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Onkozytom: Diagnose und Therapie des gutartigen Nierentumors
Definition und Pathologie des Onkozytoms der Nieren
Das Onkozytom ist ein gutartiger epithelartiger Nierentumor, welcher von den Schaltzellen der Sammelrohre ausgeht.
Epidemiologie
3 % bis 7 % aller Nierentumoren sind Onkozytome, meist sporadisch und unilateral.
Birt-Hogg-Dubé-Syndrom: Seltenes, autosomal-dominant vererbtes Tumordispositions-Syndrom, das durch Keimbahnmutationen im FLCN-Gen verursacht wird. Es entstehen Hauttumoren, Lungenzysten und bilaterale Nierentumoren, darunter reine Onkozytome (5%), hybrid-onkozytäre Tumoren (50%) und (v.a. chromophobe) Nierenzellkarzinome.
Pathologie
Makroskopie:
Homogener brauner Nierentumor, gelegentlich mit zentraler Narbe.
Mikroskopie:
Polygonale eosinophile Zellen, in Nestern angeordnet. Die Zellen sind reich an Mitochondrien, die Zellkerne sind teilweise pleomorph. Die Zuordnung von Tumoren mit Kernatypien oder hybrider Morphologie zu Onkozytom oder Nierenzellkarzinom ist schwierig.
Diagnostik des Onkozytoms
Eine präoperative Unterscheidung zwischen Onkozytom und Nierenzellkarzinom ist allein mit Bildgebung nicht sicher möglich.
Sonographie:
Solide, gut abgrenzbare Raumforderung [Abb. Onkozytom im US].
CT oder MRT:
Die Schnittbildgebung zeigt einen Kontrastmittel-aufnehmenden Nierentumor [Abb. Onkozytom im CT], oft 4–6 cm groß. Eine zentrale sternförmige Narbe ist manchmal sichtbar, aber kein sicheres Zeichen (Choudhary u.a., 2009).
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Nierenbiopsie:
Die Nierentumorbiopsie kann ein Onkozytom wahrscheinlich machen und unnötige Operationen vermeiden. Ihre Aussagekraft ist jedoch durch Sampling-Fehler und die histologische Überlappung mit chromophobem Nierenzellkarzinom und hybriden onkozytär-chromophoben Tumoren begrenzt. Eine perkutane Nierentumorbiopsie sinnvoll, wenn das Ergebnis die Therapieentscheidung beeinflusst. Typische Indikationen sind kleine solide Nierentumoren vor aktiver Überwachung, bilaterale oder multiple Tumoren mit Verdacht auf ein hereditäres Syndrom sowie die histologische Sicherung vor thermischer Ablation.
Therapie des Onkozytoms
Aktive Überwachung:
Bei gesichertem oder hochgradig wahrscheinlichem Onkozytom ist eine aktive Überwachung insbesondere bei kleinen Tumoren, höherem Operationsrisiko oder Patientenwunsch vertretbar (Liu u.a., 2016). Die Verlaufskontrolle erfolgt mit Sonographie und MRT. Das Onkozytom hat eine geringe Wachstumsgeschwindigkeit (unter 2 mm/Jahr).
Nierenteilresektion:
Bei präoperativem Verdacht auf ein Onkozytom sollte ein organerhaltendes Vorgehen (offene, laparoskopische oder roboterassistierte Nierenteilresektion) angestrebt werden [Abb. Onkozytom].
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Literatur
Choudhary, S.; Rajesh, A.; Mayer, N. J.; Mulcahy, K. A. & Haroon, A.
Renal oncocytoma: CT features cannot reliably distinguish oncocytoma from other
renal neoplasms.
Clin Radiol, 2009, 64, 517-522
Liu S, Lee S, Rashid P, Bangash H, Hamid A, Lau J, Cohen R. Active surveillance is suitable for intermediate term follow-up of renal oncocytoma diagnosed by percutaneous core biopsy. BJU Int. 2016 Oct;118 Suppl 3:30-34. doi: 10.1111/bju.13538.
English Version: Oncocytoma of the kidney
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