Dr. med. Dirk Manski

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Prostata und Samenwege: Anatomie und Physiologie (Teil 2/2)


Zusammenfassende Literatur Prostata: (Benninghoff, 1993).

Makroskopische Anatomie der Prostata und akzessorischen Geschlechtsdrüsen

Glandulae bulbourethrales (Cowper’schen Drüsen)

Die paarigen Cowper’schen Drüsen sind linsengroße Drüsen, welche auf Höhe des Beckenbodens liegen und über einen 2–5 cm langen Ausführungsgang in die Pars spongiosa der Harnröhre münden.

Gefäß- und Nervenversorgung der Prostata

Die männlichen akzessorischen Geschlechtsdrüsen werden von Ästen der Vasa iliaca interna versorgt.

Arterien der Prostata:

die A. vesicalis inferior tritt laterodorsal an die Prostata heran und zweigt sich dann in urethrale und kapsuläre Äste auf. Die urethralen Äste durchbrechen die basale Prostata/Harnblasenhals bei 4 und 8 Uhr (Sicht aus Steinschnittlage) und versorgen die periurethrale Mantelzone. Bei einer Adenomenukleation oder TURP sind Blutungen deshalb am Harnblasenhals bei 4 und 8 Uhr zu erwarten.
Die kapsulären Äste verlaufen außerhalb der Organkapsel posterolateral der Prostata mit dem N. cavernosus bis zum Beckenboden, die Prostataäste zweigen rechtwinklig ab und durchbrechen dann die Organkapsel.
Weitere arterielle Versorgung: Äste aus der A. rectalis media, A. pudenda interna, A. obturatoria.

Venen der Prostata:

der Plexus vesicoprostaticus drainiert das Blut aus den Geschlechtsdrüsen in die V. iliaca interna. Besonders kräftig ist der Plexus unter den Ligg. puboprostatica ausgeprägt (Plexus santorinii), dort drainiert das Penisblut in den Plexus.

Nerven der Prostata:

die vegetative Innervation gelangt mit dem N. cavernosus an die Prostata und zieht mit den arteriellen Ästen in das Organ. Der N. cavernosus verläuft in der Faszienumhüllung der Prostata (zwischen Organkapsel und Faszienbedeckung des M. levator ani) latero-dorsal der Prostata.

Parasympathische Signale stimulieren die Drüsentätigkeit und glattmuskuläre Dilatation. Für die glattmuskuläre Dilatation wird NO von parasympathischen Nerven freigesetzt und durch Phosphodiesterasen inaktiviert. Phosphodiesterasehemmer wie Tadalafil sind effektiv in der Behandlung der symptomatischen BPH.

Die sympathische Innervation über α1-Rezeptoren vermittelt die glattmuskuläre Kontraktion. In der Prostata sind α1A-Rezeptoren häufig. Eine adrenerge Stimulation von α1-Rezeptoren führt zu einer Erhöhung des Harnblasenverschlusses. Die Blockade von α1-Rezeptoren führt zu einer Verminderung des Harnblasenverschlusses, α1-Blocker wie Tamsulosin werden für die Therapie der BPH eingesetzt.

Mikroskopische Anatomie der Prostata und akzessorischen Geschlechtsdrüsen

Histologie der Vesicula seminalis

Die Samenblase besteht aus einem gangartigen, etwa 15 cm langen Drüsenkörper mit kräftiger Muskelwandung. Die Samenblasengänge sind mit ein- bis zweireihigem hochprismatischem Epithel ausgekleidet.

Histologie der Prostata

Tubuloalveoläre Drüsen mit zwei- oder mehrreihigem Epithel, welches flach, isoprismatisch oder hochprismatisch sein kann. Zwischen den hochprismatischen Zellen mit apikalen Sekretgranula liegen Basalzellen, aus denen sich das Epithel ständig regeneriert.
Jeder Drüsenazinus wird von Bindegewebe und glatter Muskulatur (fibromuskuläres Stroma) umgeben. Das Stroma macht ungefähr 70 % der Prostatamasse aus.
Die Prostatadrüsen münden beidseits vom Samenhügel in die prostatische Harnröhre. Während der Ejakulation führt die Kontraktion der glatten Muskulatur zur Exprimierung der Drüseninhalte.

Histologie der Glandulae bulbourethrales

Die Cowper’schen Drüsen bestehen aus tubulären Drüsen, welche von glatter Muskulatur umgeben sind.

Physiologie der Prostata und akzessorischen Geschlechtsdrüsen

Physiologie der Vesicula seminalis

Die Samenblase produziert ein alkalisches (pH 7,4), gelatineartiges und fruktosehaltiges Sekret, welches die Hälfte des Ejakulatvolumens bildet.

Physiologie der Prostata

Prostatasekret

Das Prostatasekret ist dünnflüssig, leicht sauer (pH 6,4) und bildet etwa 20 % des Samenvolumens. Es enthält Spermin (Motilität der Spermien), Spermidin, Prostataglandine (Uterusstimulation), Zink (beeinflusst Testosteronmetabolismus der Prostata), Zitronensäure (Puffer), Immunglobuline, Phosphatasen und Proteasen (Verflüssigung des Spermas).

Kontrolle des Urin- und Samenflusses

Neben der Drüsentätigkeit ist die Prostata Schaltstelle für die Harn- und Samenwege. Die Miktion erfolgt unter parasympathischer Aktivität bei gleichzeitig reduzierter sympathischer Aktivität, dies führt zur Erschlaffung des Harnblasenhalses und Verringerung des Auslasswiderstandes.

Die Ejakulation wird vom Sympathikus kontrolliert. Die Aktivierung der prostatischen α-Rezeptoren führt zur Kontraktion des glattmuskulären Stromas und des Harnblasenhalses, dies bewirkt eine Exprimierung des Inhaltes der Prostatadrüsen und verschließt den Harnblasenhals für eine antegrade Ejakulation. Verletzungen der sympathischen Nervenfasern im Rahmen von Operationen wie z. B. der retroperitonealen Lymphadenektomie führen zu einer retrograden Ejakulation.







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Literatur Prostata

Benninghoff 1993 BENNINGHOFF, A.:
Makroskopische Anatomie, Embryologie und Histologie des Menschen.
15. Auflage.
Mnchen; Wien; Baltimore : Urban und Schwarzenberg, 1993

Brooks u.a. 2001 BROOKS, J. D. ; EGGENER, S. E. ; CHAO, W. H.:
Anatomy of the rectourethralis muscle.
In: Eur Urol
41 (2001), S. 94–100

McNeal 1988 MCNEAL, J. E.:
Normal histology of the prostate.
In: Am J Surg Pathol
12 (1988), S. 619–633





 


  English Version: Anatomy of the prostate gland