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Von Dirk Manski

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Therapie der Nierenarterienstenose


Medikamentöse Therapie der Nierenarterienstenose

Die medikamentöse Therapie ist die Basisbehandlung der atherosklerotischen Nierenarterienstenose. Ziele sind die Kontrolle der arteriellen Hypertonie, die Reduktion des kardiovaskulären Risikos und die Stabilisierung der Nierenfunktion. Eingesetzt werden insbesondere ACE-Hemmer oder AT1-Blocker, Kalziumantagonisten, Diuretika, Betablocker, Statine und eine Thrombozytenaggregationshemmung entsprechend der vaskulären Gesamtsituation.

Indikationen für eine operative Therapie

Eine invasive Therapie der Nierenarterienstenose (perkutane transluminale Angioplastie oder offen-chirurgische Gefäßoperation) ist indiziert bei interventionspflichtiger ischämischer Nephropathie oder bei unzureichender medikamentöser Kontrolle der renalen Hypertonie. Eine Intervention ist besonders indiziert bei Einzelniere oder bilateralem Befall aufgrund der hohen Gefahr der Niereninsuffizienz.

Endovaskuläre Therapie (Perkutane transluminale Angioplastie)

Die perkutane transluminale Angioplastie (PTA) kann direkt nach einer Angiographie (DSA) durchgeführt werden. Bei der fibromuskulären Dysplasie wird i. d. R. kein Stent verwendet. Bei der arteriosklerotischen Nierenarterienstenose wird die primäre Stent-Einlage empfohlen.

Ergebnisse: Randomisierte Studien bei atherosklerotischer Nierenarterienstenose konnten für unselektierte Patienten keinen generellen Vorteil einer routinemäßigen Stentimplantation zusätzlich zur modernen medikamentösen Therapie hinsichtlich harter renaler oder kardiovaskulärer Endpunkte zeigen. Die Entscheidung zur Intervention sollte daher individualisiert und vor allem an Hochrisikokonstellationen orientiert werden.

Komplikationen: Mögliche Komplikationen sind Punktionskomplikationen, Kontrastmittel-assoziierte Nierenfunktionsverschlechterung, Cholesterinembolisation, Dissektion, Thrombose, Restenose und selten Niereninfarkt oder retroperitoneale Blutung.

Offen-chirurgische Gefäßoperation bei Nierenarterienstenose

Offen-chirurgische Gefäßoperationen sind indiziert, wenn entsprechende Begleiterkrankungen vorliegen (Aneurysma), eine PTA technisch nicht möglich ist oder bei Komplikationen der PTA.

Aortorenale (anatomische) Bypass-OP:

Endarteriektomie oder freies Transplantat (Gefäßprothese, V. saphena oder A. iliaca interna) ersetzt die Nierenarterie. Ein aortorenaler Bypass ist bei signifikanter Arteriosklerose oder Aneurysma der Aorta abdominalis nicht möglich.

Extraanatomische Bypass-OP:

Alternativen zum anatomischen Bypass sind beispielsweise der splenorenale Bypass links und der hepatorenale Bypass rechts.

Ergebnisse:

Offen-chirurgische Revaskularisation kann in ausgewählten Fällen dauerhaft erfolgreich sein, ist jedoch invasiver als die endovaskuläre Therapie und mit einem höheren perioperativen Risiko verbunden. Deshalb wird sie heute nur noch selektiv eingesetzt.

Prognose der Nierenarterienstenose

Die Prognose der atherosklerotischen renovaskulären Erkrankung wird wesentlich durch die systemische Atherosklerose und das kardiovaskuläre Gesamtrisiko bestimmt. Bei fortgeschrittener ischämischer Nephropathie ist die Langzeitprognose ungünstig.








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Literatur

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  English Version: Renal artery stenosis

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