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Zusammenfassende Literatur: (Aus u.a., 2005) (Heidenreich et al., 2008)
Die permanente Brachytherapie beim Prostatakarzinom wird in der englischsprachigen Literatur als low dose rate (LDR) Brachytherapie bezeichnet. Als Strahlenquellen für die LDR-Brachytherapie kommen 125Jod (I-125) und 103Palladium (Pd-103) zum Einsatz, seltener 198Gold (Au-198). Die niedrige Photonenenergie der Strahlenquellen führt zu einer geringen Ausdehnung der Strahlenwirkung im Gewebe, somit können sensible Organe wie Harnröhre und Rektum geschont werden. Die Halbwertszeit der Strahlenwirkung beträgt 60 Tage für 125Jod und 17 Tage für 103Palladium (Deger u.a., 2001).
die Brachytherapie bei Prostatakarzinom ist geeignet für die Therapie des Niedrig-Risiko-Prostatakarzinoms. Meist wird eine Gleason-Summe unter 7 und eine PSA-Konzentration unter 10 ng/ml gefordert. Siehe auch Leitlinien der DGU (Wirth u.a., 2002).
Die Beschränkung der Brachytherapie bei Prostatakarzinom auf das Niedrig-Risikokarzinom wird von manchen Autoren angezweifelt, es werden für das Hoch-Risikokarzinom sogar bessere Ergebnisse als bei der RRP berichtet. Theoretisch bietet die Brachytherapie eine Möglichkeit, sehr hohe Strahlendosen in die Prostata und deren Umgebung einzubringen, mit genauer Schonung von vitalen Strukturen. Durch die breite Anwendung von computergestützter Vorplanung, großzügigen Sicherheitsabständen und geeigneten Strahlendosen könnten zukünftige Studien die Anwendung der Brachytherapie beim Hoch-Risiko-Prostatakarzinom unterstützen.
die Abbildung und Vermessung der Prostata in horizontalen Schichten (Planimetrie) bildet die Grundlage für die Planung der Seedsimplantation. Die horizontalen Schnittbilder werden in ein Planungsprogramm übertragen, die Harnröhre und das Rektum werden markiert. Das Planungsprogramm ermittelt für eine gewünschte Strahlendosis eine Seedsverteilung und errechnet die Strahlendosis für Harnröhre und Rektum (Dosimetrie). Die Seeds werden transperineal unter transrektaler Ultraschallkontrolle implantiert. Im Idealfall wird während der Behandlung die Berechnung der Strahlendosis nach Applikation der Seeds aktualisiert, um eine Unterversorgung auszuschließen [siehe Kapitel Operationsverfahren/Brachytherapie bei Prostatakarzinom].
die optimale Abdeckung der Prostata mit der geplanten Strahlendosis ist in mehreren Studien als Voraussetzung für den Erfolg der Brachytherapie bei Prostatakarzinom nachgewiesen worden. Strahlenbiologisch ist Pd-103 besser für schlecht differenzierte Prostatakarzinome geeignet, J-125 hat Vorteile bei gut differenzierten Tumoren. Das Nebenwirkungsspektrum ist bei Palladium günstiger.
Die onkologischen Ergebnisse nach LDR-Brachytherapie bei Prostatakarzinom sind in nichtrandomisierten Studien vergleichbar zur externen Strahlentherapie und zur radikalen Prostatektomie, randomisierte Studien mit Langzeitverlauf sind nicht vorhanden (Peinemann u.a., 2011). Unabhängige Prognosefaktoren sind die Strahlendosis von 90 % des Zielgewebes, PSA, Gleason und die Anzahl der positiven Biopsien. Eine adjuvante Hormontherapie oder zusätzliche externe Bestrahlung sind keine Prädiktoren für eine erfolgreiche Therapie.
ein PSA-Anstieg nach Brachytherapie bei Prostatakarzinom ist nicht zwingend ein Progress der Grunderkrankung, sondern kann durch die Strahlenwirkung auf das Prostatagewebe ausgelöst werden und wird PSA-Bounce genannt. Diese passagere PSA-Erhöhung tritt meist wenige Monate nach Seedsimplantation auf und kann bis zum Ende der Strahlenwirkung anhalten (bis zu 3 Jahre). Der PSA-Bounce tritt bei 44 % der Männer auf.
