Dr. med. Dirk Manski

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Finasterid: Wirkmechanismus, Nebenwirkungen und Dosierung

Abbildung Strukturformel von Finasterid
Strukturformel von Finasterid: das synthetische Steroid ähnelt dem Testosteron.

Wirkmechanismus

Finasterid ist ein synthetisches Steroid mit Ähnlichkeit zum Testosteron, es ist ein selektiver kompetitiver Inhibitor der 5α-Reduktase Typ 2, die v.a. in der Prostata exprimiert wird. Dies führt u.a. zu einer Senkung von Dihydrotestosteron (DHT) in der Prostata. Da DHT die androgene Wirkung in der Prostata vermittelt, führt die Inhibition der 5α-Reduktase zu einer Reduktion des Prostatavolumens. Weiterhin wird Finasterid auch zur Therapie der androgenetischen Alopezie verwendet (Andriole u.a., 2004) (Chapple, 2004).

Urologische Indikationen für Finasterid:

Miktionsbeschwerden (LUTS) oder Makrohämaturie aufgrund einer signifikanten benignen Prostatahyperplasie (über 40 ml Prostatavolumen).

Die Hemmung der 5α-Reduktase führt zur Verkleinerung der Prostata (7–13 ml in 12 Monate), Abnahme des IPSS, Verbesserung des Harnflusses (0,6–1,6 ml/s über Placebo) sowie einer Reduktion des Risikos für einen Harnverhalt (3% vs. 7%), Makrohämaturie oder TURP (5% vs. 10%) nach 5 Jahren Therapie (McConnell u.a., 1998).

Pharmakokinetik von Finasterid

Die Metaboliten von Finasterid werden über Stuhl und Harn ausgeschieden. Halbwertszeit 6–8 h. Keine Dosisanpassung bei Niereninsuffizienz (GFR bis 9 ml/min) notwendig. Keine Erfahrungen bei Dialysepatienten vorhanden.

Nebenwirkungen von Finasterid

PSA-Konzentration:

Senkung um 50% bei Anwendung über 6 Monate. Ein Ausgangs-PSA sollte vor Beginn der Therapie ermittelt werden und das Abfallen der PSA-Konzentration für die weitere Prostatakarzinomfrüherkennung berücksichtig werden. Das Verhältnis fPSA/tPSA wird nicht beeinflusst.

Prostatakarzinom:

In den Studien mit 5α Reduktasehemmern zur BPH-Therapie zeigte sich eine niedrigere Inzidenz des Prostatakarzinoms (um 25% gegen Placebo). Jedoch war die Rate an undifferenzierten Tumoren in der Verum-Gruppe höher und der Einfluss auf das Gesamtüberleben war nicht signifikant (Goodman ua., 2019).

Sexuelle Nebenwirkungen:

Häufig vermindertes Ejakulatvolumen, verminderte Libido, Gynäkomastie (2%), erektile Dysfunktion <2%). Infertilität durch Reduktion der Spermienanzahl, das Ausmaß und die Häufigkeit sind umstritten. Libidoverlust und erektile Dysfunktion können bei langfristiger Einnahme bei einigen Patienten dauerhaft gestört bleiben (Traish u.a., 2011) und werden teilweise als Post-Finasterid-Syndrom bezeichnet.

Weiteres:

Selten allergische Hautreaktionen. Unbekannte Häufigkeit oder Einzelfälle: Mammakarzinom, Depression.

Wechselwirkungen mit Finasterid

Es sind keine klinisch bedeutsamen Wechselwirkungen mit Finasterid bekannt.

Kontraindikationen

Frauen, insbesondere Schwangere. Kinder.

Dosierung von Finasterid zur Behandlung der BPH

5 mg Finasterid 1–0–0 p.o. zur Therapie der BPH. Zur Behandlung der androgenetischen Alopezie werden 1 mg 1–0–0 p.o. verordnet.

Präparatenamen Finasterid

Finasterid-Generika, Proscar.






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Literatur

Andriole u.a. 2004 ANDRIOLE, G. ; BRUCHOVSKY, N. ; CHUNG, L. W. ; MATSUMOTO, A. M. ; RITTMASTER, R. ; ROEHRBORN, C. ; RUSSELL, D. ; TINDALL, D.: Dihydrotestosterone and the prostate: the scientific rationale for 5alpha-reductase inhibitors in the treatment of benign prostatic hyperplasia.
In: J Urol
172 (2004), Nr. 4 Pt 1, S. 1399–403

Chapple 2004 CHAPPLE, C. R.: Pharmacological therapy of benign prostatic hyperplasia/lower urinary tract symptoms: an overview for the practising clinician.
In: BJU Int
94 (2004), Nr. 5, S. 738–44

J. D. McConnell et al., “The effect of finasteride on the risk of acute urinary retention and the need for surgical treatment among men with benign prostatic hyperplasia. Finasteride Long-Term Efficacy and Safety Study Group,” vol. 338, no. 9, pp. 557–63, 1998.



Traish, A. M.; Hassani, J.; Guay, A. T.; Zitzmann, M. & Hansen, M. L. Adverse side effects of 5α-reductase inhibitors therapy: persistent diminished libido and erectile dysfunction and depression in a subset of patients.
J Sex Med, 2011, 8, 872-884.


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