Dr. med. Dirk Manski

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Peniskarzinom (2/4): Klinik und Diagnose


Zusammenfassende Literatur Peniskarzinom: (Culkin und Beer, 2003) (Doehn u.a., 2001) (Kroon u.a., 2005) (EAU-Leitlinien: Hakenberg u.a., 2014).

Klinik des Peniskarzinoms

In Frühstadien imponiert das Peniskarzinom als flächige, erhabene Rötung, später entwickelt sich ein exophytisch wachsender Tumor, seltener eine Ulzeration. Die bevorzugte Lokalisation ist die Glans penis und das distale Präputium [Abb. 2.20].

Im weiteren Verlauf entwickelt sich ein lokal progredientes Tumorwachstum mit Infiltration der Schwellkörper und der Harnröhre (Harnverhalt). In der Leiste sind dann häufig Lymphknotenmetastasen als derbe, nicht schmerzhafte Lymphknotenschwellung tastbar, welche selten Arrosionsblutungen der großen Gefäße verursachen können. Fernmetastasen sind selten und treten fast nur mit Lymphknotenmetastasen auf (Lunge, Leber, Knochen, ZNS).


Peniskarzinom: wichtige Differentialdiagnose der flächigen oder ulzerösen Penisläsion. Im Frühstadium ist das Peniskarzinom gegenüber einer benignen Penisläsionen nur durch eine Biopsie abzugrenzen. Mit freundlicher Genehmigung, Dr. J. Schönebeck, Ljungby, Schweden.
Abbildung: Peniskarzinom Genitalulkus


Fortgeschrittenes Peniskarzinom mit Infiltration von Schafthaut und Schwellkörper.
Abbildung großes fortgeschrittenes Peniskarzinom

Diagnose des Peniskarzinoms

Lokale Tumorausdehnung:

Die körperliche Untersuchung kann bei kleinen Penistumoren zuverlässig das lokale Tumorstadium erfassen, die Sonographie ist dabei eine wertvolle Hilfe. Bei fortgeschrittenen Tumoren und Unklarheiten hinsichtlich der Corpus cavernosum-Infiltration ist das MRT mit artifizieller Erektion eine Option, die Studienlage ist jedoch dürftig.

Lymphknotenstatus und Fernmetastasen:

die Palpation der inguinalen Lymphknoten kann zuverlässig eine Lymphadenopathie identifizieren. 50 % der Patienten mit palpablen Lymphknoten haben Metastasen, ebenso häufig sind benigne Ursachen der Lymphknotenvergrößerung [siehe Differentialdiagnose vergrößerte Leistenlymphknoten]. Die Sonographie der Leistenlymphknoten kann manchmal in der Differenzierung hilfreich sein [Abb. Sonographie Leistenlymphknoten].


Sonographie der Leistenlymphknoten: typisches Bild einer benignen Lymphknotenvergrößerung (Länge 20 mm) mit regelmäßig ovalförmigen Lymphknoten und echogenem Zentrum als Zeichen der Verfettung. Zeichen einer malignen Lymphadenopathie sind unregelmäßige echoarme Areale, runde und unregelmäßig begrenzte Lymphknoten.
Ultraschall: gutartige Vergrößerung der Leistenlymphknoten

Vorteile für CT oder MRT liegen in der zusätzlichen Erfassung von iliakalen Lymphknotenvergrößerungen und in der Diagnose von Fernmetastasen. Die Bildgebung der inguinalen Region ist bei Voroperationen und bei Adipositas indiziert. Alle bildgebenden Verfahren haben den Nachteil, Lymphknotenmetastasen ohne Lymphknotenvergrößerung nicht zu erfassen. Die Lymphangiographie hat nur noch historischen Wert in der Staging-Diagnostik.

Rö-Thorax, CT-Abdomen, Knochenszintigraphie und Sonographie der Leber identifizieren Fernmetastasen und sind vor allem bei nachgewiesenen Lymphknotenmetastasen indiziert.

Histologische Sicherung:

Zur Sicherung der Diagnose ist eine histologische Sicherung der Diagnose notwendig, insbesondere vor ablativen Eingriffen. Erst der histologische Beweis der Malignität (mit Grading und Infiltrationstiefe) kann die weitere Therapie des Peniskarzinoms steuern. Je nach Größe des Primärtumors wird eine komplette Keilexzision oder partielle Exzisionsbiopsie mit ausreichender Tiefenausdehnung durchgeführt. Kleine Stanzbiopsien liefern keine zuverlässigen Daten über das Grading. Auch die Infiltrationstiefe kann durch eine Stanzbiopsie nicht sicher bestimmt werden.

Tumormarker des Peniskarzinoms:

SCC (squamous cell carcinoma antigen)

Differentialdiagnose des Peniskarzinoms

Infektionen:

Weicher und harter Schanker, Herpes genitalis, Lymphadenopathia venereum, Granuloma inguinale, Tuberkulose, Lues.

Gutartige Tumoren:

Condyloma acuminata, Leiomyom, Balanitis xerotica obliterans.

Prämaligne Läsionen:

Buschke-Löwenstein Tumor, Erythroplasie (Queyrat), Morbus Bowen, Leukoplakie.

Maligne Tumoren:

Basalzellkarzinome, Sarkome, Adenokarzinome, Lymphome oder maligne Melanome, insgesamt selten.



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Literatur Peniskarzinom

Catalona 1988 CATALONA, W. J.:
Modified inguinal lymphadenectomy for carcinoma of the penis with preservation of saphenous veins: technique and preliminary results.
In: J Urol
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Culkin und Beer 2003 CULKIN, D. J. ; BEER, T. M.:
Advanced penile carcinoma.
In: J Urol
170 (2003), Nr. 2 Pt 1, S. 359–65

Doehn u.a. 2001 DOEHN, C. ; BAUMGARTEL, M. ; JOCHAM, D.:
[Surgical therapy of penis carcinoma].
In: Urologe A
40 (2001), Nr. 4, S. 303–7

Gerber 1994 GERBER, G. S.:
Carcinoma in situ of the penis.
In: J Urol
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Haas u.a. 1999 HAAS, G. P. ; BLUMENSTEIN, B. A. ; GAGLIANO, R. G. ; RUSSELL, C. A. ; RIVKIN, S. E. ; CULKIN, D. J. ; WOLF, M. ; CRAWFORD, E. D.:
Cisplatin, methotrexate and bleomycin for the treatment of carcinoma of the penis: a Southwest Oncology Group study.
In: J Urol
161 (1999), Nr. 6, S. 1823–5

Höpfl u.a. 2001 HÖPFL, R. ; GUGER, M. ; WIDSCHWENDTER, A.:
Humane Papillomviren und ihre Bedeutung in der Karzinogenese.
In: Hautarzt
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Kroon u.a. 2005 KROON, B. K. ; HORENBLAS, S. ; NIEWEG, O. E.:
Contemporary management of penile squamous cell carcinoma.
In: J Surg Oncol
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In: Eur Urol
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Solsona u.a. 2004 SOLSONA, E. ; ALGABA, F. ; HORENBLAS, S. ; PIZZOCARO, G. ; WINDAHL, T.:
EAU Guidelines on Penile Cancer.
In: Eur Urol
46 (2004), Nr. 1, S. 1–8