Dr. med. Dirk Manski

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Prostatakarzinom (9/10): Hormontherapie der Metastasen


Zusammenfassende Literatur und Leitlinien: EAU Guidelines, Mottet et al, 2017, S3-Leitlinie Prostatakarzinom der DGU, Campbell-Walsh Urology (2015).

Therapie des metastasierten Prostatakarzinoms.
(*) Optionen sind die Orchiektomie, GnRH-Analoga oder GnRH-Antagonisten.
(**) siehe Abb. intermittierende Hormontherapie.
(***) die Reihenfolge der Sequenztherapie bei CRPC ist nicht definiert.
Flowchart oder Diagramm: Hormontherapie des metastasierten Prostatakarzinoms

Hormon-sensibles Prostatakarzinom

Antiandrogene Therapie des metastasierten Prostatakarzinoms:

Folgende Optionen existieren für die antiandrogene Therapie des hormonsensiblen Prostatakarzinoms :

Die einzelnen Möglichkeiten der Hormontherapie werden in Abhängigkeit des Krankheitsprogress und Ansprechen sequenziell oder kombiniert angewendet [Abb. Hormontherapie]. Siehe auch Kapitel Antiandrogene Therapie]. Zusammenfassende Literatur: (Akduman und Crawford, 2003)

Indikationen zur Hormonherapie beim Prostatakarzinom:

Die S3-Leitlinie für das Prostatakarzinom empfielt die Hormontherapie bei einer PSA-Verdopplungszeit < 3 Monate, symptomatischer lokaler Progression, bei nachgewiesener Fernmetastasierung und adjuvant im Rahmen einer Strahlentherapie oder bei (ausgedehnter) Lymphknotenmetastasierung nach radikaler Prostatektomie [S3-Leitlinie Prostatakarzinom 2009].

Zeitpunkt der Hormontherapie:

Der Überlebensgewinn der sofortigen Hormontherapie bei asymptomatischen Metastasen im Vergleich zur Hormontherapie bei symptomatischen Metastasen ist im Langzeitverlauf gering bis mäßig (Loblaw u.a., 2004). Für die häufige Praxis, bei einem PSA-Progress nach kurativer Therapie ohne Nachweis von Fernmetastasen mit einer Hormontherapie zu beginnen, gibt es keine Belege für eine Verlängerung des Überlebens. Die mittlere Überlebensdauer bei biochemischem Progress nach RRP beträgt 13 Jahre (Pound u.a., 1999), dies sollte bei Beginn der antiandrogenen Therapie bedacht werden. Die schwerwiegenden Nebenwirkungen der antiandrogenen Therapie wie Osteoporose und Anämie sind zeitabhängig.

Nachsorge:

Drei und sechs Monate nach Beginn einer Hormontherapie sollte die Verträglichkeit und der klinische Erfolg (Beschwerden, PSA-Werte) ermittelt werden. Die weiteren Nachsorgeuntersuchungen und Bildgebung werden individuell in Abhängigkeit des Progressionsrisikos gestaltet.

Prognose des metastasierten Prostatakarzinoms:

77 % überleben weniger als 5 Jahre, 16 % überleben 5–10 Jahre und 7 % leben länger als 10 Jahre (n=1286 mit primär metastasiertem Prostatakarzinom, Nachbeobachtung 10 Jahre). Prädiktoren für ein Langzeitüberleben bei einem Prostatakarzinom mit Metastasen sind: minimaler Krankheitsnachweis, niedriges PSA, niedrige Gleason-Summe, guter Allgemeinzustand, keine Knochenschmerzen, gutes PSA-Ansprechen nach antiandrogener Therapie und eine lange PSA-Verdoppelungszeit. Für die Vorhersage der Überlebensdauer existieren mehrere Nomogramme: (Halabi u.a., 2003) (Smaletz u.a., 2002).

Nebenwirkungen der Hormontherapie:

Zu den Nebenwirkungen der antiandrogenen Therapie und deren Prophylaxe durch eine adjuvante Therapie siehe Kapitel Antiandrogene Therapie.

Vergleichende Studien für die Hormontherapie des Prostatakarzinoms:

Im Vergleich zur Orchiektomie sind die GnRH-Analoga onkologisch gleichwertig, die Androgenrezeptorantagonisten nur gering unterlegen. Das Nebenwirkungsprofil der Androgenrezeptorantagonisten ist günstiger.

Intermittierende Hormontherapie des Prostatakarzinoms:

Ziel der intermittierenden Hormontherapie ist die Senkung der Nebenwirkungsrate durch Minimierung der Zeit unter Hormontherapie, dies ist für die Libido, Erektion, Hitzewallungen und allg. körperliches Wohlbefinden durch Studien belegt. Die Hormontherapie wird in Abhängigkeit der Ausgangs-PSA-Konzentration bis zu einem bestimmten PSA-Nadir durchgeführt, dann folgt eine Therapiepause bis zu einem bestimmten PSA-Progress, welcher wieder die Indikation zu einem weiteren Zyklus Hormontherapie festlegt [Abb. Flussdiagramm intermittierende Hormontherapie beim Prostatakarzinom] (Pether and Goldenberg, 2004). Die Testosteronkonzentration erreicht auch nach mehreren Zyklen Hormontherapie wieder Normalwerte.

