Dr. med. Dirk Manski

 Sie sind hier: Startseite > Anatomie > Bauchwand > Vegetatives Nervensystem der Bauchhöhle

Abdomen (5/5): Anatomie des vegetativen Nervensystem der Bauchhöhle


Das vegetative Nervensystem kontrolliert und steuert weitgehend unbewusst die Organfunktionen des Körpers unter Berücksichtigung von externen oder internen Belastungen oder Bedürfnissen. Das efferente vegetative Nervensystem hat seinen Ursprung im zentralen Nervensystem und zieht teils gemeinsam, teils getrennt vom somatischen Nervensystem an die Zielorgane, es wird entsprechend seinen Ursprüngen aus dem ZNS in das thorakolumbale System (Sympathikus) und das kraniosakrale System (Parasympathikus) eingeteilt. Bei den afferenten Nervenfasern, welche Informationen von den Organen in das ZNS übermitteln, existiert diese Unterscheidung nicht. Die Reizübertragung des vegetativen Nervensystems besteht aus zwei Neuronen. Die Zellkörper der terminalen Neuronen liegen typischerweise in Ganglien, die Axone ziehen zu den Erfolgsorganen. Die terminalen Neurone werden auch postganglionär genannt. Die ersten Neurone des vegetativen Nervensystem sind im ZNS lokalisiert, deren Axone in die Peripherie ziehen und in Ganglien auf den Dendriten oder Zellkörpern der terminalen Neurone synaptisch enden. Die ersten Neurone werden auch präganglionär genannt.

Sympathikus

Präganglionäre Neurone des Sympathikus:

Die ersten Neurone des Sympathikus liegen in der intermediären Zone des thorakolumbalen Rückenmarks. Die Axone ziehen über die Vorderwurzeln zu den bilateralen paravertebralen Ganglien (Grenzstrang) oder den unpaaren prävertebralen Bauchganglien.

Grenzstrang:

Der Grenzstrang ist eine Kette untereinander in Längsrichtung verbundener Ganglien, welche rechts und links paravertebral von Hals bis zum Os coxxygeuum lokalisiert sind. Die Mehrheit der Nervenfasern werden im Grenzstrang auf das zweite postganglionäre Neuron umgeschaltet, die übrigen Axone ziehen in die prävertebralen Bauchganglien.

Prävertebrale Bauchganglien:

Die präganglionären Axone werden im Grenzstrang nicht umgeschalten sondern ziehen als Nervus splanchnicus major (Ganglien Th 5–9) und als Nervus splanchnicus minor (Ganglien Th 9–11) zu den prävertebralen Ganglien: u.a. Ganglion coeliacum, Ganglion mesentericum superius (craniale) und Ganglion mesentericum inferius (caudale).

Postganglionäre Neurone:

Die postganglionären Neurone des Sympathikus bilden gemeinsam mit den parasympathischen Nervenfasern Nervengeflechte um die großen Arterien (Plexus aorticus abdominalis, Plexus renalis, Plexus mesentericus superior und inferior...) und erreichen mit den Arterien die Erfolgsorgane. Kaudal der Aortenbifurkation geht der Plexus aorticus abdominalis in den unpaaren Plexus hypogastricus superior über, welche dann als paariger Plexus hypogastricus inferior entlang der A. iliaca interna zu den Beckenorganen zieht.

Funktion:

Siehe Tab. Funktion von Sympathikus und Parasympathikus für die Funktion des Sympathikus.

Funktion von Sympathikus und Parasympathikus an einzelnen Organen.
Organ Sympathikus Parasympathikus
Herz steigert Herztätigkeit und Blutdruck senkt Herztätigkeit und Blutdruck
Bronchien Bronchodilatation Bronchokontriktion, Bronchosekretion
Haut Vasokonstriktion, Schweißdrüsensekretion, Piloerektion keine Einflüsse
Darmtrakt Hemmung der Verdauungstätigkeit und Aktivierung der Schließmuskeln Steigerung der Verdauungstätigkeit und Entspannung der Schließmuskeln und Defäkation
Niere Reninfreisetzung, Volumenretention, bei starker Aktivierung Reduktion der Nierendurchblutung. geringe Einflüsse
Harnleiter Hemmung der Wandmuskulatur Kontraktion der Wandmuskulatur
Harnblase Speicherfunktion (Hemmung M. detrusor, Aktivierung Sphinkter) Entleerungsfunktion (Kontraktion M. detrusor, Erschlaffung Sphinkter)
Penis Ejakulation und Detumeszenz Erektion
Prostata Kontraktion der Prostatamuskulatur und des Harnblasenhalses Drüsenaktivierung und Dilatation der Muskulatur

Parasympathikus

Präganglionäre Neurone:

Die ersten Neurone des Parasympathikus liegen im Hirnstamm und im sakralen Rückenmark. Die Axone aus dem Hirnstamm ziehen über die Hirnnerven III, VII und IX zu den Kopf- und Halsdrüsen, als Nervus vagus (zehnter Hirnnerv) in die Thorax und Bauchhöhle. Fasern des Nervus vagus versorgen die Thoraxorgane und Oberbauchorgane (Magen, Pankreas, Leber, Nieren, Dünndarm und Dickdarm bis zur linken Kolonflexur). Die Axone aus dem Sakralmark versorgen die Beckenorgane und Dickdarm bis zur linken Kolonflexus).

Postganglionäre Neurone:

Die Umschaltung der parasympathischen Fasern auf das zweite Neuron erfolgt in der Nähe des Zielorgans, typischerweise bildet das parasympathische Nervensystem keine Ganglien aus.

Funktion:

Siehe Tab. Funktion von Sympathikus und Parasympathikus für die Funktion des Parasympathikus.

Enterisches Nervensystem

Spezielles intramurales und weitehend automes Nervensystem des Magen-Darm-Trakts, welches auch ohne den Einfluss des vegetativen Nervensystems die Darmfunktionen steuert. Das vegative Nervensystem (Sympathikus und Parasympathikus) wirkt jedoch stimulierend oder bremsend auf die Darmfunktionen. Das enterische Nervensystem besteht aus zwei Nervengeflechten in der Darmwand:

Plexus myentericus:

auch Auerbachscher Plexus genannt, zwischen Ring- und Längsmuskelschicht der Tunica muscularis propria.

Plexus submucosus:

auch Meissnerscher Plexus genannt, lokalisiert in der Submukosa.







 Sachregistersuche: A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z


Literatur

Benninghoff 1993 BENNINGHOFF, A.:
Makroskopische Anatomie, Embryologie und Histologie des Menschen.
15. Auflage.
Mnchen; Wien; Baltimore : Urban und Schwarzenberg, 1993