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Von Dirk Manski

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Ursache, Diagnose und Therapie der Tumoranämie

Definitionen der Anämie

Graduierung des Schweregrads der Anämie nach CTCAE in Abhängigkeit von der Hämoglobinkonzentration:

Epidemiologie der Tumoranämie

Etwa 40% der Patienten mit soliden nichthämatologischen Tumoren leiden an einer Anämie. Fortgeschrittene Metastasierung, Androgendeprivation, Strahlen- oder Chemotherapie erhöhen das Risiko für eine Anämie. Die Tumoranämie verschlechtert die Lebensqualität und ist mit einer ungünstigeren Prognose assoziiert.

Ursachen der Tumoranämie

Diagnose der Tumoranämie

Gründliche Anamnese hinsichtlich möglicher Ursachen für einen Blutverlust, Labor (Blutbild mit Differentialblutbild, Retikulozyten, Nierenfunktion, Eisenstatus mit Serumeisen, Transferrinsättigung und Ferritin, CRP, Vitamine B12 und Folsäure), Stuhluntersuchung (okkultes Blut) und Urinsediment.

Therapie der Tumoranämie

Die Therapie beinhaltet Ernährungsunterstützung, Eisensubstitution, Erythropoese-stimulierende Medikamente (ESAs) und Bluttransfusionen.

Erythropoese-stimulierende Medikamente

Erythropoese-stimulierende Medikamente (ESA, engl. Erythropoiesis-Stimulating Agent) sind synthetische Analoga des Erythropoetins und wirken als Wachstumsfaktor für die Bildung roter Blutkörperchen im Knochenmark.

Indikationen

Bei Patienten mit chemotherapieassoziierter Anämie kann – abhängig von Symptomen, Komorbiditäten und zu erwartender Dauer der Anämie – eine Therapie mit Erythropoese-stimulierenden Medikamenten erwogen werden, insbesondere bei Hämoglobinwerten <10 g/dl und nicht-kurativer Therapiesituation.

Kontraindikationen

Keine Indikation für Erythropoese-stimulierende Medikamente besteht bei unbehandeltem Eisenmangel oder Vitaminmangel (zuerst Substitution), bei schwerer Anämie (Hämoglobin <8 g/dl mit Symptomen, Transfusionen sind notwendig), bei Tumoranämie ohne laufende Chemotherapie sowie nach abgeschlossener kurativer Therapie (fehlende Zulassung und potenzielles Risiko).

Nebenwirkungen von Erythropoese-stimulierenden Medikamenten

Dosierung von Erythropoese-stimulierende Medikamente

Erythropoese-stimulierende Medikamente werden subkutan injiziert, verfügbar sind Epoetin alfa (und Biosimilars), Epoetin beta und Darbepoetin alfa. Die folgenden Dosierungen sind Richtwerte zu Beginn und müssen anhand der Hämoglobinwerte und des klinischen Ansprechens angepasst werden. Ziel ist die niedrigste Hämoglobinkonzentration, die Transfusionen vermeidet und Symptome bessert (häufig etwa 10–12 g/dl). Werte >12 g/dl sollen durch Dosisreduktion oder Therapiepause vermieden werden.

Epoetin alfa:

Beginn mit 150 IE/kgKG s.c. dreimal pro Woche, alternativ 450 IE/kgKG s.c. einmal wöchentlich.

Epoetin beta:

Beginn mit 450 IE/kgKG s.c. alle 7 Tage.

Darbepoetin alfa:

Beginn mit 2,25 μg/kgKG s.c. alle 7 Tage.

Eisensubstitution bei Tumoranämie

Eine Eisensubstitution ist bei Patienten mit Tumoranämie und absolutem Eisenmangel (Serumeisen niedrig, Serumferritin deutlich unter 100 ng/ml und Transferrinsättigung <20%) sowie bei funktionellem Eisenmangel (Serumeisen niedrig, Serumferritin normal oder erhöht, Transferrinsättigung <20% und häufig erhöhtes CRP) indiziert. Intravenöses Eisen ist bei Tumoranämie wirksamer als orale Eisenpräparate, insbesondere bei Patienten unter ESA-Therapie oder bei funktionellem Eisenmangel.

Bluttransfusionen

Siehe Abschnitt Bluttransfusionen. Die Indikation für eine Transfusion bei Tumorpatienten wird großzügiger als bei postoperativen Blutungen gestellt, da eine spontane Besserung der Anämie seltener ist.








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Literatur

Aapro M, Beguin Y, Bokemeyer C, Dicato M, Gascón P, Glaspy J, Hofmann A, Link H, Littlewood T, Ludwig H, Österborg A, Pronzato P, Santini V, Schrijvers D, Stauder R, Jordan K, Herrstedt J; ESMO Guidelines Committee. Management of anaemia and iron deficiency in patients with cancer: ESMO Clinical Practice Guidelines. Ann Oncol. 2018 Oct 1;29(Suppl 4):iv96-iv110. doi: 10.1093/annonc/mdx758. Erratum in: Ann Oncol. 2018 Oct 1;29(Suppl 4):iv271. doi: 10.1093/annonc/mdy323. PMID: 29471514.

Choo u.a. 2005 CHOO, R. ; CHANDER, S. ; DANJOUX, C. ; MORTON, G. ; PEARCE, A. ; DEBOER, G. ; SZUMACHER, E. ; LOBLAW, A. ; CHEUNG, P. ; WOO, T.: How are hemoglobin levels affected by androgen deprivation in non-metastatic prostate cancer patients?
In: Can J Urol
12 (2005), Nr. 1, S. 2547–52.

Leitlinienprogramm Onkologie (Deutsche Krebsgesellschaft, Deutsche Krebshilfe, AWMF): Supportive Therapie bei onkologischen PatientInnen https://www.leitlinienprogramm-onkologie.de/leitlinien/supportive-therapie

  English Version: Prophylaxis, classification and treatment of cancer-related anemia

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