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Von Dirk Manski

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Embryologie von Prostata, Penis und äußerem Genitale

Embryologie der Prostata und Urethra

Die Prostata entwickelt sich aus dem endodermalen Epithel des Sinus urogenitalis im Bereich der Einmündung der Wolff-Gänge. Das regionale urogenitale Mesenchym vermittelt die Androgenwirkung (insbesondere über Dihydrotestosteron) auf das Epithel, wodurch epitheliale Sprossen und Drüsenschläuche entstehen. Aus dem Mesenchym entstehen das bindegewebige und glatte muskuläre Stroma.

Kaudal der Prostata gliedert sich der Sinus urogenitalis in eine Pars pelvina und eine Pars phallica. Beim Mann bildet die Pars pelvina die Pars membranacea der Urethra, während die Pars spongiosa der Urethra überwiegend aus der Pars phallica hervorgeht. Die penilen Anteile der Harnröhre entstehen durch die Tubularisierung der urethralen Platte auf der ventralen Seite des Phallus. Der distale (glanduläre) Abschnitt entsteht durch Kanalisierung eines epithelialen Strangs und ist in seiner ektodermalen Mitbeteiligung je nach Quelle unterschiedlich beschrieben.

Bei der Frau wird die Urethra überwiegend aus dem Sinus urogenitalis gebildet, wobei die Pars pelvina den Hauptanteil liefert. Die Pars phallica trägt zum Vestibulum vaginae und zur Region des äußeren Harnröhrenmündung bei.

Embryologie der Harnblase

Die Kloake ist eine endodermal ausgekleidete gemeinsame Höhle für den Hinterdarm und den Allantoisstiel und wird durch die Kloakenmembran verschlossen. In die Kloake mündet die Allantois, eine endodermale Ausstülpung aus dem Dottersackbereich, die in den Haftstiel (Nabelschnur) zieht. Das von kranial einwachsende Septum urorectale teilt die Kloake in den anorektalen Kanal und den Sinus urogenitalis (etwa Mitte des zweiten Monats). Aus dem kranialen Anteil des Sinus urogenitalis entsteht die Harnblase. Nach kranial besteht zunächst eine Verbindung der Harnblase über den Allantoisstiel zur Nabelregion (Urachus), dieser verschließt sich regelhaft vor der Geburt und bleibt als Ligamentum umbilicalis mediana zurück. Je nach Störung der Rückbildung entstehen unterschiedliche Fehlbildungen aus den Resten der Urachus-Anlage.

Der Ureter entsteht aus der Ureterknospe, die aus dem distalen Wolff-Gang (Ductus mesonephricus) sprosst. Durch Umbau und Einverleibung der distalen Wolff-Gang-Anteile in die Blasenwand trennen sich Ureter und Wolff-Gang funktionell, und die Uretermündungen werden kranial-lateral in die Blasenwand verlagert. Der in die Blase einbezogene Anteil trägt zur Bildung des Trigonums vesicae bei. Der übrige Wolff-Gang bildet beim Mann im Bereich der prostatischen Harnröhre den Ductus ejaculatorius.

Embryologie der männlichen äußeren Genitalien

Indifferente Entwicklung der äußeren Genitalien

Bis etwa zur 8. Woche (25 mm SSL) entwickelt sich das äußere Genitale indifferent [Abb. indifferente Entwicklung der äußeren Genitalien]. In der Region der Kloakenmembran entstehen der Genitalhöcker sowie die urogenitale und anale Anlageregion. Nach Teilung der Kloake wird der vordere Abschnitt zum Sinus urogenitalis. Lateral der urogenitalen Rinne entwickeln sich die Urethralfalten und weiter lateral die Labioskrotalschwellungen. Ausgehend vom Sinus urogenitalis wächst endodermales Gewebe in die urogenitale Platte ein.



Embryologie der männlichen äußeren Genitalien

Der Genitalhöcker verlängert sich zum Phallus, und an seiner Spitze differenziert sich die Glans penis. Die Urogenitalrinne schließt sich durch Fusion der Urethralfalten über dem Sinusgebiet und bildet so die Pars spongiosa der Harnröhre. Die Verschlusslinie bleibt in der Mittellinie als Raphe perinei, scroti et penis sichtbar. Die Kanalisierung der distalen urethralen Anlage beginnt mit einer ektodermalen Invagination, im weiteren Kanalisation, Ausbildung der Fossa navicularis und Verbindung zur Pars spongiosa.

Das Präputium entsteht durch eine von distal einwachsende Epithellamelle. Eine vollständige Retraktion der Vorhaut ist nach der Geburt häufig nicht möglich und nimmt im Verlauf der Kindheit graduell zu. Die Glandulae bulbourethrales (Cowper-Drüsen) entstehen aus endodermalem Gewebe des Sinus urogenitalis.

Die Hypospadie ist eine häufige Fehlbildung des Penis mit einer abnormen ventralen Mündung der Harnröhre, ein ventral unzureichend angelegtes Präputium (dorsale Schürze) und einer von Meatus bis Glansspitze reichenden Urethralplatte (Chorda).







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Literatur Embryologie Geschlechtsorgane

Benninghoff, A. (1993): Makroskopische Anatomie, Embryologie und Histologie des Menschen. 15. Auflage. München; Wien; Baltimore: Urban & Schwarzenberg.

  English Version: Embryology: Development of the lower urinary tract

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