Dr. med. Dirk Manski

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Vorzeitige Ejakulation (frühzeitiger Samenerguss)

Zusammenfassende Literatur: (Althof, 2006) (Montague et al., 2004). EAU Leitlinie: Hatzimouratidis u.a., 2016.

Definition der vorzeitigen Ejakulation

Der vorzeitige Samenerguss (Ejaculatio praecox) ist die häufigste sexuelle Funktionsstörung. Sie geht einher mit einem ungewollten vorzeitigen Samenerguss vor oder nach minimaler sexueller Stimulation, dies führt zu Krankheitsgefühl bei dem Patienten und ggf. zu Störungen in der sexuellen Beziehung. Es existieren zahlreiche verschiedene Definitionen der Ejaculatio praecox. Die am häufigsten zitierten Definitionen beziehen sich auf folgende Komponenten der Erkrankung:

Kurze Latenzzeit:

die durchschnittliche Zeit von Beginn der vaginalen Penetration bis zur Ejakulation beträgt unter 1–2 Minuten (IELT = intravaginal ejaculatory latency time).

Fehlende Kontrolle:

die kurze Latenzzeit ist ungewollt.

Krankheitsgefühl:

die kurze Latenzzeit bewirkt Unzufriedenheit oder Krankheitsgefühl.

Ausschlusskriterien:

die kurze Latenzzeit bis zur Ejakulation ist nicht durch sexuelle Enthaltsamkeit, neuer Partner, neue sexuelle Situation, Alkohol, Drogen oder Medikamente entstanden.

Epidemiologie der Ejaculatio praecox

Die Prävalenz bei sexuell aktiven Männern beträgt etwa 20 %, sie variert je nach Definition der Ejaculatio praecox zwischen 5–30 %. Die Häufigkeit der Ejaculatio praecox ist in allen Altersgruppen vergleichbar groß.

Ursachen der vorzeitigen Ejakulation

Psychogene Ursachen:

Angst, unzureichene Kommunikation zwischen den Partnern, unzureichene Techniken der Ejakulationskontrolle, psychodynamische Ursachen u. v. m.

Körperliche Ursachen:

Penile Hypersensitivität, 5-Hydroxytryptamin (5-HT)-Rezeptor Hyper- oder Hyposensitivität (je nach Rezeptorsubtyp), erektile Dysfunktion.

Klinik der Ejaculatio praecox

Der klinische Verlauf der Erkrankung ist variabel. Es wird zwischen einer lebenslangen (primären) Ejaculatio praecox und einer erworbenen (sekundären) Form unterschieden. Die primäre Ejaculatio praecox ist eher durch körperliche Ursachen bedingt, die sekundäre frühzeitige Samenerguss eher durch psychogene Ursachen.

Diagnostik der vorzeitigen Ejakulation

Anamnese:

Neben einer genauen Sexualanamnese (Dauer, Ausmaß, Partner, Techniken...) zielen weitere Fragen zum Ausschluss einer erektilen Dysfunktion und weiteren Erkrankungen.

Therapie der vorzeitigen Ejakulation

Verhaltenstherapie:

Die Vorteile der Verhaltenstherapie liegen in den fehlenden Nebenwirkungen, sie verbessert die Kommunikation der Sexualpartner und kann über die Therapie der Ejaculatio praecox zu einer befriedigenderen Partnerschaft führen. Nachteilig sind die verzögerte und inkonstante Wirkung, hoher personeller/finanzieller Aufwand der Therapie und setzt die Kooperation des Partners voraus.

Stop-Squeeze Methode [Masters und Johnson 1970]:

kurz vor der Ejakulation wird die sexuelle Stimulation durch eine Kompression der Glans penis ersetzt, bis der Ejakulationsdrang nachlässt. Danach wird die sexuelle Stimulation fortgesetzt.

Stop-Pause Methode [Kaplan 1983]:

kurz vor der Ejakulation wird die sexuelle Stimulation ausgesetzt, bis der Ejakulationdrang nachgelassen hat und eine weitere sexuelle Stimulation ohne Ejakulation möglich ist.

Lokale Therapie der vorzeitigen Ejakulation:

Die Verwendung von Salben mit Lokalanästhetika (z. B. Lidocain) senkt die Hypersensitivität des Penis. Applikation 20 min vor dem Geschlechtsverkehr, ggf. in Kombination mit einem Kondom.

