Zusammenfassende Literatur: (Benninghoff, 1993).
das normale Karyogramm besteht aus 46 Chromosomen, 22 Autosomen-Paare und 2 Sexchromosomen. Das weibliche Geschlecht entsteht bei zwei X-Sexchromosomen, das männliche Geschlecht entsteht bei einem X- und einem Y-Sexchromosom.
Die chromosomale Konstellation induziert die Entwicklung von Ovar oder Hoden aus der undifferenzierten Gonade. Die Anwesenheit von einem Y-Chromosom oder der verantwortlichen Region des Y-Chromosom (testis-determinierender Faktor) führt zu der Entwicklung eines Hodens.
Der Testis-determinierender Faktor ist das Gen SRY, es kodiert ein Protein aus 80 AS (high mobility group protein HMG), welches an die DNA bindet und die Transkription von Genen für die sexuelle Differenzierung bewirkt (WT-1, SF-1, SOX).
Bei zwei X-Chromosomen (oder mehr) wird ein X-Chromosom inaktiviert, es entsteht Heterochromatin, welches im Lichtmikroskop als Barr-Körperchen gesehen wird. Diese Inaktivierung und Verpackung des überschüssigen X-Chromosoms wird durch das Gen XIST kodiert.
die Einzelheiten der Entwicklung des Hodens und der männlichen Geschlechtsorganen siehe Kapitel Embryologie des Urogenitaltraktes. Ohne die Anwesenheit eines funktionierenden Hoden mit der Produktion von Testosteron entsteht trotz des chromosomalen männlichen Geschlechts (46, XY) ein weibliches Genital. Dies gilt auch für Defekte des Androgenrezeptors, fehlende Umwandlung des Testosteron in Dihydrotestosteron (DHT) oder fehlende oder fehlerhafte Bildung des Antimüllerhormons (AMH).
die frühere Annahme, die psychische sexuelle Identifizierung entsteht durch Erziehung und körperliche Vergleiche, ist falsch. Männliche Patienten (46, XY) mit Intersex-Störung durch Enzymdefekte entwickeln häufig Zweifel ob ihrer zugewiesen weiblichen Geschlechterrolle. Eine embryonale Androgenexposition und (unbekannte) Gene auf dem Y-Gen führen zu einer frühen Geschlechtsprägung.
Die Hypothalamus-Hypophyse-Gonaden Hormonachse steuert die Freisetzung der Sexualhormone [Abb. 1.1]. Die Sexualhormone spielen eine entscheidende Rolle bei der Entstehung des Geschlechtsphänotyps, der sexuellen Reifung während der Pubertät, der endokrinen Funktion des Hodens und der Spermatogenese.
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Der Hypothalamus produziert Gonadotropin-Releasing Hormone (GnRH oder LHRH), die Freisetzung erfolgt pulsatil. GnRH ist ein Peptidhormon aus 10 Aminosäuren, in der Hypophyse wird durch GnRH die Freisetzung von LH und FSH stimuliert. Die GnRH-Freisetzung wird durch Sexualsteroide, Dopamin, FSH, LH, Opioide und wahrscheinlich auch Inhibin inhibiert.
GnRH gelangt über den Portalvenenkreislauf in die Hypophyse und stimuliert dort die Freisetzung der Peptidhormone LH und FSH. LH (28 kDa) und FSH (33 kDa) sind Glykoproteine, welche aus einer α- und β-Kette bestehen. Die α-Kette gleicht den anderen Hypophysenhormonen, die β-Kette vermittelt die biologische Wirkung.
Die LH-Sekretion folgt der pulsatilen GnRH-Sekretion, die FSH-Sekretion ist komplexer durch den Einfluss von Inhibin und der längeren Halbwertszeit.
LH bewirkt im Hoden die Testosteronsynthese, FSH ist der entscheidende Stimulus für die Spermatogenese.
Eine Hemmung der LH- und/oder FSH-Freisetzung erfolgt durch Testosteron und Inhibin.
beide Grundfunktionen des Hodens, die endokrine Funktion (Testosteron, Inhibin...) wie auch die exokrine Funktion (Spermatogenese) wird von der Hypothalamus-Hypophysen-Gonaden Hormonachse kontrolliert.
zum chemischen Aufbau des Steroidhormons siehe Abb. 1.2. Die Testosteronbiosynthese wird im Kapitel Nebennierenanatomie dargestellt. Nur 2 % des Testosterons sind im Plasma ungebunden und biologisch aktiv, der Rest ist proteingebunden an sex hormone-binding Globulin (SHBG) und weiteren Proteinen vor. Die höchste Testosteronkonzentration im Serum wird morgens gemessen, der Normalwert liegt altersabhängig zwischen 12–35 nmol/l (3,5–10 ng/ml).
Testosteron wird im Zielorgan oft in Dihydrotestosteron (DHT) durch die 5α-Reduktase umgewandelt. DHT ist oft lokal ein viel stärkeres Androgen als Testosteron.
Im Sinne einer negative Rückkopplung hemmt Testosteron die Freisetzung von LH und FSH in der Hypophyse wie auch GnRH im Hypothalamus.
nukleärer Proteinrezeptorkomplex, welcher aus einer DNA-bindenden und einer Liganden-bindenden Region besteht. Der Androgenrezeptor zeigt eine enge Verwandtschaft zum Glukokortikoid-Rezeptor.
Die Bindung von Androgenen an den Androgenrezeptor führt zur erhöhten Transkription von spezifischen Genen, welche die Hauptwirkung der Androgene vermitteln. Kurzfristige Androgeneffekte werden durch den Androgenrezeptor über intrazelluläre Proteinkinasen und die Calcium-Konzentration vermittelt (Culig u.a., 2003).
32 kDa-Protein, welche von Sertoli-Zellen gebildet wird und spezifisch die FSH-Freisetzung in der Hypophyse hemmt. Umgekehrt wird die Freisetzung von Inhibin von FSH stimuliert.
Proteinhormon mit Homologie zu TGF-beta, stimuliert die Freisetzung von FSH in der Hypophyse. Activin-Rezeptoren finden sich auch in anderen Organen, die genaue physiologische Wirkung ist unklar.
Die Anwesenheit von FSH im Hoden ist für das Wachstum der Tubuli seminiferi in der Pubertät entscheidend. Die Bindung von FSH an Sertoli-Zellen bewirkt die Produktion einer Reihe von Mediatoren, welche die Spermatogenese stimulieren: Androgen-binding protein, Transferrin, Laktat, Ceruloplasmin, Clusterin, Plasminogen activator, Prostaglandine und Wachstumsfaktoren.
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Dr. med. Dirk Manski
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