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Anatomische Normvariante des Ureters (doppeltes Hohlsystem) mit großer Variabilität [Abb. 1.1]:
komplette Harnleiterduplikatur mit zwei Nierenbecken und zwei Ostien.
inkomplette Harnleiterduplikatur mit gemeinsamem Ostium.
Nierendoppelanlage mit Vereinigung der zwei Nierenbecken am pyeloureteralen Übergang.
Zwei getrennte Ureteranlagen mit eigenen Ostien fusionieren auf dem Weg zum metanephrogenen Blastem, es resultiert nur eine Nierenanlage. Sehr selten.
Drei eigenständige Ureter mit drei Ostien oder inkomplette Uretertriplikatur mit zwei Ostien oder einem Ostium (Entstehung siehe Ureter fissus).
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Abbildung 1.1: Unterschiedliche Ausprägungen der Ureterduplikatur: Ureter duplex (links), Ureter fissus (mitte) und Pelvis bifidus (rechts). |
Ursächlich für eine komplette Ureterduplikatur sind zwei Ureterknospen am Wolff’schen Gang. Durch die Rotation der Ostienplatte und des Wolff’schen Gangs um 180 Grad drainiert der laterale (kraniale) Ureter das Unterpolsystem, der mediale (kaudale) Ureter das Oberpolsystem der Doppelniere. Diese Gesetzmäßigkeit wird Meyer-Weigert-Regel genannt.
Inkomplette Ureterduplikaturen entstehen durch eine Teilung der Ureterknospe auf ihrem Weg zum metanephrogenen Blastem. Aus den zwei Ureterknospen entsteht eine Doppelniere in einer gemeinsamen Nierenkapsel.
im Vergleich zu einer Einzelniere mit 8–9 Kelchen besitzt die Doppelniere 11,3 Kelche. Das Oberpolsystem ist kleiner mit durchschnittlich 3,7 Kelchen.
eine erhöhte Infektneigung entsteht bei Ureter fissus durch Pendelurin zwischen den beiden Y-Schenkeln. Bei Ureter duplex kann durch vesikoureteralen Reflux oder Harnstau eine Infektneigung entstehen.
ein Doppelsystem der Niere kann durch einen prominenten Parenchymzapfen im Mittelgeschoss erahnt werden. Einfacher ist die Detektion von Harnstau (oft oberer Anteil [Abb. 2.2]) oder Ureterozelen. In der Regel wird ein Normalbefund erhoben.
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Abbildung 2.2: Doppelsystem der Niere: Sonographie eines gestauten oberen Nierensystem bei Ureter duplex aufgrund eines Harnleitersteins. |
ein Ureter duplex ist oft Zufallsbefund im Rahmen der Diagnostik anderer Erkrankungen [Abb. 2.3]. Bei schlechter Funktion des oberen Nierenanteils fehlt die Darstellung im Urogramm oder der Oberpolharnleiter kontrastiert sich erst später. Hinweise auf einen nicht-kontrastierenden oberen Anteil erhält man aus der geringeren Anzahl an dargestellten Kelchen und dem größeren Abstand der Nierenanlage zur Wirbelsäule. Der untere Ureter verläuft geschlängelt, in der Harnblase kann manchmal eine Ureterozele abgegrenzt werden.
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Abbildung 2.3: Ureter duplex links im Urogramm: beide Nierenanteile stellen sich ohne Harnstau dar. Die Beschwerden des Pat. wurden nicht vom Harntrakt verursacht. Zu beachten ist die abdominelle Raumforderung, welche den linken Psoasschatten nach links verlagert. Als Ursache konnte ein abdominelles Aortenaneurysma identifiziert werden. Mit freundlicher Genehmigung, Dr. G. Antes, Kempten. |
indiziert bei rezidivierenden Infekten oder bei Ektasie des Hohlsystems. Eine mögliche Ureterozele ist vor allem in der frühen Füllungsphase nachweisbar. Ein Reflux in den unteren Nierenanteil ist bei einem Doppelsystem in 50 % nachweisbar.
und retrograde Pyelographie bei Beschwerden.
getrennte Bestimmung der Funktion des oberen und unteren Nierenanteils zur weiteren Therapieplanung.
Die Harnleiterduplikatur ist eine Normvariante und damit nicht therapiepflichtig. Die begleitenden Fehlbildungen und Beschwerden lenken die Therapie (vesikoureteraler Reflux, rezidivierende Harnwegsinfektionen, Harnstau).
| Harnleiterabgangsenge | Inhalt | Ureterektopie |
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Dr. med. Dirk Manski
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