken und Harnblase miteinander verbindet.
Radiologisch wird der Ureter in 3 Abschnitte eingeteilt [Abb. Radiolog. Einteilung des Ureters]: das obere Drittel reicht vom Nierenbecken bis zur Oberkante des Os sacrum, das mittlere Drittel von der Oberkante bis zur unteren Grenze des Os sacrum, das distale Drittel von der unteren Grenze des Os sacrum bis zur Harnblase.
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Radiologische Einteilung des Harnleiters in drei Drittel. |
das obere Drittel des Harnleiters liegt ventral des M. psoas major. Der Übergang zwischen Nierenbecken und Harnleiter ist die obere physiologische Ureterenge. Vor Erreichen der iliakalen Gefäße unterkreuzt der Ureter die Gonadalgefäße. Der Ureter überkreuzt in der Nähe der Aufteilungsstelle die Vasa iliacae, dies stellt die mittlere physiologische Ureterenge dar. Im Verlauf des kleinen Beckens unterkreuzt der pelvine Ureter den Ductus deferens. Bei der Frau unterkreuzt der Ureter die A. uterina. Die Einmündung der Ureteren in die Harnblase bildet die untere physiologische Ureterenge. Zur Anatomie der Uretermündung siehe Kapitel/Harnblase.
folgende Arterien geben variabel Äste an das Nierenbeckenkelchsystem und den Ureter ab: A. renalis, Aorta, Gonadalarterie, A. iliaca communis und interna, A. vesicalis superior und bei der Frau die A. uterina. Im kranialen Abschnitt treten die Gefäße von medial an den Ureter heran, im kaudalen Abschnitt gelangen die Gefäße von lateral an den Ureter.
In der Adventitia des Ureters bilden die Zuflüsse ein reich verzweigtes Gefäßnetz. Dies ermöglicht eine längerstreckige Mobilisation des Harnleiters, ohne seine Durchblutung zu gefährden.
Abfluss über V. renalis, Gonadalvene, V. iliaca interna und Plexus vesicalis.
der linke obere Harnleiter drainiert in die paraaortalen, der rechte obere Harnleiter in die paracavalen und interaortokavalen Lymphknoten.
Der kaudale Ureter drainiert in die Beckenlymphknoten (Nodi lymphatici iliacae et obturatoriae).
Die Muskelkontraktionen des Ureters werden von Schrittmacherzellen im NBKS initiiert. Die Muskelkontraktion verläuft von kranial nach kaudal und sorgt für den Urintransport. Das vegetative Nervensystem beeinflusst die Schrittmacherzellen im NBKS.
Die Innervation durch den Parasympathikus wirkt aktivierend auf die Ureterperistaltik. Zuflüsse über den N. vagus aus dem Ganglion coeliacum erreichen die Niere. Die weitere Versorgung entstammt dem sakralen Parasympathikus, welcher (analog der Embryologie) mit dem Harnleiter die Niere erreicht.
die Innervation durch den Parasympathikus wirkt aktivierend auf die Ureterperistaltik. Zuflüsse über den N. vagus aus dem Ganglion coeliacum erreichen die Niere. Die weitere Versorgung entstammt dem sakralen Parasympathikus, welcher (analog der Embryologie) mit dem Harnleiter die Niere erreicht.
aus dem Truncus sympathicus (Grenzstrang). Die sympathischen Zuflüsse zum Ureter regulieren den Gefäßtonus.
renale und ureterale Schmerzfasern werden durch die Dehnung des NBKS und Harnleiter aktiviert. Weitere Schmerzauslöser sind auch eine direkte Schädigung der Mukosa. Die Schmerzreize werden mit dem Sympathikus weitergeleitet und vermitteln einen typisch viszeralen kolikartigen Schmerzreiz. Die reflektorische Aktivierung von Nerven (N. subcostalis, N. genitofemoralis, N. ilioinguinalis, N. iliohypogastricus) führt zu einer Schmerzausstrahlung in die Flanken-, Leisten- und Genitalregion mit Hyperalgesie.
aufgebaut aus glatter Muskulatur. Die innere Muskelschicht besteht aus longitudinalen Fasern und die äußere Muskelschicht aus zirkulären Fasern.
Bindegewebe mit einem reichhaltigen Gefäßplexus.
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English Version:
Anatomy of the ureter and renal pelvis
Letzte Aktualisierung
Dr. med. Dirk Manski
manski@urologielehrbuch.de