Zusammenfassende Literatur: (Krieger, 2002) (Nickel, 2005a) (Nickel, 2005b) (Sussman und Gally, 1999) (Wagenlehner und Naber, 2006).
Unterschieden werden aszendierende, hämatogene, lymphogene Infektionen und Invasion von Erregern von Nachbarorganen.
die häufigste Ursache. Da die weibliche Urethra kurz ist und Darmbakterien dazu neigen, das Perineum und die Vulva zu besiedeln, neigen Frauen deutlich häufiger als Männer zu HWI.
selten. V. a. bei Tuberkulose, renalen Abszessen und perinephritischen Abszessen. Manchmal auch bei Epididymitis.
seltene Ursache. Es gibt Spekulationen über lymphogene Ausbreitung von rektalen Bakterien zu Prostata, Blase und inneren weiblichen Geschlechtsorganen.
entstehen durch intraperitoneale Abszesse, Abszesse nach PID, bei Fistelung (M. Crohn, Sigmadivertikulitis, Karzinome)
Escherichia coli, Enterobacter, Klebsiella, Morganella, Providentia, Proteus, Pseudomonas aeroginosa, Citrobacter, Gardnerella vaginalis.
Anaerobe gramnegative Keime: Bacteroides.
Staphylococcus (aureus, epidermidis, saprophyticus), Streptococcus (Gruppe D: faecalis; Gruppe B).
Anaerobe grampositive Keime: Peptococcus und Peptostreptococcus.
am häufigsten Candida spezies (insgesamt 5 % aller HWI), weiterhin Aspergillus.
Die meisten HWI werden von E. coli verursacht (90 % der ambulanten Patienten). Pathogene E. coli adhärieren vermehrt am Urothel und vaginalen Epithel. Diese vermehrte Adhärenz wird von Fimbrien oder Pili vermittelt, die Einteilung erfolgt hinsichtlich der Fähigkeit, animalische Erythrozyten zu agglutinieren und anhand der Zucker, welche diese Agglutinierung inhibieren.
agglutinieren Erythrozyten vom Guinea-Schwein, dies wird von D-Mannose inhibiert (mannose-sensitive hemagglutination = MSHA). Diese Bakterien können durch spezifische Zuckersequenzen am Epithel adhärieren.
agglutinieren humane Erythrozyten, dies wird nicht von D-Mannose inhibiert (mannose-resistant hemagglutination = MRHA). Diese Bakterien können an Glykolipid-Rezeptoren der Epithelien haften. Ein spezieller Glykolipid-Rezeptor ist das P-Blutgruppenantigen, Pili mit Affinität zu diesem Rezeptor werden P-Pili oder -Fimbrien genannt.
Die meisten HWI entstehen durch E. coli mit MSHA- und MRHA-Pili. Die MSHA-Eigenschaften sind verantwortlich für die Bindung am Urothel-Schleim, die MRHA-Eigenschaft ermöglicht die Infektion. MSHA alleine genügt i. d. R. nicht für eine Infektion.
Zeichen eines Harnwegsinfekts sind Pyurie, (Mikro-)hämaturie und Bakterien. Bei Katheterisierung und intermittierenden Katheterisierungen ist die diagnostische Aussage nicht mehr gegeben.
bei einer sterilen Harnblasenpunktion gilt jeder Keimnachweis als pathologisch.
Bei vorbestehender Harnblasenkatheterisierung und bei Mittelstrahlurin besteht die Gefahr der Kontamination. Zur Differenzierung der Kontamination von einem HWI wird bei dem Mittelstrahlurin die Keimzahl (Kass’sche Zahl) herangezogen.
105 Keime/ml in einem sauber gewonnenen Mittelstrahlurin zeigen einen HWI an (Kass, 2002). Eine forcierte Diurese oder Pollakisurie führen zu einer kürzeren Verweilzeit des Urins in der Harnblase und können damit bei bestehender Akute Zystitis falsch-niedrige Keimzahlen ergeben.
Die Kontamination des Mittelstrahlurins führt bei Frauen zu falsch-positiven Befunden in ungefähr 30 %. Bei positivem Keimnachweis ist eine Bestätigung mit einem Katheter-Urin notwendig.
Bei Katheterträgern gilt als signifikante Infektion: Keimzahl 104 und Leukozyturie >100/μl.
Restharn? Harnstau? Harnblasendivertikel? Harnblasensteine? Nephrolithiasis? Adenom der Prostata? Ureterozele?
zum Ausschluss von Harnstau, Harnsteinen, Harnblasendivertikeln, anatomischen Fehlbildungen.
indiziert bei schlechtem Harnstrahl oder V. a. Harnröhrendivertikel.
zum Ausschluss einer subvesikalen Obstruktion, eines Divertikel oder Harnblasentumors (ggf. mit Probebiopsien).
zur genauen Klassifizierung von Miktionsstörungen, die Durchführung der Urodynamik ist nur im infektfreien Intervall sinnvoll.
| Harnwegsinfektion 1/3 | Inhalt | Harnwegsinfektion 3/3 |
Sie haben nicht gefunden, was Sie suchen?
Mit nachstehender Google-Suchmaske können Sie diese Webseite (www.urologielehrbuch.de) durchsuchen, alternativ das Internet (Web).
Letzte Aktualisierung
Dr. med. Dirk Manski
manski@urologielehrbuch.de