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Von Dirk Manski

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Chronisches Beckenschmerzsyndrom: Definition und Ursachen


Definition des Beckenschmerzsyndroms

Das chronische Beckenschmerzsyndrom (chronic pelvic pain syndrome, CPPS) ist charakterisiert durch

Veraltete Begriffe:

Wenn Symptome und Zeichen einer bakteriellen Infektion der Prostata fehlen, sollte der Begriff chronische Prostatitis nicht für das CPPS verwendet werden. Die "-itis" im Krankheitsbegriff führt Patienten und Therapeuten auf eine falsche Fährte. Zur Definition der chronischen Prostatitis siehe Abschnitt Definition der Prostatitis und Beckenschmerzsyndrom nach NIH. Von den Begriffen Prostatodynie und Vulvodynie wird ebenfalls abgeraten. EAU Leitlinien: Chronic pelvic pain.

Epidemiologie der chronischen Prostatitis und des Beckenschmerzsyndroms

Wiederkehrende Schmerzen im Bereich der Prostata, der Hoden oder des Penis sind häufig und bei Männern unter 50 Jahren eine der häufigsten urologischen Diagnosen. Bis zu 5 % der Männer im Alter von 20–50 Jahren sind betroffen; Altersgipfel liegen zwischen dem 20. und 49. Lebensjahr sowie jenseits des 70. Lebensjahrs.



Ätiologie des CPPS

Die Ätiologie des CPPS ist heterogen. Wahrscheinlich ist eine multifaktorielle Schmerzgenese mit auslösenden und krankheitsunterhaltenden Faktoren.

Schmerzart:

Typisch für das CPPS ist ein viszeraler Schmerz: plötzlich und heftig auftretend, diffus und schwer zu lokalisieren, mit vegetativen Begleitreaktionen, Schmerzausstrahlung in Haut und Muskelregionen sowie Hyperalgesie.

Krankheitsauslösende Faktoren:

Krankheitsauslösende Faktoren sind häufig (wiederkehrende) Infektionen, Verletzungen oder Funktionsstörungen, die wiederholt einen Schmerzreiz verursachen. Bei einem Teil der Patienten kann sich dieser Schmerz durch neuromodulatorische Vorgänge verselbstständigen und von der auslösenden Ursache unabhängig werden.

Neuroplastizität des ZNS:

Im weiteren Verlauf führen wiederkehrende Reize zu einer zentralen Sensitivierung: erhöhte Empfindlichkeit der Schmerzrezeptoren, Schmerzbahnen und ZNS-Areale. Dies senkt die Reizschwelle für eine Schmerzwahrnehmung (Allodynie) und kann Schmerzen in anderen Arealen verursachen, was Diagnose und Therapie erschwert.

Muskuläre Hyperalgesie:

Die niedrige Reizschwelle führt zu Ansatztendinopathien des Beckenbodens, Myogelosen oder myofasziale Triggerpunkte. Die Aktivierung des Beckenbodens führt zur Schmerzen bei Miktion oder Sexualität, es entsteht ein Vermeidungsverhalten und negatives Erleben.

Viszerale Hyperalgesie:

Viszerale Hyperalgesie ist die vermehrte Wahrnehmung von viszeralen Afferenzen (Speicherung, Entleerung, Organschmerzen) durch zentrale Sensitivierung. Viszerale Hyperalgesie ist nicht nur bei chronischen Schmerzen durch o.g. neuroplastische Vorgänge im ZNS vorhanden. Schon nach einer akuten Zystitis kann über diesen Mechanismus eine mehrwöchige Reizblase entstehen.

Psychosomatische Störung:

Angsterkrankungen, Depressionen und Persönlichkeitsstörungen sind bei Patienten mit CPPS häufiger als bei Kontrollen. Dafür gibt es mehrere Erklärungen: Psychische Erkrankungen können die Schmerzwahrnehmung verstärken, chronische Schmerzen können ihrerseits psychische Erkrankungen auslösen oder unterhalten.






 Sachregistersuche: A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z


Literatur

EAU guidelines: Chronic pelvic pain

Krieger u.a. 1999 KRIEGER, J. N. ; NYBERG, Jr. ; NICKEL, J. C.: NIH consensus definition and classification of prostatitis.
In: Jama
282 (1999), Nr. 3, S. 236–7

Nickel 2003 NICKEL, J. C.: Recommendations for the evaluation of patients with prostatitis.
In: World J Urol
21 (2003), Nr. 2, S. 75–81

Schaeffer u.a. 2002 SCHAEFFER, A. J. ; DATTA, N. S. ; FOWLER, Jr. ; KRIEGER, J. N. ; LITWIN, M. S. ; NADLER, R. B. ; NICKEL, J. C. ; PONTARI, M. A. ; SHOSKES, D. A. ; ZEITLIN, S. I. ; HART, C.: Overview summary statement. Diagnosis and management of chronic prostatitis/chronic pelvic pain syndrome (CP/CPPS).
In: Urology
60 (2002), Nr. 6 Suppl, S. 1–4

  English Version: Chronic prostatitis and CPPS

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