Zusammenfassende Literatur Nierensteine: (Coe u.a., 2005) (Moe, 2006) (Tiselius u.a., 2001).
1–2 g Metamizol als Kurzinfusion gegen Schmerzen. Tageshöchstdosis von Metamizol 6 g (70 mg/kgKG) [siehe Kapitel Medikamente/Metamizol]. Bei nicht suffizienter Analgesie werden Opiate verabreicht (z. B. Piritramid 5–10 mg langsam i. v.). Medikamentös unstillbare Koliken sind eine Indikation zur Harnleiterschienung.
Harnleitersteine <5 mm haben eine 50 % Chance des spontanen Abgangs. Bei Harnleitersteinen >6 mm beträgt die Chance eines spontanen Abgangs um 5 %. Je distaler der Stein, desto eher ist ein spontaner Abgang wahrscheinlich. Fast alle spontan abgehenden Steine passieren innerhalb von 6 Wochen nach Beginn der Symptomatik.
wichtig ist die Aufklärung des Patienten über die Möglichkeit wiederauftretender Koliken.
spontan abgangsfähige Steine unter 5 mm müssen nicht therapiert werden. Kleine behandlungsbedürftige Kelchsteine können bei Patientenwunsch auch beobachtet werden, und erst bei deutlicher Größenprogredienz und Symptomatik behandelt werden. Dies gilt nicht für Piloten, Fernfahrer oder vergleichbare Berufe. Die klinische Bedeutung von kleinen Reststeinen nach ESWL ist umstritten.
Fieber, medikamentös nicht beeinflussbare Schmerzen, V. a. Urosepsis, Fornixruptur/Urinom.
retrograde Einlage eines MJ- oder DJ-Katheters oder perkutane Nephrostomie.
für Nierenkelchsteine und Nierenbeckensteine <2,5 cm Durchmesser, für Steine in den beiden oberen Ureterdritteln, eventuell auch distaler Ureter. Ob asymptomatische Kelchkonkremente unter 5 mm mit der ESWL behandelt werden sollten, wird kontrovers beurteilt. Einerseits werden 50 % dieser Konkremente in den Harnleiter eintreten und potentiell Interventionen und Komplikationen auslösen, andererseits ist ein großer Anteil davon spontan abgangsfähig.
gemittelt für alle Steinlokalisationen sind nach 3 Monaten ESWL-Therapie ungefähr 73 % der Patienten steinfrei. Ein wichtiger Faktor für den Behandlungserfolg ist neben der Desintegration die Abgangsfähigkeit der Desintegrate. Problematisch sind lange enge Kelchhälse, inbesondere der unteren Kelchgruppen.
Steinfreiheit ist bei unteren Kelchsteinen in bis zu 40–78 % erreichbar. Bei oberen Kelchsteinen ist ein etwas höherer Erfolg von 64–85 % zu verzeichnen. Der Erfolg für die Steinclearance aus den unteren Kelchgruppen hängt vom Durchmesser der Kelchhälse und dem Winkel zwischen Harnleiter und den unteren Kelchgruppen ab.
mittlere und distale Uretersteine. Mit zunehmender technischer Verbesserung der flexiblen URS-Instrumente und der intraluminalen Harnsteindesintegration sind auch proximale Harnleitersteine und Nierenkelchsteine mit der URS behandelbar.
siehe Kapitel Operationstechniken/Ureterorenoskopie (URS). Kleine Harnleitersteine werden mit einer Dormia-Schlinge oder einem Zängchen extrahiert. Größere Steine können desintegriert werden, dazu stehen mechanische Lithotriptoren oder Lasergeräte zur Verfügung. Hohe Harnleitersteine können auch mit Hilfe der URS in das Nierenbecken geschoben und mit der ESWL desintegriert werden.
90 % der unteren und 60 % der oberen Harnleitersteine können durch die URS geheilt werden. Mit neueren Methoden (flexible URS mit Holmium-Laser) werden auch für obere Harnleitersteine Heilungsraten von über 90 % publiziert.
Die perkutane Nephrolithotomie wird variabel abgekürzt: PCN, PCNL oder PNL. Synonym: perkutane Nephrolitholapaxie.