Die Studienlage ist bezüglich der Gleichwertigkeit der intermittierenden Hormontherapie im Vergleich zur kontinuierlichen Hormontherapie uneindeutig. Mehrere randomisierte Studien haben die onkologische Gleichwertig demonstriert (Crook u.a., 2012) (Mottet u.a., 2012) (Salonen u.a., 2012). In der größten randomisierten Studie (SWOG 9346, n=1535) zeigte sich jedoch in der Gruppe der intermitterenden Hormontherapie eine geringere Lebenserwartung (5,1 vs. 5,8 Jahre, 7JÜR 38% vs. 42%), dieser Effekt war in der Gruppe der geringmetastasierten Patienten noch stärker (Hussain, 2012).

Intermittierende antiandrogene Therapie des Prostatakarzinoms (Pether and Goldenberg, 2004): die Hormontherapie wird in Abhängigkeit der Ausgangs-PSA-Konzentration bis zu einem bestimmten PSA-Nadir durchgeführt, dann folgt eine Therapiepause bis zu einem bestimmten PSA-Progress, welcher wieder die Indikation zu einem weiteren Zyklus Hormontherapie festlegt.
Diagramm oder Flowchart: Intermittierende Hormontherapie des Prostatakarzinoms

Maximale Androgenblockade beim Prostatakarzinom:

Die Kastration oder die Gabe von GnRH-Agonisten führt zu einer Absenkung des Testosterons auf das sogenannte Kastrationsniveau (unter 0,2–0,5 ng/ml Testosteron), die Produktion der Androgene in der Nebenniere bleibt jedoch erhalten. Durch den Zusatz von Androgenrezeptorantagonisten kann eine zusätzliche antiandrogene Wirkung erreicht werden. Verwendet werden v. a. nichtsteroidale Androgenrezeptorantagonisten (Flutamid oder Bicalutamid).

In der Regel wird die maximale Androgenblockade bei Progress nach chirurgischer oder medikamentöser Kastration begonnen. Das Ausmass des klinischen Nutzens ist jedoch angesichts der neueren verfügbaren Medikamente wie Abirateron gering (siehe unten).

Chemotherapie des fortgeschrittenen hormonsensitiven Prostatakarzinoms:

Bisher gab es keine gesicherten erfolgreichen Therapiekonzepte, Chemotherapeutika alleine oder in Kombination mit einer Hormontherapie bei einem hormonsensiblen Prostatakarzinom einzusetzen. Dies hat sich mit der Publikation der STAMPEDE- und CHAARTED"=Studie geändert. Die Mehrheit der Experten empfehlen (Stand 2017) sechs Zyklen Docetaxel mit Beginn der Hormontherapie in der Behandlung des primär metastasierten Prostatakarzinoms mit hoher Tumorlast (Gillessen u.a., 2015). Die Chemotherapie sollte innerhalb der ersten Monate nach Beginn der Hormontherapie begonnen werden.

In CHAARTED-Studie wurden 790 Männer randomisiert: eine Gruppe erhielt die Standardhormontherapie mit GnRH-Antagonisten oder Analoga, die zweite Gruppe erhielt zusätzlich zur Hormontherapie 6 Zyklen Docetaxel Chemotherapie. In der Gruppe mit hoher Tumorlast zeigte sich ein deutlicher Überlebensvorteil von 17 Monaten für Docetaxel zusätzlich zur Hormontherapie (MÜZ 49 vs. 32 Monate). Als hohe Tumorlast wurden mindestens 4 Knochenmetastasen oder das Vorliegen von viszeralen Metastasen definiert (Sweeney u.a., 2015). In der STAMPEDE"=Studie wurden 2962 Männer randomisiert: Hormontherapie versus zusätzlich Docetaxel (6 Zyklen) versus zusätzlich Zolendronsäure versus zusätzlich Doxetaxel und Zolendronsäure. Die Kombination der Hormontherapie mit Docetaxel verlängerte das Überleben um 10 Monate (71 versus 81 Monate), die Zoledronsäure zeigte keine Verbesserung des Überlebens (James u.a., 2016). Im Gegensatz zur STAMPEDE- und CHAARTED-Studie konnte in der GETUG 15-Studie kein Vorteil im Gesamtüberleben demonstriert werden (Gravis u.a, 2013).

Kombinierte Hormontherapie mit Abirateron des metastasierten hormonsensitiven Prostatakarzinoms mit hoher Tumorlast:

Die Zulassung von Abirateron wurde 2017 aufgrund der Ergebnisse der STAMPEDE (James u.a., 2017) und der LATITUDE (Fizazi u.a., 2017) erweitert. Die Erweiterung der klassischen antiandrogenen Therapie mit Abirateron 1000 mg/d und Prednisolon 5 mg/d führte zu einer verbesserten Überlebensrate (83 vs. 76% und 66% vs. 59%) und einem verlängertem progressionsfreien Überleben und verlängerter Zeit bis zum Beginn einer Chemotherapie. Problematisch sind die sehr hohen Kosten der jahrelangen Therapie mit Abirateron und der fehlende Vergleich der Kombinationshormontherapie mit der Chemotherapie (siehe oben).

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Literatur

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Interdisziplinäre Leitlinie der Qualität S3 zur Früherkennung, Diagnose und Therapie der verschiedenen Stadien des Prostatakarzinoms http://www.leitlinienprogramm-onkologie.de/leitlinien/prostatakarzinom/ (Zugriff am: 2.2.2018)


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