Harnstau: Ursachen der Hydronephrose
Differentialdiagnose Hydronephrose (Harnstau)
Obstruktion im Bereich der Prostata:
BPH, Prostatakarzinom, Harnblasentumor, Harnblasenstein, Harnblasenhalssklerose, Detrusor-Sphinkter-Dyssynergie (DSD).
Obstruktion im Bereich der Harnröhre:
Striktur, Klappen, Karzinom, Konkremente, Fremdkörper, Phimose.
Funktionsstörungen der Harnblase:
neurogene Harnblasenstörungen, Medikamente (Anticholinergika, Neuroleptika), Alkohol, Kälte, Operationen im Becken, Diabetes mellitus.
Harnstau durch Uretererkrankungen (intrinsische Ursachen):
Hydronephrose durch iatrogene Ursachen:
- Intraoperative Verletzungen: Rektumchirurgie, Hysterektomie, Gefäßoperationen. Das Spektrum reicht von ischämischen Strikturen bis zu kompletter Durchtrennung und Ligatur.
- Bestrahlung
Harnstau durch Erkrankungen des Gefäßystems:
- Aortenaneurysma
- Aneurysma der iliakalen Gefäße
- retrokavaler oder retroiliakaler Ureter
- puerperale Ovarialvenen-Thrombophlebitis: 1/3000 Schwangerschaften. Hydronephrose v. a. rechts, spontane Heilung ist die Regel.
- nach Gefäßoperationen: ausgelöst von einer periureteralen Fibrose oder intraoperativen Verletzungen.
Hydronephrose durch Erkrankungen des weiblichen Genitale:
- bei einer Schwangerschaft kann der vergrößerte Uterus den rechten Harnleiter komprimieren
- Endometriose: zyklische Flankenschmerzen, Dysurie, Makrohämaturie
- Extrauterine Schwangerschaft
- Tuboovarialer Abszess
- Beckenbodenschwäche mit Organprolaps
- Ovarialzysten, Ovarialkarzinom, Uterus myomatosus...
Harnstau durch Erkrankungen des Retroperitoneums:
- retroperitoneale Tumoren: Lymphome, Sarkome, primär retroperitoneale Keimzelltumoren.
- Lymphknoten- oder Fernmetastasen: Prostatakarzinom, Zervixkarzinom, Mammakarzinom, Kolonkarzinom, Magenkarzinom, Harnblasenkarzinom, ....
- Retroperitoneale Fibrose
- Pelvine Lipomatose: seltene Erkrankung mit Fetteinlagerungen retroperitoneal mit (kranialer) Verdrängung von Harnblase und Ureteren.
Erkrankungen mit Ektasie des Nierenbeckenkelchsystems ohne zwingende Obstruktion:
Harnleiterabgangsenge, Megakalikose, VUR, Megaureter, Kelchdivertikel. Die Durchführung einer Nierenfunktionsszintigraphie bei den genannten Erkrankungen für die Diagnose Harnstau ist obligat.
Diagnostischer Gang bei Harnstau (Hydronephrose)
- Sonographie
- Urogramm oder CT-Abdomen nativ bei V. a. Urolithiasis. CT-Abdomen mit KM oder MRT bei V. a. extrinsische Obstruktion.
- Nierenfunktionsszintigramm: zur Differenzierung zwischen einer urodynamisch wirksamen Obstruktion oder Ektasie des Kelchsystems ohne Obstruktion. Sicherung und Bestimmung der Nierenfunktion vor operativen Interventionen.
- retrograde Pyelographie und Ureterorenoskopie: Sicherung der Diagnose, kurative Therapie oder Entlastung des Harntrakts mit einer Harnleiterschienung.
Sachregistersuche:
A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z
Sie haben nicht gefunden, was Sie suchen?
Mit nachstehender Google-Suchmaske können Sie diese Webseite (www.urologielehrbuch.de) durchsuchen, alternativ das Internet (Web).