Nierenausgusssteine, Nierenbeckensteine über 2,5 cm Größe, mit der ESWL therapierefraktäre Nierensteine.
Bei endoskopisch therapierefraktären Harnsteinen und damit Ausnahmen vorbehalten. Vor Steinsanierung ist die Überprüfung der Nierenfunktion obligat.
bei kompletten Ausgusssteinen, wenn ein einzeitiges Vorgehen gewünscht wird (z. B. Kinder). Bei Harnleiterabgangsenge kann die Korrektur und Steinsanierung in einer Sitzung angestrebt werden, ebenso bei Kelchhalsstenosen oder Kelchdivertikeln.
nur bei sehr großen Harnleitersteinen sinnvoll (laparoskopisch möglich).
Bei unauffälliger Basisdiagnostik und ohne das Vorliegen von Risikofaktoren für Rezidivnephrolithiasis werden folgende vorbeugende Maßnahmen bei Nierensteinen empfohlen (Siener u. Hesse, 2006):
Steigerung der Trinkmenge bis zu einer Diurese von >2,0 l. Gleichmäßige Verteilung der Trinkmenge über den Tag, d. h. Trinken auch in der Nacht. Geeignet sind harnneutrale Getränke wie Mineralwasser (kalzium- und hydrogenkarbonatarm), Leitungswasser, Früchte- und Kräutertee und Fruchtsäfte (z. B. Apfel, Traube). Ungeeignete Getränke sind zuckerhaltige Limonaden, zuviel Kaffee oder schwarzer Tee und alkoholhaltige Getränke.
Reduzierung der tierischen Eiweißmenge in der Nahrung. Erhöhung des Anteils von Obst, Getreideprodukten und Gemüse. Verzicht auf oxalsäurehaltige Gemüse wie Spinat, Mangold oder Rhabarber. Keine Reduktion der Kalzium-Zufuhr, Ziel ist die Aufnahme von 1000 mg Kalzium/Tag. Verzicht auf Alkohol.
die Adipositas und damit verbundene Ernährungsmuster sind ein Risikofaktor für rezidivierende Nephrolithiasis. Ziel ist eine sanfte, langfristig angelegte Reduktion des Körpergewichtes mit o.g. Umstellung der Ernährung, Erhöhung der Trinkmenge und die Kombination der Maßnahmen mit körperlicher Bewegung. Fasten und spezielle Diäten sind kontraindiziert.
Die Basis einer erfolgreichen pharmakologischen Harnsteinmetaphylaxe ist neben der genauen metabolischen Diagnostik die Compliance des Patienten, dies sollte sich auch in der konsquenten Umsetzung der o.g. Basismaßnahmen wiederspiegeln.
Bei 25 % der Steinpatienten werden häufige Rezidive auftreten. Tab. 3.1 informiert über die Risikogruppe, welche von einer pharmakologischen Harnsteinmetaphylaxe profitiert.
Mittel der Wahl zur Prophylaxe der Kalziumoxalatsteine sind Alkalizitrate oder Natriumbikarbonat. Beide Substanzen senken die Zitratrückresorption im proximalem Tubulus und verbessern somit die inhibitorischen Eigenschaften des Urins. Bei folgenden metabolischen Konstellationen existieren medikamentöse Empfehlungen vom Arbeitskreis Harnsteine der Akademie der Deutschen Urologen (Straub u.a., 2005):
Alkalizitrate 9–12 g/d, alternativ Natriumbikarbonat 1,5 g 1–1–1 p.o.
Alkalizitrate 9–12 g/d, alternativ Natriumbikarbonat 1,5 g 1–1–1 p.o. Zusätzliche Gabe von kalziumsparenden Diuretika wie Hydrochlorothiazid 25 mg/d, ggf. Steigerung auf 50 mg/d.
