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Von Dirk Manski

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Samenleiteraplasie: Congenitale bilaterale Aplasie des Vas deferens (CBAVD)

Definition der Samenleiteraplasie

Die kongenitale bilaterale Aplasie des Vas deferens (CBAVD) ist das beidseitige Fehlen der Samenleiter, häufig mit Agenesie oder Hypoplasie der Samenblasen und ggf. weiteren Fehlbildungen des Harntrakts assoziiert.

Epidemiologie

Einseitiges Fehlen des Samenleiters in 0,6–1%, das beidseitige Fehlen ist etwa um den Faktor 10 seltener. Die bilaterale Manifestation (CBAVD) ist in bis zu 6% die zugrunde liegenden Ursache für eine obstruktive Azoospermie.

Ätiologie der Samenleiteraplasie

Mutationen des CFTR:

Genetische Varianten des CFTR-Gens (cystic fibrosis transmembrane conductance regulator) können zu beidseitigem Fehlen der Samenblasen und/oder Vasa deferentia führen. Eine klinische Manifestation der zystischen Fibrose (Mukoviszidose) ist nicht obligat; die CBAVD gilt als Minimalmanifestation einer CFTR-assoziierten Erkrankung. Eine klinische Mukoviszidose ist bei Männern nahezu regelhaft mit CBAVD oder obstruktiver Samenwegsanomalie assoziiert. Der CFTR-Genotyp bei CBAVD ist heterogen: entweder zwei CFTR-Varianten, häufig eine schwere und eine milde Variante, eine einzelne CFTR-Variante in Kombination mit Spleißvarianten oder seltener keine nachweisbare CFTR-Variante.

Assoziation mit unilateraler Nierenagenesie:

Patienten mit Samenleiteraplasie ohne nachweisbare CFTR-Mutationen haben in bis zu 40% eine ipsilaterale Nierenagenesie. Ursächlich ist eine Entwicklungsstörung der Genitalleiste (urogenital ridge), die je nach Zeitpunkt und Ausmaß die Ureterknospe, den Ductus mesonephricus (Wolff-Gang) und teilweise auch den Ductus paramesonephricus (Müller-Gang) betrifft. Begleitende Fehlbildungen der inneren Genitalorgane sind möglich.

Klinik der Samenleiteraplasie

Die Samenleiter sind nicht tastbar. Unilaterales Fehlen des Samenleiters verursacht meist keine Beschwerden. Patienten mit CBAVD haben eine obstruktive Azoospermie mit Infertilität.

Diagnostik

Therapie der Samenleiteraplasie

Eine Therapie ist nur bei Kinderwunsch notwendig. Die Reproduktion ist durch intrazytoplasmatische Spermieninjektion möglich, das erhöhte Risiko an zystischer Fibrose (Mukoviszidose) ist zu beachten.

Genetische Beratung:

Die Mukoviszidose wird autosomal-rezessiv vererbt; das Erkrankungsrisiko in Deutschland beträgt etwa 1:2500–1:4000. Die CFTR-Trägerfrequenz liegt bei 1:25–1:30. Bei CBAVD des Mannes ist das Risiko für eine Mukoviszidose des Kindes nach ICSI abhängig vom CFTR-Genotyp beider Partner. Ohne genetisches Screening der Partnerin wird bei nachgewiesener relevanter CFTR-Variante des Mannes häufig ein Risiko in der Größenordnung von etwa 1:100 abgeschätzt.






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Literatur

Lewis-Jones, D. I.; Gazvani, M. R. & Mountford, R. Cystic fibrosis in infertility: screening before assisted reproduction: opinion.
Hum Reprod, 2000, 15, 2415-2417.

Tüttelmann, F.; Gromoll, J. & Kliesch, S. [Genetics of male infertility].
Urologe A, 2008, 47, 1561-2, 1564-7


  English Version: Congenital bilateral aplasia of the vas deferens (CBAVD)

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