entsteht innerhalb von 30 Tagen in der Nähe der Hautinzision, die Infektion ist limitiert auf Gewebe überhalb der Faszie. Definierend sind Eiterfluss, Organismusnachweis oder iatrogene Wunderöffnung.
entsteht innerhalb von 30 Tagen oder innerhalb eines Jahres bei Endoprothetik, die Infektion beinhaltet auch Gewebe unter der Faszie. Definierend sind Fieber mit klinischem Verdacht auf Wundinfektion, spontane Wunddehiszenz, iatrogene Wunderöffnung, Abszessnachweis, Erregernachweis durch Kultur oder Mikroskopie oder Diagnose durch den Operateur.
je höher die Bakterienkonzentration in der Wunde am Ende der Operation, desto wahrscheinlicher wird der Wundinfektion.
die Wunde reichert im Verlauf der Operation Bakterien an, welche aus der Luft in die Wunde sedimentieren. Risikofaktoren für eine erhöhte Bakteriensedimentation sind: fehlende Sauberkeit des Operationstraktes, Anzahl der anwesenden Personen im OP, Art der OP-Kleidung (gut ist Polypropylen), eine fehlende Absaugung (laminare Strömung mit Filteranlage reduziert deutlich die Keimbelastung), Gespräche und Dauer der Operation.
Handschuhperforation, Keimabgabe von der Haut und den Haaren. Operationstechnik des Chirurgs.
Der Chirurg ist in vielen Studien ein entscheidender Risikofaktor für eine Wundinfektion (Cuthbertson u.a., 1991).
Hautkeime vom Wundrand, Darmkeime bei Darmanastomosen, Keime aus dem Harntrakt, hämatogen.
bei Operationen mit Zerstörung des Lymphabflusses (Durchtrennung der Lymphgefäße oder Entfernung von Lymphknoten) besteht ein sehr hohes Wundheilungsrisiko, wie z. B. bei der radikalen inguinalen Lymphadenektomie (Wundheilungsstörungen bis 70 %).
die Bakterienzerstörung der Phagozyten ist sauerstoffabhängig. Die bakteriozide Wirkung entsteht aufgrund der Bildung von Superoxid-Radikalen aus molekularem Sauerstoff durch die NADPH-gekoppelte Oxygenase. Ein Sauerstoffmangel der Phagozyten hemmt deren bakterienzerstörende Funktion (Allen u.a., 1997) (Babior, 1978a) (Babior, 1978b).
Eine Gewebehypoxie entsteht durch Hypoxie, Volumenmangel, Schmerz, Hypothermie, Hakenzug, traumatisierende Präparationsart und Koagulation. Die resultierende Gewebehypoxie steigert die Inzidenz von Wundinfektionen (Hopf u.a., 1997).
ein Wundhämatom ist ein Risikofaktor für eine Wundinfektion.
Weiterhin sind Bluttransfusionen ein unabhängiger Risikofaktor für einen Wundinfekt. Als Mechanismus wird eine Hemmung der bakteriellen Zerstörung von Phagozyten postuliert (Houbiers u.a., 1997). Weiterhin sind Transfusionen ein Indiz für einen schwierigen Operationsverlauf mit einer erhöhten Wahrscheinlichkeit für eine traumatische Präparation.
Kachexie, Koagulopathien, Schock und Verbrennungen, Polytrauma, Diabetes mellitus, Immunschwäche, Rauchen, Alkoholismus, Glukokortikoidtherapie (Pessaux u.a., 2003).
Bakteriämie: bestehende Infektionen in anderen Organen, Blasenkatherisierung, ZVK.
je nach Eröffnung von Harntrakt oder Darmtrakt ist das entsprechende Keimspektrum neben den Hautkeimen zu erwarten.
