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Grundlagen für Klinik und Praxis
Von Dirk Manski

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Therapie des Chronischen Beckenschmerzsyndroms (Teil 3/3)


Therapiekonzepte bei funktionellen Körperbeschwerden:

Die Einteilung nach UPOINT(S) Domänen ermöglicht eine strukturierte multimodale Therapie, siehe Tab. UPOINT(S) Domänen. Siehe auch S3-Leitlinie funktionelle Körperbeschwerden (DGPM, 2018).

Physikalische Medizin:

Aerobe Bewegungstherapie, Biofeedback-Entspannungstherapie des Beckenbodens, elektromagnetische Therapie des Beckenbodens, myofasziale Triggerpunkttherapie, Mikrowellen-Wärmetherapie, Massage, Dehnen und Yoga.

Komplementäre Medizin:

Osteopathie, Akupunktur, Homöopathie, Hypnose.

Antibiotika:

Trotz des fehlenden Nachweises für eine bakterielle Infektion zeigten randomisierte Studien Ansprechraten im frühen Krankheitsstadium, dies rechtfertigt einen Therapieversuch mit einer Langzeitantibiose über 4–6 Wochen.

Alphablocker:

In randomisierten Studien konnte eine Wirksamkeit von Alphablockern bei einer chronischen Prostatitis oder CPPS nachgewiesen werden. Effektivität ungefähr 40–60%. Dosierungen und Pharmakologie siehe Abschnitt Alphablocker.

5α-Reduktase-Hemmer:

Führen zur Verbesserung der subvesikalen Obstruktion, zur Schrumpfung des Prostatagewebes und damit zu vermindertem intraprostatischen Reflux. Sie sind eine Therapieoption bei älteren Patienten mit vergrößerter Prostata.

Phytotherapeutika:

Eine randomisierte Studie mit Quercetin, einem pflanzlichem Flavonoid mit antioxidativer Wirkung, belegt die Effektivität ggü. Placebo, Dosierung 500 mg 1-0-1. Auch der Pollenextrakt Pollstimol zeigte in einer randomisierten Studie Wirkung (70% vs. 50% Besserung) bei einer Dosierung von 2-2-2 Kapseln pro Tag. Sägepalmenextrakte schnitten im direkten Vergleich mit Finasterid schlechter ab und zeigten keine Wirksamkeit.

Analgetika:

Symptomatische Therapie mit NSAR oder auch mit COX-2-Hemmern, nur die Hälfte der Patienten zeigt ein Ansprechen. Problematisch sind die Nebenwirkungen bei Dauergabe. Opioide sollen bei funktionellen Störungen wie dem CPPS nicht verordnet werden.

Therapie des Blasen-Schmerzsyndrom:

Zur Anwendung kommen u.a. Pentosanpolysulfat (PPS) und intravesikale Instillationen, siehe Abschnitt interstitielle Zystitis/Blasenschmerzsyndrom.

Therapie des Pudendus-Schmerzsyndroms:

Injektionen von Lokalanästhetika und Steroiden an Engstellen der Nervenpassage, bei guter Wirksamkeit ggf. operative Dekomprimierung.

Therapie des Hoden-Schmerzsyndroms:

Injektionen von Lokalanästhetika und Steroide an den Samenstrang, bei guter Wirksamkeit ggf. operative Denervierung über einen inguinalen Zugang. Die Vasovasostomie kann beim Post-Vasektomie-Schmerzsyndrom helfen.

Botulinum-Toxin-Injektionen:

Die intraprostatische Injektion zeigte in prospektiven Studien eine gewisse Wirksamkeit, ist aber außerhalb von Studien für das CPPS nicht zugelassen.

Transkutane elektrische Nervenstimulation:

TENS ist eine wenig-invasive Option mit bis zu 50% Ansprechraten.

Extrakorporale Stoßwellentherapie:

Die perineale niedrigenergetische ESWT (Low-Intensity ESWT) konnte in randomisierten Studien eine Verbesserung von Schmerz, Lebensqualität und Miktionssymptomen zeigen. Dosierung 4 bis 6 wöchentliche Sitzungen mit 2000–3000 Impulse. Je nach Beschwerdebild fokussiert die Therapie schmerzhafte Triggerpunkte oder die Prostata.

Invasive Therapie:

Die operative Therapie der BPH (TURP, endoskopische oder offen-chirurgische Enukleation) ist nur bei Obstruktion indiziert. Keine überzeugenden Langzeitstudien vorhanden, nur unkontrollierte Studien zeigen eine Besserung des Schmerzsyndroms. Die sakrale Nervenstimulation ist eine Therapieoption im Rahmen von Studien.

Prognose nach Erstmanifestation:

Etwa 60% werden beschwerdefrei innerhalb von 6 Monaten, 20% zeigen einen variablen Verlauf und 20% entwickeln kontinuierliche Beschwerden mit Chronifizierung. Faktoren für eine schlechte Prognose sind ausgeprägte polysymptomatische Beschwerden, passives oder überaktives Verhalten, psychische Komorbidität (Depressionen, Angst, Sucht, posttraumatisch, Suizidalität), sozialer Rückzug und Arbeitsunfähigkeit.






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Literatur chronische Prostatitis

EAU guidelines: Chronic pelvic pain

Krieger u.a. 1999 KRIEGER, J. N. ; NYBERG, Jr. ; NICKEL, J. C.: NIH consensus definition and classification of prostatitis.
In: Jama
282 (1999), Nr. 3, S. 236–7

Nickel 2003 NICKEL, J. C.: Recommendations for the evaluation of patients with prostatitis.
In: World J Urol
21 (2003), Nr. 2, S. 75–81

Schaeffer u.a. 2002 SCHAEFFER, A. J. ; DATTA, N. S. ; FOWLER, Jr. ; KRIEGER, J. N. ; LITWIN, M. S. ; NADLER, R. B. ; NICKEL, J. C. ; PONTARI, M. A. ; SHOSKES, D. A. ; ZEITLIN, S. I. ; HART, C.: Overview summary statement. Diagnosis and management of chronic prostatitis/chronic pelvic pain syndrome (CP/CPPS).
In: Urology
60 (2002), Nr. 6 Suppl, S. 1–4



  English Version: Treatment of chronic prostatitis and CPPS

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