Dr. med. Dirk Manski

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Chronische Prostatitis und Beckenschmerzsyndrom (Teil 2/3): Klinik und Diagnose


Zusammenfassende Literatur chronische Prostatitis: (Nickel, 2003) (Schaeffer u.a., 2002).

Klinik der chronischen Prostatitis und Beckenschmerzsyndrom

Der international validierte Fragebogen (NIH-CPSI = NIH Chronic Prostatitis Symtome Index) des ,,NIH Chronic Prostatitis Collaborative Research Network`` spiegelt gut das klinische Spektrum der Beschwerden wieder:

Schmerzen oder Beschwerden:

Schmerzlokalisation:

Wo empfanden Sie Schmerzen in der letzten Woche (jeweils 1 Punkt): Zwischen Mastdarm und Hoden (Damm), Hoden, Penisspitze oder Unterbauch.

Schmerzhaftes Urinieren oder Ejakulation:

Haben sie innerhalb der letzten Woche folgende Beschwerden beobachtet: Schmerzen oder Brennen beim Wasserlassen oder nach dem Orgasmus (jeweils 1 Punkt).

Schmerzfrequenz:

Wie oft hatten Sie oben aufgeführte Schmerzen: nie, selten, manchmal, oft, fast immer oder immer (0–5 Punkte).

Schmerzintensität:

Wie stark sind diese Schmerzen durchschnittlich: (0–10 Punkte).

Miktionsbeschwerden (Wasserlassen):

Restharngefühl:

Wie oft hatten Sie in der letzten Woche das Gefühl, dass Ihre Blase nach dem Wasserlassen nicht ganz entleert war?

Nie, weniger als 1 von 5 mal, weniger als die Hälfte, 50 %, mehr als die Hälfte oder immer (0–5 Punkte).

häufiger Harndrang/Pollakisurie:

Wie oft mussten Sie in der letzten Woche innerhalb von 2 Stunden ein zweites Mal Wasserlassen?

Nie, weniger als 1 von 5 mal, weniger als die Hälfte, in 50 %, mehr als die Hälfte oder immer (0–5 Punkte).

Lebensqualität:

Interpretation des NIH-CPSI

Die einzelnen erzielten Punkte werden addiert, die Fragen zu Schmerzen, Miktion und Lebensqualität werden jedoch separat ausgewertet.

Diagnose der chronischen Prostatitis und Beckenschmerzsyndrom

Basisdiagnostik

Anamnese:
Miktionsstörungen? Sexuelle Störungen? Allgemeine Symptome?
NIH-CPSI Fragebogen:
zur Quantifizierung der Beschwerden (s. o.)
Körperliche Untersuchung

mit rektale Untersuchung zur Differentialdiagnose. Die Prostatauntersuchung sollte nach der initialen Uringewinnung stattfinden.

Harnstrahlmessung:

der Uroflow dient als Suchtest für Miktionsstörungen.

Sonographie der Harnblase:

Restharn? Harnblasensteine? Prostatagröße?

PSA:
ab 50. Lebensjahr indiziert.
Keimnachweis:

zur Identifizierung einer chronischen bakteriellen Prostatitis werden 4 Portionen einer Miktion getrennt gesammelt und mikrobiologisch untersucht (Sedimentmikroskopie und Urinkultur). Eine bakterielle Prostatitis ist nachgewiesen, wenn die Bakterienkonzentration in Probe 3 und 4 um das 10-fache ansteigt.

  1. Die ersten 10 ml Urin (Urethralkeime)
  2. Mittelstrahlurin (Harnblasenkeime)
  3. Prostataexprimat (Prostatakeime): Normalerweise unter 10 Leukozyten pro Gesichtsfeld in hoher Vergrößerung.
  4. Die ersten 10 ml Urin nach Prostatamassage (Prostatakeime)

Aufgrund des hohen Aufwandes und Kosten hat sich der Zwei-Gläser-Test durchgesetzt, aktuelle Studien bestätigten die Gleichwertigkeit:

  1. Mittelstrahlurin (Harnblasenkeime)
  2. die ersten 10 ml Urin nach der Prostatamassage (Prostatakeime)

Erweiterte Diagnostik

Transrektaler Ultraschall (TRUS):

es gibt keine spezifischen Zeichen für eine chronische Prostatitis im TRUS. Variabel assoziiert mit chronischer Prostatitis werden Echoinhomogenitäten, Prostataverkalkungen, Dilatation des Venenplexus, Prostatasteine und Dilatationen der Samenblasen. Weiterhin ist der TRUS wichtig für die Differentialdiagnose (Abszesse, Prostatazysten, Samenblasenerkrankungen).

Eine Prostatastanzbiopsie ist nur bei suspektem Tastbefund oder erhöhtem PSA-Wert indiziert.

Wiederholter Keimnachweis:

ggf. unter Einbeziehung von Spermakultur oder Harnröhrenabstrich.

Urodynamische Untersuchung:

zur Differentialdiagnose von Miktionsstörungen. Häufig assoziiert mit den (oder ursächlich für die) Beschwerden: subvesikale Obstruktion durch Harnblasenhalsenge, dysfunktionelle Miktion oder autonome Detrusoraktivität.

Zystoskopie:

Die Zystoskopie ist indiziert zur Differentialdiagnose von Miktionsstörungen.

Experimentelle Diagnostik:

folgende Parameter und Marker wurden untersucht, konnten sich aber in der klinischen Praxis nicht etablieren: Antikörper gegen gramnegative Bakterien, IgA und IgG im Prostataexprimat, verschiedene Zytokine im Seminalplasma (Interleukine, TNF-α) und die Zinkkonzentration im Prostataexprimat.

Differentialdiagnose der chronischen Prostatitis







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Literatur Chronische Prostatitis und Beckenschmerzsyndrom

Nickel 2003 NICKEL, J. C.:
Recommendations for the evaluation of patients with prostatitis.
In: World J Urol
21 (2003), Nr. 2, S. 75–81

Schaeffer u.a. 2002 SCHAEFFER, A. J. ; DATTA, N. S. ; FOWLER, Jr. ; KRIEGER, J. N. ; LITWIN, M. S. ; NADLER, R. B. ; NICKEL, J. C. ; PONTARI, M. A. ; SHOSKES, D. A. ; ZEITLIN, S. I. ; HART, C.:
Overview summary statement. Diagnosis and management of chronic prostatitis/chronic pelvic pain syndrome (CP/CPPS).
In: Urology
60 (2002), Nr. 6 Suppl, S. 1–4




  English Version: Symptoms and diagnostic work-up of chronic prostatitis and CPPS