Malnutrition vermeiden, Körpergewichtsreduktion bei Übergewicht, Optimierung der Herz- und Lungenfunktion, Rauchen einstellen 6 bis 8 Wochen vor der Operation (Moller u.a., 2002) (Yang und Longaker, 2003), Alkohol vermeiden.
die Minimierung der präoperativen stationären Aufenthaltsdauer senkt die Wahrscheinlichkeit für eine nosokomiale Infektion der Wunde.
bei Dünndarmeingriffen nicht notwendig, bei Dickdarmeingriffen umstritten [siehe Kapitel Darmreinigung].
eine präoperative Dusche mit (antiseptischer) Seife wird empfohlen, die Senkung des Wundinfektionsrisikos wurde in mehreren randomisierten Studien belegt.
eine Rasur erhöht das Risiko einer Wundinfektion, Mikroverletzungen mit Kolonisation von Krankenhauskeimen werden dafür verantwortlich gemacht (McCray u.a., 1986) (Mishriki u.a., 1990) (Moro u.a., 1996).
Falls eine Rasur als unbedingt notwendig erachtet wird, dann nur kurz vor der Operation im OP mit Elektrorasierer (Kjonniksen u.a., 2002).
im Zentrum der anästhesiologischen Möglichkeiten für die Prophylaxe einer Wundinfektion ist die Vermeidung einer Gewebehypoxie, diese korreliert stark mit dem Risiko für Wundinfekte (Hopf u.a., 1997). Die Erhöhung der inspiratorischen Sauerstoffkonzentration über die Raumluftkonzentration konnte in einigen Studien das Wundinfektionsrisiko senken.
die Hypothermie führt zur Hypoxie durch Vasokonstriktion und Muskelzittern, weiterhin wird das Immunsystem gestört.
Hypovolämie führt zur Hypotension, Hypoperfusion und damit zur Hypoxie.
Bluttransfusionen erhöhen das Risiko von Wundinfekten (Houbiers u.a., 1997), die Folgen der Hypovolämie und Hypoxie allerdings auch.
milde intraoperative Hyperkapnie verbessert die subkutane Durchblutung und könnte dadurch die Rate an Wundinfektionen senken. Eine Hypokapnie sollte vermieden werden (Akca u.a., 2003).
die perioperative Antibiotikagabe senkt die Bakterienkonzentration in der Wunde und damit das Risiko einer Wundinfektion. Je höher die potentielle Bakterienkontamination der Wunde, desto sicherer die Indikation zur Antibiotikaprophylaxe. Siehe Kapitel perioperative Antibiotikaprophylaxe.
folgende Techniken reduzieren die Keimübertragung: chirurgische Händedesinfektion, doppelte Handschuhe, Handschuhwechsel nach Kontamination oder bei längerer OP-Zeit, okklusive OP-Kleidung (Textillaminat, Polypropylen), Mundschutz.
Vertikale laminare Strömung mit Filteranlage, wenig anwesende Personen im OP, so wenig als möglich Gespräche, möglichst kurze Operationsdauer.
Minimierung der Skalpellschnitte bis zum Erlangen der Faszie, Wundrandbefeuchtung, sorgfältige sich auf das notwendigste beschränkende Blutstillung.
Der transversale Zugang bei der Laparotomie führt zu weniger Platzbäuchen als die mediane Laparotomie (Grantcharov und Rosenberg, 2001).
Die Hautdesinfektionsmittel senken das Risiko einer Wundinfektion, sind aber noch unzureichend vergleichend untersucht worden (Edwards u.a., 2004). Bei abdominellen Eingriffen ist die Verwendung von Hautfolie zum Schutz der Wunde vor Hautkeimen wahrscheinlich nicht effektiv. Vor Hautverschluss sollte eine erneute Hautdesinfektion durchgeführt werden.
