Bakterielle eitrige Urethritis, nicht ausgelöst durch Gonokokken.
Zunehmende Inzidenz, inzwischen häufiger als die Gonorrhoe.
am häufigsten. Gramnegative obligat intrazelluläre Erreger, Einteilung nach Serotypen, die Urethritis wird von den Typen D-K ausgelöst.
Extrazelluläre Form wird als Elementarkörperchen bezeichnet (Durchmesser 0.3 μm), bei entsprechender intrazellulärer Vermehrung Einschlusskörperchen.
20 % der NGU. Ureaplasma urealyticum oder Mycoplasma hominis. Bakterien ohne Zellwand, fakultativ anaerob. Wachsen als extrazelluläre Parasiten auf Epithelien.
Fehlende Zellwand, Darstellung mikroskopisch mit der Giemsa-Färbung. Zwischen 0,1–0,6 μm groß.
Inkubationszeit 1–5 Wochen, glasige oder eitrige Sekretion aus der Urethra (Bonjour-Tröpfchen), Dysurie, Brennen in der Urethra. Das Ausmaß der Symptome ist sehr variabel, i. d. R. bei Frauen geringer als bei Männern.
aufsteigende Infektionen. Beim Mann droht eine Epididymitis. Bei der Frau droht (bei Chlamydieninfektion) in 20 % eine Adnexitis (PID). Die Folgen einer PID sind Sterilität durch einen Tubenverschluss (12 % nach 1 PID, 35 % nach 2 PID), weiterhin entsteht ein erhöhtes Risiko für ektope Schwangerschaften. Bei Neugeborenen droht bei Infektion der Mutter mit Chlamydia trachomatis in 15 % eine Chlamydien-Pneumonie oder in 50 % eine Chlamydien-Konjunktivitis.
HLA-B-27 assoziierte, reaktive Systemreaktion mit Mono/Oligoarthritis, Konjunktivitis, Balanitis [Abb. 2.10], Fieber und Exanthemen mit übermäßiger Verhornung an Handflächen und Fußsohlen (Keratoma blennorrhagicum [Abb. 2.11]). Die Symptome entstehen nach unspezifischer Urethritis oder Gastroenteritis. Durch eine Mischinfektion ist das Reiter-Syndrom auch bei der Gonorrhoe möglich.
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Abbildung 2.10: Balanitis circinata im Vollbild: im Rahmen des Reiter-Syndroms entstehende Balanitis mit erosiven Plaques auf der Glans. Abbildung von Dr. Wiesner, Dr. Kaufman, Public Health Image Library, Center for Disease Control and Prevention, USA, www.cdc.gov. |
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Abbildung 2.11: Keratoma blennorrhagicum: im Rahmen eines Reiter-Syndroms nach Urethritis entstehende übermäßige Verhornung an den Handflächen oder Fußsohlen. Abbildung von Dr. M. F. Rein, Public Health Image Library, Center for Disease Control and Prevention, USA, www.cdc.gov. |
peritoneale Infektion bei Frauen mit aufsteigender Adnexitis, meist rechtsseitiger Oberbauchschmerz durch Infektion der Leberkapsel.
Nach 4 h Miktionspause erfolgen mehrere Urethralabstriche, mit Beimpfung von verschiedenen Medien:
für Gramfärbung (Diplokokken) und für Giemsa-Färbung (Chlamydien), wenn ein mikroskopischer Erregernachweis angestrebt wird. In großer Vergrößerung zeigen sich über 4 Leukozyten/Gesichtsfeld.
für Enterokokken, Streptokokken, Staphylococcus aureus ...
z. B. Martin-Lewis-Platten oder Thayer-Martin-Agar für Gonokokken. Stuart-Medium für Mykoplasmen und Ureaplasmen. Der Nachweis von Chlamydien erfolgt entweder durch einen direkten DNA-Nachweis aus dem Abstrich oder die Anzucht in McCoy-Zellen.
Rektalabstrich, Pharynxabstrich; je nach Anamnese.
eine genaue Partneranamnese und Untersuchung aller Sexualpartner ist notwendig.
Direkte immunologische Methoden existieren ebenfalls (DFA = direct fluorescent antibody, EIA = enzyme immunoassay), in niedrig-Risikopopulationen jedoch zu viele falsch-positive Ergebnisse. Für Chlamydien ungeeignet, nur bei V. a. Lues.
Erst nach den Urethralabstrichen erfolgt die Gewinnung und Urinkultur des Mittelstrahlurins.
die nicht-gonorrhoeische Urethritis ist nicht meldepflichtig.
Ciprofloxacin 500 mg p.o. oder Ofloxacin 300 mg p.o., gefolgt von Doxycyclin 100 mg 1–0–1 p.o. über 7 Tage. Dieses Behandlungsregime ist wirksam gegen die meisten Urethritis-Erreger. Alternativ: Azithromycin 1 g p.o. einmalig. Bei Rezidiv ist Erythromycin 500 mg 1–1–1–1 für 3 Wochen indiziert, als Keim ist meist Ureaplasma urealyticum verantwortlich.
Benutzung von Kondomen, intravaginale Behandlung mit Nonoxynol-9-haltigen Spermazidgelen, prophylaktische Antibiose nach GV, Behandlung aller Neugeborenen mit Tetrazyklin-Augentropfen.
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Dr. med. Dirk Manski
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