Pharmakologische Therapie der vorzeitigen Ejakulation:

Zum Einsatz gelangen Antidepressiva vom Typ der Serotonin-Reuptake Inhibitoren (SSRI) und trizyklische Antidepressiva, teils für die dauerhafte Therapie oder als Bedarfmedikation. Problematisch sind die Nebenwirkungen der Antidepressiva und die fehlende Zulassung für die Indikation vorzeitige Ejakulation. Seit Mitte 2009 erhielt Dapoxetin als kurzwirksames SSRI die Zulassung für eine Bedarfsmedikation. Neue Daten zeigen auch für Tramadol eine Wirksamkeit bei der Therapie der Ejaculatio praecox.

Dapoxetin:

Dapoxetin ist ein kurzwirksames SSRI und ist als Bedarfsmedikation zugelassen. Dosierung 30 mg 1–3 h vor geplanter sexueller Aktivität, maximale Einnahmefrequenz 1×/d. Bei fehlender Wirksamkeit ohne Nebenwirkungen kann auf 60 mg erhöht werden. Die Zulassungsstudie schloss 1162 Patienten ein (n=385 Placebo, n=388 mit 30 mg Dapoxetin und n=389 mit 60 mg Dapoxetin) [Buvat u.a., 2009]: ausgehend von einer IELT von etwa 1 Minute zu Beginn der Studie wurden nach 24 Wochen eine IELT von 1,9 min (Placebo), 3,2 min (30 mg Dapoxetin) und 3,5 min (60 mg Dapoxetin) gemessen. Pharmakologie und Nebenwirkungen von Dapoxetin.

Paroxetin:

Paroxetin ist ein langwirksames SSRI. Dosierung täglich 20–40 mg. Wirkungseintritt nach 1–2 Wochen.

Fluoxetin:

Fluoxetin ist ein langwirksames SSRI. Dosierung täglich 20–40 mg. Wirkungseintritt nach 1–2 Wochen.

Clomipramin:

Clomipramin ist ein trizyklisches Antidepressivum, Dosierung 10–50 mg 5 h vor dem Geschlechtsverkehr.

Phosphodiesterase-Hemmer:

Phosphodiesterasehemmer sind indiziert bei einer erektilen Dysfunktion, welche auch ursächlich für den vorzeitigen Samenerguss sein kann. Phosphodiesterasehemmer werden auch mit SSRI kombiniert (ohne Zulassung).

Tramadol:

Tramadol zeigt nicht nur Aktivität am Opioidrezeptor, sondern beeinflusst auch das cholinerge und serotonerge Nervensystem. In einer randomisierten Phase III-Studie (Bar-Or u.a., 2012) konnte mit 62 mg Tramadol die IELT um 1,2 min verlängert werden (vs. 0,6 min bei Placebogabe). Die Verträglichkeit war gut.





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Literatur

S. E. Althof.
Prevalence, characteristics and implications of premature ejaculation/rapid ejaculation.
J Urol, 175 (3 Pt 1): 842–848, Mar 2006.

Bar-Or, D.; Salottolo, K. M.; Orlando, A.; Winkler, J. V. & Group, T. O. S.
A randomized double-blind, placebo-controlled multicenter study to evaluate the efficacy and safety of two doses of the tramadol orally disintegrating tablet for the treatment of premature ejaculation within less than 2 minutes.
Eur Urol, 2012, 61, 736-743.


Buvat, J.; Tesfaye, F.; Rothman, M.; Rivas, D. A. & Giuliano, F.
Dapoxetine for the Treatment of Premature Ejaculation: Results from a Randomized, Double-Blind, Placebo-Controlled Phase 3 Trial in 22 Countries.
Eur Urol, 2009.


Hatzimouratidis, K.; Amar, E.; Eardley, I.; Giuliano, F.; Hatzichristou, D.; Montorsi, F.; Vardi, Y. & Wespes, E.
Guidelines on male sexual dysfunction: erectile dysfunction and premature ejaculation.
Eur Urol, 2010, 57, 804-814.


D. K. Montague, J. Jarow, G. A. Broderick, R. R. Dmochowski, J. P. W. Heaton, T. F. Lue, A. Nehra, I. D. Sharlip, und A. U. A. E. D. G. U. Panel.
Aua guideline on the pharmacologic management of premature ejaculation.
J Urol, 172 (1): 290–294, Jul 2004.







 

  English Version: Premature ejaculation