Dr. med. Dirk Manski

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Bleomycin: Chemotherapie von Hodentumoren und Keimzelltumoren

Wirkmechanismus von Bleomycin:

Bleomycin ist ein Zytostatikum aus der Gruppe der Naturstoffe: ein Glykopeptid-Antibiotikum aus Actinomyceten Streptomyces verticillus. Bleomycin bindet spezifisch an die DNA und führt zu Strangabbrüchen und Zelltod. In hohen Konzentrationen wirkt Bleomycin als Endonuclease und spaltet die DNA.

Urologische Indikationen von Bleomycin:

Metastasierte Keimzelltumoren des Hodens.

Pharmakokinetik von Bleomycin:

Renale Elimination, initial HWZ 24 min, dann 2–4 h. Bei einer Niereninsuffizienz ist eine Dosisanpassung notwendig.

Nebenwirkungen von Bleomycin:

Lunge:

subakut oder chronisch verlaufende Lungenentzündung (interstitielle plasmazelluläre Pneumonie) mit Fibrose. In 1 % der behandelten Patienten letaler Verlauf. Risikofaktoren: hohes Alter, Lungenerkrankungen, Rauchen, Bestrahlung der Lunge und kumulative Bleomycindosierungen über 300 mg.

Klinisch stehen Husten, Atemnot und Fieber im Vordergrund. Diagnose mit Rö-Thorax, CT-Thorax und Lungenfunktionsprüfung. Bei ersten Anzeichen einer interstitiellen Pneumonie sind weitere Bleomycin-Gaben kontraindiziert.

Haut:

Exantheme der Haut, Nagelveränderungen, Haarausfall, Hautnekrosen.

Allergie:

Schüttelfrost, Fieber, Hypotension und Schock sind selten (<0,5%) möglich, fatale Verläufe wurden publiziert. Eine Testdosis von 1 mg gefolgt von einer Beobachtung von 4 h wird in der Fachinformation empfohlen, ein klinisch relevanter Nutzen wird jedoch angezweifelt (Lam, 2005). Die Therapie besteht in der Gabe von Infusionen, Kortikosteroiden, Antihistaminika, Paracetamol und Vasopressoren in Abhängigkeit vom Schweregrad.

GI-Trakt:

Übelkeit und Erbrechen selten (kann ohne antiemetische Prophyaxe gegeben werden), Diarrhoe, Appetitlosigkeit.

Weitere Nebenwirkungen von Bleomycin:

Gelenk- und Muskelschmerzen, Schäden an den Blutgefäßen, selten Raynaud-Syndrom, Myokardinfarkt oder Hirnischämie.

Wechselwirkungen von Bleomycin:

Vermeidung von nephrotoxischen oder myelosuppressiven Substanzen. Keine Lebendimpfstoffe.

Kontraindikationen von Bleomycin:

Bleomycin-Unverträglichkeit oder Bleomycin-Lungenfibrose, Schwangerschaft. Relative Kontraindikation (je nach Ausmaß): restriktive oder obstruktive Lungenerkrankungen, Lungenbestrahlung, Nieren- oder Leberinsuffizienz.

Dosierung von Bleomycin:

PEB-Kombination: Bleomycin (30 mg Tag 1, 8, 15 als Bolus), Zyklusdauer 21 d. Maximal 3–4 Zyklen [siehe Schema PEB].

Präparatenamen von Bleomycin:

Bleo-Cell, Bleo-medac, Bleomycin-Generika.







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Literatur

Lam, M. S. H.
The need for routine bleomycin test dosing in the 21st century.
Ann Pharmacother, 2005, 39, 1897-1902
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