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Pentosanpolysulfat: Wirkungsmechanismus, Nebenwirkungen, Kontraindikationen und Dosierung
Wirkmechanismus von Pentosanpolysulfat
Pentosanpolysulfat-Natrium (PPS) ist ein halbsynthetisches heparinähnliches Polysaccharid. Die über den Urin ausgeschieden Metabolite sollen in der Harnblase die Regeneration der GAG-Schicht des Urothels unterstützen. Zusätzlich werden antiinflammatorische Effekte diskutiert.
Indikationen
Interstitielle Zystitis/Blasenschmerzsyndrom: Symptomatische Behandlung von (durch Glomerulationen oder Hunner-Läsionen charakterisierten) chronischen Blasenschmerzen bei Erwachsenen mit mittelstarken bis starken Schmerzen, sowie Harndrang und erhöhter Miktionshäufigkeit. In der Zulassungsstudien wurden bei 30–60% der Patienten ein Ansprechen beobachtet (Hwang u.a., 1997). Weitere Studien konnten keine deutlichen Vorteile nachweisen. Aufgrund des geringen Nutzens und der relevanten Nebenwirkungen raten manche Fachgesellschaften von einer Therapie mit PPS ab (Doiron u.a., 2025).
Pharmakokinetik von Pentosanpolysulfat
Geringe Bioverfügbarkeit nach oraler Gabe von deutlich unter 10%, der größte Anteil wird unverändert über den Stuhl ausgeschieden. Das resorbierte Pentosanpolysulfat wird metabolisiert (Depolymerisation) und als Metabolite renal ausgeschieden. Lange Halbwertszeit von 24–36 h.
Nebenwirkungen von Pentosanpolysulfat
- Schwacher Gerinnungshemmer: erhöhtes Blutungsrisiko bei Unfällen oder Operationen.
- Häufig: Kopfschmerzen, Schwindel sowie gastrointestinale Beschwerden (z.B. Übelkeit, Diarrhö, Bauchschmerzen) und rektale Blutungen.
- Selten Entwicklung einer pigmentären Makulopathie der Retina mit Leseschwierigkeiten, bei langfristiger Einnahme sollten augenärztliche Kontrollen durchgeführt werden.
Wechselwirkungen:
Vorsicht bei gleichzeitiger Einnahme von Antikoagulanzien, Thrombozytenaggregationshemmer oder NSAR aufgrund des erhöhten Blutungsrisikos.
Kontraindikationen von Pentosanpolysulfat
- Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff
- Aktive Blutungen.
- Schwangerschaft und Stillzeit.
Dosierung von Pentosanpolysulfat
100 mg 1–1–1 p.o. Die Kapseln sollten mindestens eine Stunde vor oder zwei Stunden nach einer Mahlzeit eingenommen werden. Die Effektivität soll nach drei Monaten überprüft werden; bei ausbleibender Besserung kann die Therapie (bei guter Verträglichkeit) bis sechs Monate fortgeführt werden. Bei fehlendem Ansprechen nach sechs Monaten sollte PPS abgesetzt werden; bei Ansprechen sollte die Medikamentenwirkung alle sechs Monate überprüft werden.
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Literatur
Doiron, R. C., Tadayon, B., Violette, P. D., Locke, J., Andrews, M., Nadeau, G., … Cox, A. (2025). 2025 Canadian Urological Association Guideline: Selected treatment recommendations for interstitial cystitis/bladder pain syndrome . Canadian Urological Association Journal, 19(4), 90–103. https://doi.org/10.5489/cuaj.9182
D. Engeler et al., “EAU Guidelines: Chronic Pelvic Pain.” [Online]. Available: https://uroweb.org/guidelines/chronic-pelvic-pain/
P. Hwang, B. Auclair, D. Beechinor, M. Diment, and T. R. Einarson, “Efficacy of pentosan polysulfate in the treatment of interstitial cystitis: a meta-analysis,” Urology, vol. 50, no. 1, pp. 39–43, 1997.
G. R. Sant et al., “A pilot clinical trial of oral pentosan polysulfate and oral hydroxyzine in patients with interstitial cystitis,” J Urol, vol. 170, no. 3, pp. 810–5, 2003.
English Version: Mechanism, adverse effects, contraindication and dosage of pentosan polysulfate sodium
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