Dr. med. Dirk Manski

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Penisverletzungen: Diagnose und Therapie

EAU Guidelines: Urological Trauma (Kitrey u.a., 2017).

Ätiologie

Penetrierende Verletzungen:

Durch Schusswaffen oder Stichverletzung. Sehr selten Verletzung durch Masturbation mit Staubsaugern oder anderen Geräten [Abb. Penisverletzung durch Masturbation mit einem Staubsauger] (Theimuras, 1978).

Stumpfe Verletzungen:

Meist durch Sport- oder Verkehrsunfälle. Der Schweregrad der Verletzung wird i.d.R. durch die begleitenden Harnröhrenverletzung und Hodenverletzung bestimmt.

Selbstverletzungen:

Strangulationsverletzungen entstehen durch Überstülpen von einengenden Gegenständen wie Ringe oder Flaschen, meist im Rahmen der Masturbation [Abb. Penisstrangulation]. Der gestörte Blut- und Lymphabfluss führt zu einer zunehmenden Schwellung, welche die Entfernung unmöglich macht. Im weiteren Verlauf entsteht ein nekrotischer Gewebeschaden. Sehr selten sind selbst zugeführte Schnittverletzungen bis hin zur Selbstamputation, meist im Rahmen von psychotischen Schüben oder bei Patienten mit Transsexualität.

Bissverletzungen:

Seltene Penisverletzung durch Biss von Tieren oder Menschen.

Verbrennungen:

Isolierte Verbrennungen der äußeren Genitalien sind sehr selten. Begleitende Verbrennung der äußeren Genitale sind jedoch in 5–13% aller Verbrennungen vorhanden.

Penisfraktur:

Ruptur der Corpora caverosa während der Erektion durch ein Biegetrauma, siehe folgender Abschnitt Penisfraktur.

Diagnose

Urethrogramm bei Verdacht auf Harnröhrenverletzung, Sonographie der Hoden zum Ausschluss einer Hodenverletzung, klinische Inspektion der Wunde (ggf. in Narkose).

Therapie

Konvervative Therapie:

Stumpfe Verletzungen und geringgradige Hauteinrisse können konservativ behandelt werden: Reinigung und Desinfektion von Abschürfungen, Kühlung und Hochlagerung von Penis und Skrotum.

Prinzipien der operativen Therapie:

Eine operative Wundrevision ist bei Schussverletzungen, Stichverletzungen, Bissverletzungen und Selbstverletzungen notwendig. Periphere oberflächliche Verletzungen können in Lokalanästhesie (Peniswurzelblock) behandelt werden, Verletzungen der Schwellkörper und Harnröhre benötigen eine Narkose. Avitales Gewebe wird entfernt und die Wunde wird gereinigt (Kochsalzspülung). Blutstillung und Drainierung von Hämatomen. Naht/Rekonstruktion von Harnröhrenverletzungen und Schwellkörperverletzungen [Abb. Penisverletzung]. Falls möglich, wird bei sauberen Wunden ein primärer Hautverschluss angestrebt (van der Horst u.a., 2004).


Penisverletzung durch Masturbation mit einem Staubsauger: multiple Einrisse der Glans und Harnröhre wurden operativ versorgt.
Abbildung Penisverletzung durch Masturbation mit einem Staubsauger

Verbrennungen:

Zunächst konservative Therapie. Nekrotische Hautareale werden nur sparsam exzidiert, da eine erstaunliche Regenerationsfähigkeit der genitalen Haut besteht.

Strangulationsverletzungen:

Durchtrennung des einschnürenden Gegenstands mit einem Ringschneider oder elektrischen Trennschneider [Abb. Penisstrangulation].


Penisstrangulation durch eine Unterlegscheibe: Durchtrennung mit Hilfe eines Trennschneiders unter Wasserkühlung.
Abbildung Penisstrangulation durch eine Unterlegscheibe

Amputationsverletzungen:

Bei gutem Zustand des Amputats sollte eine Rekonstruktion angestrebt werden: zunächst Naht der Schwellkörper und Harnröhre, dann mikrochirurgische Anastomose der Nerven, Venen und Arterien. Alternativ blutstillende Naht der Schwellkörperverletzung und ggf. Anlage einer perinealen Urethrostomie.

Infektionen:

Perioperative antibiotische Therapie, insbesondere bei Bissverletzungen und schmutzigen penetrierenden Verletzungen. Überprüfung des Impfschutzes von Tetanus. Bei Bissverletzungen Überprüfung der Notwendigkeit von Diagnose und Therapie von sexuell übertragbaren Krankheiten und Tollwut.




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Literatur

van der Horst, C.; Portillo, F. J. M.; Seif, C.; Groth, W. & Jünemann, K. P.
Male genital injury: diagnostics and treatment.
BJU Int, 2004, 93, 927-930.


Theimuras, M. A.
Penisverletzungen bei Masturbation mit Staubsaugern
Technische Universitat München, 1978.