Die Brachytherapie bei Prostatakarzinom in Afterloading-Technik wird in der englischsprachigen Literatur als high dose rate (HDR) Brachytherapie bei Prostatakarzinom bezeichnet. Verwendet werden hoch-radioaktive Nuklide wie 192Iridium (Ir-192). Zusätzlich zur externen Strahlentherapie der Prostata (z. B. 50–60 Gy) erfolgt in 2 Sitzungen die Afterloading-Brachytherapie bei Prostatakarzinom der Prostata. Durch die biologisch stark wirksame Strahlung ergeben sich rechnerisch Vergleichsdosen zur EBRT von 100–130 Gy. Das Nebenwirkungsspektrum bleibt aber günstig.
die Prostata wird in Steinschnittlage mit perineal eingebrachten Hohlnadeln gespickt. Analog zur Planung der permanenten Brachytherapie [siehe Kapitel Operationsverfahren/Brachytherapie bei Prostatakarzinom] wird die Bestrahlung der Prostata errechnet. Die hoch-radioaktive Strahlenquelle wird durch ein ferngesteuertes Afterloading-Gerät durch jede Hohlnadel einzeln in die Prostata eingebracht. Die Bestrahlungsdauer beträgt insgesamt ungefähr 10 min.
bei fortgeschrittenen Tumoren kann durch die HDR-Brachytherapie bei Prostatakarzinom eine PSA-Kontrolle von 60–70 % erreicht werden, dies entspricht den Ergebnissen von aktuellen Serien der radikalen Prostatektomie. Das Nebenwirkungsprofil ist günstig, im Vordergrund stehen rektale Komplikationen in bis zu 11 %.
Die palliative Resektion der Prostata bei subvesikaler Obstruktion durch ein Prostatakarzinom ist im Vergleich zur TURP bei BPH mit höherer Komplikationsrate behaftet. Dies beinhaltet v. a. eine höhere Rate an Inkontinenz, postoperativen Harnverhalten, Blutungen und Rezidivoperationen. Um die Inkontinenz zu vermeiden, wird häufig eine limitierte Resektion durchgeführt.
die Kryotherapie erlebt durch mehrere technische Neuerungen eine Renaissance. Moderne Kryogeräte können die Gefrier- und Tauzyklen mit hoher Geschwindigkeit und hoher Genauigkeit applizieren, die Eisballentstehung kann durch moderne transrektale Ultraschallsonden genau beobachtet werden (Touma u.a., 2005). Durch urethrale und rektale Wärmung mit Temperaturmessungen können Komplikationen verhindert werden, welche in den 70er Jahren häufig waren. Im Vordergrund der Komplikationen stehen rektale Fisteln, anhaltende subvesikale Obstruktion, Inkontinenz, Osteitis pubis und refraktäre Schmerzen.
In der Regel werden in Seldingertechnik bis zu 8 Kryosonden in die Prostata transperineal eingebracht. Ein spezieller Katheter mit Wärmepumpe schützt die Harnröhre. Unter transrektaler US-Kontrolle des Eisballs wird die Prostata mit −195 C vereist, danach folgt die schnelle Erwärmung der Prostata. Es werden zwei Gefrier-Tau-Zyklen appliziert. Bis zum Abstoßen des nekrotischen Gewebes benötigt der Patient für 2–3 Wochen einen urethralen Dauerkatheter. Kontrollierte vergleichende Studien oder retrospektive Serien mit langer Nachbeobachtung fehlen.
gesteuert durch transrektalen Ultraschall wird das Prostatagewebe durch HIFU zerstört. Das Resultat ist eine Gewebenekrose, die vom Körper abgebaut oder abgestoßen wird. Die Datenlage ist bisher auf retrospektive Serien mit maximaler Nachbeobachtung von 5 Jahren limitiert (Blana u.a., 2004). Zusammenfassend sind die onkologischen Ergebnisse abhängig von bekannten Risikofaktoren und vergleichbar mit der EBRT. Das Nebenwirkungsspektrum beinhaltet Impotenz (44–61 %), Inkontinenz (0–14 %) und anhaltende subvesikale Obstruktion, vergleichbar mit der Kryotherapie. Selten entstehen schwerwiegende Komplikationen wie rektale Fisteln (0,7–3,2 %) (Pickles u.a., 2005).
die interstitielle Hyperthermie in der Prostata wird durch Palladium-Kobalt-Seeds und einem Magnetfeld erzeugt, danach findet die EBRT statt. Die Hyperthermie soll die Empfindlichkeit des Gewebes für die EBRT steigern. Bisher keine kontrollierten Studien (Deger u.a., 2004).
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