Hämatome, Bluttransfusionen und intraoperative Hypotension als Folge von Blutungen sind Risikofaktoren für eine Wundinfektion (Jensen u.a., 1990) (Houbiers u.a., 1997).
randomisierte Studien empfehlen eine fortlaufende Allschichtnaht mit nicht-resorbierbarem monofilen Nahtmaterial oder mit Vicryl Stärke 1. Ein separater Peritoneumverschluss ist nicht notwendig (van 't Riet u.a., 2002).
Wunddrainagen haben in mehreren randomisierten Studien einen negativen Einfluss auf die Wundinfektionsrate (Locker u.a., 1983) (Monson u.a., 1991). Der Nutzen von intraperitonealen Drainagen für die Vermeidung von Komplikationen ist umstritten.
Bei elektiven Eingriffen ist die Wundspülung mit physiologischer Kochsalzlösung sinnvoll, um Blut, sedimentierte Bakterien und Partikel zu entfernen. Bei kontaminierten Wunden erfolgt die Reinigung mit einem Antiseptikum.
die Anlage von subkutanen Saugdrainagen oder subkutanen versenkten Nähten ist umstritten. Die Drainage könnte die Eintrittspforte für Bakterien sein, zusätzliche subkutane Nähte führen zu einer subkutanen Ischämie.
Bei schlanken Patienten bieten sie wahrscheinlich keine Vorteile. Bei adipösen Patienten sind subkutane Nähte z. B. nach Sectio gesichert sinnvoll (Chelmow u.a., 2004).
Der Hautverschluss ist prinzipiell mit folgenden Techniken möglich: Hautklammerung mit Metall-Clips, Hautnaht mit monofilen nichtresorbierbaren Fäden fortlaufend oder in Einzelknopftechnik, Intrakutannaht mit resorbierbarem Faden.
Patienten bevorzugen eher intrakutane Nahttechniken (Johnson u.a., 1997) (Sakka u.a., 1995), diese sind wahrscheinlich auch kosmetisch attraktiver (Frishman u.a., 1997).
Trokarinzisionen bei laparoskopischen Eingriffen können schnell und gleichwertig mit Steristrips verschlossen werden (Maartense u.a., 2002).
haben wahrscheinlich einen geringen Einfluss auf die Wundinfektionsrate, d. h. der Wundinfekt entsteht im Operationssaal und aufgrund der Risikofaktoren des Patienten. Der Standardverband mit Kompressen ist das Mittel der Wahl, Hydrokolloid-Verbände sind teurer und haben keine messbaren klinischen Vorteile (Wikblad und Anderson, 1995).
Randomisierte Studien belegen die frühe Entbehrlichkeit eines Verbandes (Merei, 2004).
Frühes postoperatives Duschen erhöht nicht die Inzidenz von Wundinfektionen (Neues und Haas, 2000).
eine ausreichende Analgesie mindert die Vasokonstriktion, steigert den Gewebepartialdruck von Sauerstoff und senkt damit signifikant die Rate der Wundinfektionen (Akca u.a., 1999).
eine enge physiologische Blutzuckereinstellung senkt perioperative Komplikationen, auch die Rate an Wundinfektionen (Lazar u.a., 2004).
Ubi pus, ibi evacua: Spaltung der Wunde bei eitrigem Verhalt und offene Wundbehandlung. Wundabstrich zur Bestimmung des Keimspektrums.
Bei kleinen Wunden wird die sekundäre Wundheilung abgewartet.
Bei großen Wunden erfolgt die offene Wundbehandlung bis zu sauberen granulierenden Wundflächen, dann kann eine Sekundärnaht die Wundheilung verkürzen. Alternativ oder zusätzlich kann eine Vakuumtherapie die Wundheilung beschleunigen.
Bei Serombildung kann zunächst die sterile Punktion und Aspiration helfen.
zunächst kalkulierte Therapie mit systemischen Gaben nach dem zu erwartenden Keimspektrum. Nach Erhalt der mikrobiologischen Austestung ist ggf. eine Änderung notwendig.
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Dr. med. Dirk Manski
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