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Grundlagen für Klinik und Praxis
Von Dirk Manski

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Diagnose der Nierenarterienstenose


Laboruntersuchungen bei Nierenarterienstenose

Kreatinin, eGFR und Elektrolyte zur Beurteilung der Nierenfunktion. Urin: milde Proteinurie ist möglich.

Doppler-Sonographie:

Doppler-Sonographie der Nierenarterien mit Messung von Peak systolic velocity (PSV), End diastolic velocity (EDV), Reno-aortalen Quotienten und des Resistive Index (RI). Indirekte intrarenale Zeichen sind das tardus-parvus-Muster: flacher Anstieg der Strömungsgeschwindigkeit und eine niedrige maximale Strömungsgeschwindigkeit. Vorteile der Doppler-Sonographie für die Diagnose einer Nierenarterienstenose sind die fehlende Invasivität, die niedrigen Kosten und eine mögliche Durchführung unter laufender Blutdruckmedikation. Die Aussagekraft ist jedoch untersucherabhängig und kann durch Adipositas, Darmgasüberlagerung oder ungünstige Gefäßanatomie eingeschränkt sein.

Strömungsgeschwindigkeiten der A. renalis:

Der Normalwert für die maximale systolische Strömungsgeschwindigkeit (peak systolic velocity PSV oder VPSV) beträgt 80–150 cm/s. Die enddiastolische Strömungsgeschwindigkeit (end-diastolic velocity EDV oder VEDV) beträgt 20–50 cm/s. Die PSV und EDV sind bei Stenosen der A. renalis erhöht. Eine PSV über 180 cm/s und eine EDV über 80 cm/s sprechen für eine Nierenarterienstenose.

Reno-aortaler Quotient (RAQ):

Der RAQ wird aus der peak systolic velocity (PSV) der Nierenarterie und der Aorta bestimmt (siehe folgende Formel). Ein Wert über 3,5 spricht für eine Nierenarterienstenose (Voraussetzung: normaler Fluss in der Aorta):


RAQ = PSV(Nierenarterie) / PSV (Aorta)

Resistive Index:

Ein RI unter 0,5 spricht für signifikante Nierenarterienstenose, dies reicht aber nicht als alleiniges diagnostisches Kriterium. Ein Resistive Index (RI) >80 % ist prädiktiv für eine starke Organschädigung und spricht gegen eine Blutdruckbesserung nach endovaskulärer Intervention oder Revaskularisation.

CT-Angiographie:

Die CT-Angiographie ist ein sehr zuverlässiges nichtinvasives Verfahren zur morphologischen Diagnostik der Nierenarterienstenose und zeigt auch Kalzifikationen, Gefäßanatomie sowie akzessorische Nierenarterien gut. Nachteile sind ionisierende Strahlung und iodhaltiges Kontrastmittel, sodass die Indikation bei fortgeschrittener Niereninsuffizienz sorgfältig gestellt werden sollte.

MRT-Angiographie:

Die MR-Angiographie ist eine gute Alternative zur CT-Angiographie, insbesondere wenn iodhaltiges Kontrastmittel vermieden werden soll. Sie ist jedoch bei kleineren Gefäßästen, Bewegungsartefakten und bestimmten Implantaten limitiert.

Digitale Subtraktionsangiographie (DSA):

Die DSA ist die Referenzmethode zur definitiven anatomischen und hämodynamischen Beurteilung der Nierenarterienstenose, sie wird bei unklaren nichtinvasiven Befunden oder vor geplanter Revaskularisation eingesetzt. Ihr Vorteil ist die Möglichkeit der gleichzeitigen Druckgradientenmessung und Intervention. Nachteile sind Invasivität, Embolie-, Dissektion- und Blutungsrisiko sowie die Kontrastmittelbelastung.

Captopril-Nierenszintigraphie:

Die Captopril-Szintigraphie spielt in der modernen Diagnostik nur noch eine untergeordnete Rolle. ACE-Hemmer müssen vor dem Test eine Woche pausiert werden. Um eine Nierenarterienstenose nachzuweisen wird ein Nierenfunktionsszintigramm vor und 1 h nach Gabe von Captopril 25 mg p.o. oder Enalapril 0,04 mg/kg KG i. v durchgeführt. Pathologische Befunde sind eine verminderte unilaterale oder bilaterale Funktion im Vergleich zum Ausgangswert, Größenunterschiede als Zeichen der Organatrophie, verzögerte maximale Sekretion (>11 min) und kortikale Retention des Radionuklides.

Differentialdiagnose der Nierenarterienstenose

Wichtige Differentialdiagnosen sind vor allem primärer Hyperaldosteronismus, seltene renovaskuläre Ursachen wie Vaskulitiden, Neurofibromatose, Strahlenfolgen, extrinsische Gefäßkompression oder reninproduzierende Nierentumoren (Nierenzellkarzinom, Wilms-Tumor).

Page-Niere:

Die Kompression der Niere durch eine retroperitoneale Blutung, retroperitonealen einschnürenden Prozess oder durch eine Nierenzyste kann eine Reninfreisetzung und einen renalen Hypertonus produzieren.

Chronische Pyelonephritis:

Parenchymnarben können eine segmentale Ischämie mit Reninfreisetzung und renaler Hypertonie erzeugen.







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Literatur

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  English Version: Renal artery stenosis

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