Zusammenfassende Literatur chronische Prostatitis: (Nickel, 2003) (Schaeffer u.a., 2002).
Differentialtherapie je nach NIH-Klassifikation der Prostatitis:
Langzeitantibiose über 4–6 Wochen, je nach Kulturergebnis erfolgt die Auswahl des Antibiotikums.
Gramnegative Bakterien: Gabe von Flurochinolonen wie z. B. Ofloxacin 200–400 mg 1–0–1 oder Ciprofloxacin 250–500 mg 1–0–1.
Chlamydia trachomatis: Azithromycin über 4 Wochen (1 g alle 7 Tage), Doxycyclin 100 mg 1–0–1 für 28 Tage.
Ureaplasma urealyticum: Erythromycin 500 mg 1–1–1–1, Fluorochinolone.
Fehlende Besserung oder Rezidive: evtl. andauernde niedrigdosierte Langzeitantibiose zur Prophylaxe bei Rezidiven. Evtl. TURP bei therapierefraktären Fällen. Weitere Therapieoptionen s. u.
Therapieversuch mit einer Langzeitantibiose über 4–6 Wochen. Trotz des fehlenden Nachweises für eine bakterielle Infektion zeigten randomisierte Studien hohe Ansprechraten im frühem Krankheitsstadium.
Bei fehlender Besserung Therapieversuch mit Alpha-Blocker. Weiterhin gesicherte Therapieansätze sind 5α-Reduktasehemmer, Pentosanpolysulfat und das Phytotherapeutikum Quercetin. Für NSAR und die restlichen Phytotherapeutika existieren keine randomisierten Studien. Weiterhin physikalische Therapieansätze (s. u.). Als invasive Therapie ist die Mikrowellentherapie eine Option. Die TUIP/TURP ist i. d. R. nicht indiziert und durch Studien nicht abgesichert.
z. B. 6 Wochen Fluorochinolon-Antibiotikum wie Ciprofloxacin 500 mg 1–0–1 oder Levofloxacin 500 mg 1–0–0.
in mehreren randomisierten Studien konnte die Effektivität von Alpha-Blockern bei einer chronischen Prostatitis nachgewiesen werden, Effektivität ungefähr 40–60 %. Dosierungen: z. B. Terazosin 2–10 mg/d, Tamsulosin 0,4 mg/d. Pharmakologie siehe Kapitel Alpha-Blocker.
führen zur Verbesserung der subvesikalen Obstruktion, zur Schrumpfung des Prostatagewebes und damit zu vermindertem intraprostatischen Reflux. In mehreren randomisierten Studien zeigt sich durch die 5α-Reduktasehemmer auch eine Verbesserung der subjektiven Beschwerden nach 6–12 Monaten.
eine randomisierte Studie mit Quercetin, einem pflanzlichem Flavonoid mit antioxidativer Wirkung, belegt die Effektivität ggü. Placebo. Dosierung 500 mg 1–0–1. Sägepalmenextrakte schneiden im direkten Vergleich mit Finasterid schlechter ab und zeigten keine Wirksamkeit.
symptomatische Therapie mit NSAR oder auch mit COX-2-Hemmern, nur die Hälfte der Patienten zeigt ein Ansprechen. Problematisch sind die Nebenwirkungen bei Dauergabe.
verbesserte Symptomatik in einer randomisierten Studie.
Antimykotikum mit Einfluss auf den Östrogen-Hormonhaushalt und damit auch auf die Prostata, zeigt in kleinen randomisierten Studien eine deutliche Verbesserung der Symptome.
kann verstopfte Prostatakanäle drainieren, verbessert die Durchblutung und damit den Zugang von Antibiotika. Keine Wirksamkeit in randomisierter Studie. Empfohlen wird eine 2–3×/Woche erfolgende Prostatamassage mit gleichzeitiger Antibiose. Häufige Ejakulationen können ebenfalls helfen.
zeigte in randomisierten Studien einen therapeutischen Effekt bei Kategorie III Prostatitis.
folgende Therapieansätze konnten ihre Effektivität in prospektiven oder randomisierten Studien beweisen: aerobe Bewegungstherapie, Akupunktur, Biofeedback-Entspannungstherapie des Beckenbodens, elektromagnetische Therapie des Beckenbodens, myofaszielle Triggerpunkt-Therapie, Mikrowellen-Wärmetherapie.
Folgende Therapieformen werden angewendet, sind aber in prospektiven Studien nicht evaluiert: Physiotherapie, Massage, Dehnen, intramuskuläre Injektionen von Lokalanästhetika, Entspannungsübungen, Yoga und Hypnose.
die schlechte Penetration vieler Antibiotika veranlasste die direkte Injektion von Antibiotika in die Prostata. Wenig kontrollierte Studien.
in prospektiven Studien erster Nachweis einer Wirksamkeit.
in randomisierten Studien Ansprechraten von ungefähr 50–75 % vs. 10–50 % in der Placebo-Kontrolle.
TURP oder Prostatektomie: keine überzeugenden Langzeitstudien vorhanden, nur unkontrollierte Studien zeigen eine Besserung.
60 % werden beschwerdefrei innerhalb von 6 Monaten, 20 % zeigen einen variablen Verlauf und 20 % werden kontinuierliche Beschwerden mit Chronifizierung erleiden. Faktoren für schlechte Prognose sind rezidivierende oder ausgeprägte Symptome und Schmerzen bei oder nach der Ejakulation.
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Dr. med. Dirk Manski
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