Zusammenfassende Literatur Harnblase: (Benninghoff, 1993).
Die Harnblase wird in Corpus vesicae mit Hinterwand und Seitenwand, Apex vesicae (Blasenscheitel) mit Vorderwand, Trigonum vesicae mit Ostium ureteris (Harnleitermündung) und Collum vesicae (Blasenhals) gegliedert.
Die Harnblase liegt präperitoneal hinter der Symphyse. Ventral der Harnblase liegt das Spatium retropubicum (Spatium retzii) als Verschiebeschicht für entsprechende Füllungszustände. Nach abdominal besteht Nachbarschaft zu Dünndarm und Sigma. Lateral liegen die Vasa iliacae. Der Harnblasenhals geht beim Mann breitflächig in die Prostata über [Abb. 2.6]. Bei der Frau liegen das Trigonum vesicae und der Blasenhals der Vagina an, dorsal der Harnblase liegt der Uterus.
![]() |
Abbildung 2.6: Männliches Becken, medianer sagittaler Schnitt. Abb. modifiziert nach Gray’s Anatomy, Lea and Febinger 1918, Philadelphia, USA. |
![]() |
Abbildung 2.7: Weibliches Becken, medianer sagittaler Schnitt. Abb. modifiziert nach Gray’s Anatomy, Lea and Febinger 1918, Philadelphia, USA. |
Das Peritoneum zieht über die Hinterfläche der Harnblase und bildet beim Mann mit dem Rektum die Excavatio rectovesicalis, bei der Frau mit dem Uterus die Excavatio vesico-uterina. Die Harnblase und benachbarte Leitungsstrukturen bestimmen das dorsale Relief der unteren Bauchwand: Plica umbilicalis mediana (Urachus), Plica umbilicalis medialis (obliterierte A. umbilicalis) und Plica umbilicalis lateralis (Vasa epigastrica inf.) [Abb. 2.8].
![]() |
Abbildung 2.8: Das Innenrelief der Bauchwand unterhalb des Nabels. Abb. modifiziert nach Gray’s Anatomy, Lea and Febinger 1918, Philadelphia, USA. |
Das Innere der Harnblase wird klinisch in das Trigonum vesicae, die Seitenwände, Hinterwand und Vorderwand eingeteilt [Abb. 2.9].
das Trigonum vesicae wird von den Uretermündungen (Ostium ureteris rechts und links) und die innere Harnröhrenöffnung (Ostium urethrae int.) begrenzt. Zwischen den Ostien der Ureteren befindet sich die Ureterenleiste (Plica interureterica). Die Wand des Trigonum vesicae wird in drei Schichten gegliedert:
der Ureter tritt schräg durch die Harnblasenwand. Die inneren glatten Muskelfasern des Ureters formen mit der inneren glatten Muskulatur des kontralateralen Ureters das oberflächliche Trigonum vesicae, welches bis in die Pars prostatica der Urethra bis zum Colliculus seminalis beim Mann und bis zur äußeren Harnröhrenöffnung der Frau zieht. So ist das oberflächliche Trigonum vesicae eine Struktur, die oberhalb der Ostien der Harnleiter tubulär, unterhalb der Ostien bis in die Harnröhre flach ist. Das oberflächliche Trigonum wird durch den Sympathikus innerviert.
2–3 cm oberhalb der Harnblase lagert sich um den Ureter eine äußere Schicht glatter Muskulatur an. Diese stammt aus dem Mesoderm (Wolff’scher Gang) und wird durch den Symphaticus innerviert. Nach dem Durchtritt durch die Harnblasenwand bilden diese Schicht analog zu oben das tiefe Trigonum vesicae. Dieses reicht von beiden Ostien bis zum Harnblasenhals.
die innere longitudinale Schicht zieht submukös in die Urethra bei der Frau bis zum Ostium externum und beim Mann bis zum kaudalen Ende der Prostata. Die mittlere zirkulär angeordnete und äußere longitudinal angeordnete Schicht ziehen bis zum Harnblasenhals. Bei der Frau wird die Harnröhre umschlossen und der äußere Schließmuskel bei der Frau verstärkt. Der M. detrusor vesicae ist parasympathisch innerviert (S2–4).
die Kontraktion des Trigonum vesicae führt zu einer Verlagerung der Ostien nach kaudal zum Harnblasenhals und damit zu einer starken Erhöhung des uretero-vesikalen Widerstands. Die Ausschaltung der glatten Muskulatur des Trigonum vesicae (Durchtrennung, lumbale Sympathektomie) führt zur Refluxentstehung. Der Tonus des Trigonum vesicae senkt gleichzeitig den Widerstand am Harnblasenhals und erleichtert somit die Miktion.
Der vesikale Druck komprimiert zusätzlich die Ureteren aufgrund des schrägen Durchtritts durch die Harnblasenwand und sorgt für eine Ventilfunktion.
Der Verschlussapparat (Schließmuskel) der Harnblase besteht aus glatten wie gestreiften Muskelfasern.
die glatten Muskelfasern nehmen ihren Verlauf vom Trigonum vesicae und ziehen longitudinal wie auch zirkulär um den Harnblasenhals [s. o.].
der quergestreifte Sphinkter hat einen hufeisenförmigen Verlauf. Bei der Frau umgibt er die mittlere und proximale Harnröhre. Beim Mann ziehen die Muskelfasern von der Prostata über die gesamte Länge der membranösen Harnröhre. In beiden Fällen hat der quergestreifte Sphinkter engen Kontakt zum Beckenboden, ist davon jedoch deutlich abzugrenzen.
Die kurze weibliche Harnröhre, Urethra feminina, ist 2,5 bis 4 cm lang und mündet mit dem Ostium urethrae externum 2–3 cm dorsal der Klitoris am vorderen Rand der Vaginaöffnung. Der Harnblasensphinkter (s. o.) befindet sich im proximalen Anteil der Harnröhre.
Das Lumen der weiblichen Harnröhre ist proximal mit Urothel ausgekleidet, im mittleren Bereich findet sich mehrreihiges Zylinderepithel und distal mehrschichtiges unverhorntes Plattenepithel.
Die Lamina propria ist reich an Gefäßen (Corpus spongiosum urethrae). Besonders in der distalen Harnröhre finden sich zahlreiche Drüsen in der Lamina propria (Gll. urethrales).
Die Tunica muscularis besteht aus glatter und quergestreifter Muskulatur, welche den Sphinkterapparat der Harnblase aufbauen (s. o.).
| Anatomie Harnleiter | Inhalt | Harnblase 2/5 |
Sie haben nicht gefunden, was Sie suchen?
Mit nachstehender Google-Suchmaske können Sie diese Webseite (www.urologielehrbuch.de) durchsuchen, alternativ das Internet (Web).
English Version: Anatomy of urinary bladder
Letzte Aktualisierung
Dr. med. Dirk Manski
manski@urologielehrbuch.de