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Chronisches Beckenschmerzsyndrom: Definition und Ursachen
- Chronisches Beckenschmerzsyndrom: Definition und Ursachen
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- Chronische Prostatitis: Therapie
Definition des Beckenschmerzsyndroms
Das chronische Beckenschmerzsyndrom (chronic pelvic pain syndrome, CPPS) ist charakterisiert durch
- chronische oder wiederkehrende Schmerzen seit mindestens sechs Monaten, welche in Strukturen des Beckens wahrgenommen werden
- das CPPS betrifft Frauen wie Männer
- ohne Nachweis einer Erkrankung der Beckenorgane (Ausschlussdiagnose)
- Das CPPS geht mit Symptomen des unteren Harntrakts und des Enddarms einher und hat häufig negative Konsequenzen hinsichtlich der Sexualität und des psychischen Wohlbefindens.
- Wenn der Schmerz in einem einzelnen Organ oder Bereich empfunden wird (z.B. Harnblase, Prostata, Hoden, Damm, Vulva oder nach Vasektomie), so sollten konkretere Bezeichnungen verwendet werden: Blasenschmerzsyndrom, Prostataschmerzsyndrom, Hodenschmerzsyndrom, Beckenbodenschmerzsyndrom, Vulvaschmerzsyndrom oder Postvasektomie-Hodenschmerzsyndrom
Veraltete Begriffe:
Wenn Symptome und Zeichen einer bakteriellen Infektion der Prostata fehlen, sollte der Begriff chronische Prostatitis nicht für das CPPS verwendet werden. Die "-itis" im Krankheitsbegriff führt Patienten und Therapeuten auf eine falsche Fährte. Zur Definition der chronischen Prostatitis siehe Abschnitt Definition der Prostatitis und Beckenschmerzsyndrom nach NIH. Von den Begriffen Prostatodynie und Vulvodynie wird ebenfalls abgeraten. EAU Leitlinien: Chronic pelvic pain.
Epidemiologie der chronischen Prostatitis und des Beckenschmerzsyndroms
Wiederkehrende Schmerzen im Bereich der Prostata, der Hoden oder des Penis sind häufig und bei Männern unter 50 Jahren eine der häufigsten urologischen Diagnosen. Bis zu 5 % der Männer im Alter von 20–50 Jahren sind betroffen; Altersgipfel liegen zwischen dem 20. und 49. Lebensjahr sowie jenseits des 70. Lebensjahrs.
Ätiologie des CPPS
Die Ätiologie des CPPS ist heterogen. Wahrscheinlich ist eine multifaktorielle Schmerzgenese mit auslösenden und krankheitsunterhaltenden Faktoren.
Schmerzart:
Typisch für das CPPS ist ein viszeraler Schmerz: plötzlich und heftig auftretend, diffus und schwer zu lokalisieren, mit vegetativen Begleitreaktionen, Schmerzausstrahlung in Haut und Muskelregionen sowie Hyperalgesie.
Krankheitsauslösende Faktoren:
Krankheitsauslösende Faktoren sind häufig (wiederkehrende) Infektionen, Verletzungen oder Funktionsstörungen, die wiederholt einen Schmerzreiz verursachen. Bei einem Teil der Patienten kann sich dieser Schmerz durch neuromodulatorische Vorgänge verselbstständigen und von der auslösenden Ursache unabhängig werden.
Neuroplastizität des ZNS:
Im weiteren Verlauf führen wiederkehrende Reize zu einer zentralen Sensitivierung: erhöhte Empfindlichkeit der Schmerzrezeptoren, Schmerzbahnen und ZNS-Areale. Dies senkt die Reizschwelle für eine Schmerzwahrnehmung (Allodynie) und kann Schmerzen in anderen Arealen verursachen, was Diagnose und Therapie erschwert.
Muskuläre Hyperalgesie:
Die niedrige Reizschwelle führt zu Ansatztendinopathien des Beckenbodens, Myogelosen oder myofasziale Triggerpunkte. Die Aktivierung des Beckenbodens führt zur Schmerzen bei Miktion oder Sexualität, es entsteht ein Vermeidungsverhalten und negatives Erleben.
Viszerale Hyperalgesie:
Viszerale Hyperalgesie ist die vermehrte Wahrnehmung von viszeralen Afferenzen (Speicherung, Entleerung, Organschmerzen) durch zentrale Sensitivierung. Viszerale Hyperalgesie ist nicht nur bei chronischen Schmerzen durch o.g. neuroplastische Vorgänge im ZNS vorhanden. Schon nach einer akuten Zystitis kann über diesen Mechanismus eine mehrwöchige Reizblase entstehen.
Psychosomatische Störung:
Angsterkrankungen, Depressionen und Persönlichkeitsstörungen sind bei Patienten mit CPPS häufiger als bei Kontrollen. Dafür gibt es mehrere Erklärungen: Psychische Erkrankungen können die Schmerzwahrnehmung verstärken, chronische Schmerzen können ihrerseits psychische Erkrankungen auslösen oder unterhalten.
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Literatur
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In: Urology
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English Version: Chronic prostatitis and CPPS
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