Lokalanästhetika hemmen den Natriumeinstrom in die Zellen durch die Blockade der Natriumkanäle in der Plasmamembran und verhindern dadurch die Depolarisation der Zelle.
In der Anwendung als Lokalanästhetika wird lokal eine Hemmung der Impulsleitung (Wirkung auf die Nervenzelle) erreicht. Dabei wird zwischen einer Infiltrationsanästhesie (Infiltration des OP-Gebietes) und einer Leitungsanästhesie (Infiltration der versorgenden Nerven) unterschieden.
Nebenwirkungen entstehen durch das Eindringen der Lokalanästhetika in die Blutbahn. Konzentrationsabhängig bewirken sie eine Vasodilatation (Wirkung auf die glatte Muskulatur der Gefäße und Nerven), Störungen der ZNS-Funktion und Hemmung der Kontraktilität und Erregungsleitung am Herzmuskel. Risikofaktoren für systemische Nebenwirkungen sind die Überdosierung und akzidentelle intravasale Injektion.
am Anfang exzitatorische Symptome wie Schwindel, Übelkeit, Unruhe und Krampfanfälle. Exzitatorische Symptome sind ein Frühzeichen der Toxizität von Lokalanästhetika und eine weitere Gabe sollte unterbleiben. Mit steigender Konzentration des Lokalanästhetikums besteht die Gefahr von Koma mit Atemdepression.
bei hohen systemischen Konzentrationen entsteht eine Dämpfung der Erregungsleitung und -bildung mit Gefahr der verlängerten Überleitungszeit (QRS-Komplexverbreiterung), Bradykardie, AV-Blocks, Blutdruckabfall, ventrikuläre Tachykardie und Asystolie.
allergische Reaktionen sind bei Lokalanästhetika vom Amid-Typ selten und können durch das Lokalanästhetikum selbst oder durch Zusatzstoffe ausgelöst werden. Das klinische Spektrum reicht von milden Reaktionen bis zur Anaphylaxie.
toxische Nebenwirkungen können als Sofort- oder Spätreaktion klinisch manifest werden. Versehentliche intravasale Injektionen führen innerhalb von 1–3 min zu Sofortreaktionen. Spätreaktionen entstehen durch die Resorption von Lokalanästhetika mit toxischen Blutkonzentrationen 5–45 min nach Injektion (je nach Gewebetyp).
Beine hochlagern, Sauerstoffgabe, schnelle Infusion NaCl 0,9 %.
bei Unruhe und Angst Gabe von Diazepam fraktioniert nach Wirkung, initial 5 mg langsam i. v. Beginn o.g. Basismaßnahmen. Bei zerebralen Krämpfen Erhöhung der Dosis und intensivmedizinische Weiterbetreuung.
Intubation und Beatmung, Vasopressor-Therapie (z. B. Noradrenalin nach Wirkung in 0,1 mg Portionen i. v.), bei Bradykardie Atropin 0,25–0,5 mg i. v., Ausgleich einer Azidose, intensivmedizinische Weiterbetreuung.
Keine Anwendung bei bekannter Allergie, schweren Herz-Reizleitungsstörungen oder kardiogenem Schock.
Vorsicht bei Anwendung im entzündetem Gebiet: Lokalanästhetika wirken dort schlechter und werden schneller resorbiert. Dosisreduktion bei Pat. mit Herzinsuffizienz, Niereninsuffizienz, Leberinsuffizienz, konsumierenden Erkrankungen, Schwangerschaft und hohem Alter.
für kleine operative Eingriffe bietet sich als Standard-Lokalanästhetikum Lidocain an, welches einen schnellen Wirkungseintritt zeigt. In der Regel wird eine 1 %ige Verdünnung verwendet, welche bis 20 ml (=200 mg) ohne Probleme verwendet werden kann. Bei großflächigen Infiltrationen (über 20 ml) sollte die Verdünnung auf 0,5 % reduziert werden.
insbesondere für Leitungsanästhesien zur Schmerztherapie (Interkostalblock, Samenstranginfiltration) sollte ein langwirksames Lokalanästhetikum wie Carbostesin verwendet werden. Bis 20 ml Injektionsvolumen, welches für die gängigen urologischen Indikationen ausreicht, wird eine 0,5 %ige Verdünnung verwendet.
| Substanz | Chem. Typ | rel. Potenz | Wirk- dauer [h] | max. Dosis (ohne Adrenalin) | max. Dosis (mit Adrenalin) | Handels- namen |
| Procain | Ester | 1 | 0,5–1 | 200–500 mg | - | Novocain |
| Lidocain | Amid | 2–4 | 1–2 | 300 mg | 500 mg | Xylocain |
| Mepivacain | Amid | 2 | 1–2 | 300 mg | 500 mg | Scandicain |
| Bupivacain | Amid | 8–16 | 2–8 | 150 mg | - | Carbostesin |
| Kontrastmittel | Inhalt | Phosphodiesterasehemmer |
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Sommerkamp, H. und O. Hakenberg (1993).
Lokalanästhesie in derUrologie.
Stuttgart, New York: Georg Thieme Verlag.
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Dr. med. Dirk Manski
manski@urologielehrbuch.de