Alkalizitrate 9–12 g/d.
oxalatarme Ernährung, Kalziumeinfuhr verteilt zu den Mahlzeiten von etwa 1000 mg/d, Magnesiumeinfuhr verteilt zu den Mahlzeiten von 200–400 mg/d (nicht bei Niereninsuffizienz).
eine primäre Hyperoxalurie ist wahrscheinlich, die Behandlung sollte in einem spezialisiertem Zentrum erfolgen. Angewendet werden eine hohe Harnverdünnung, Pyridoxin-Gaben, Alkalizitrate und Magnesium. Trotz aller medikamentösen Bemühungen droht die terminale Niereninsuffizienz. Kausal kann die Erkrankung nur mit einer kombinierten Leber-Nieren-Transplantation therapiert werden.
Purinarme Ernährung, Alkalizitrate 9–12 g/d, Allopurinol 100 mg/d. Erhöhung der Allopurinol-Dosierung auf 300 mg/d ab einer Serumkonzentration der Harnsäure über 380 μmol/l in Abhängigkeit der Nierenfunktion.
Magnesium verteilt zu den Mahlzeiten von 200–400 mg/d (nicht bei Niereninsuffizienz).
Ursachen für Kalziumphosphatsteine sind u.a. der Hyperparathyreoidismus, die renalen tubulären Azidose und Harnwegsinfektionen.
Therapie der Wahl für den Hyperparathyreoidismus ist die chirurgische Nebenschilddrüsenentfernung mit autologer Transplantation in die Armmuskulatur.
Bei der renalen tubulären Azidose steht die Gabe von Alkalizitraten oder Natriumbikarbonat im Vordergrund. Alkalizitrate 9–12 g/d, alternativ Natriumbikarbonat 1,5 g 1–1–1 p.o. Zusätzliche Gabe von kalziumsparenden Diuretika wie Hydrochlorothiazid 25 mg/d bei einer Kalziumausscheidung von über 8 mmol/24 h Urin, ggf. Steigerung auf 50 mg/d.
Zur Therapie der Infektsteine siehe nächster Abschnitt.
Falls sowohl ein Hyperparathyreoidismus, ein Infektstein als auch eine renale tubuläre Azidose ausgeschlossen wurden, so wird eine Harnansäuerung mit L-Methionin 200–500 mg 1–1–1 (Ziel-pH 5,8–6,2) empfohlen. Liegt die Kalziumausscheidung über 8 mmol/24 h Urin wird zusätzlich Hydrochlorothiazid 25 mg (ggf. Steigerung auf 50 mg/d) zur Senkung der Kalziumausscheidung gegeben.
wegweisend ist der anhaltend basische Urin (pH >7) im Urin-pH Tagesprofil. Entscheidend für die erfolgreiche Therapie sind die komplette Steinentfernung, geeignete längerfristige Antibiotikatherapie, Harndilutation und die Ansäuerung des Harns mit L-Methionin 200–500 mg 1–1–1 (Ziel pH des Urins 5,8–6,2).
Hauptursachen für die Harnsteinentstehung sind die Hyperurikosurie und die Säurestarre des Urin-pH (pH-Werte unter 6). Als Prophylaxe steht an erster Stelle die purinarme Ernährung, die Harndilutation und die Alkalisierung des Urins durch Alkalizitrate oder Natriumbikarbonat, Ziel Urin-pH >6,5. Für die Chemolyse von Harnsäuresteinen sollte ein Urin-pH von über 7 angestrebt werden. Allopurinol 100 mg/d zur Verminderung der Hyperurikosurie, Erhöhung der Allopurinol-Dosierung auf 300 mg/d ab einer Serumkonzentration der Harnsäure über 380 μmol/l in Abhängigkeit der Nierenfunktion.
Diurese >3,5 l bei Erwachsenen, Alkalisierung des Harns mit Alkalizitraten (Ziel-pH über 7,5), Reduktion des tierischen Eiweiß, Ascorbinsäure bis zu 5g täglich. Bei einer Zystinsekretion über 3 mmol/Tag unter o.g. Maßnahmen ist eine orale Therapie mit Tiopronin indiziert. Dosierung initial 250 mg 1–0–1, Steigerung bis 2 g/Tag möglich.
Harnverdünnung und purinarme Kost. Ggf. Allopurinol bei 2,8 Dihydroxyadenin-Steinen.
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Dr. med. Dirk Manski
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