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Botulinumtoxin A: Mechanismus, Nebenwirkungen, Kontraindikationen und Dosierung
Wirkmechanismus von Botulinumtoxin A
Botulinumtoxin inhibiert die Exozytose von Acetylcholin und weiteren Neurotransmittern aus cholinergen Nervenendigungen (u.a. an der motorischen Endplatte, an postganglionären parasympathischen Nervenendigungen in der glatten Muskulatur, an Drüsen sowie an afferenten Nervenfasern). Botulinumtoxin führt zu einer proteolytischen Spaltung von Proteinen (SNARE Komplex, SNAP-25), die an der Exozytose von Neurotransmittern beteiligt sind. Dadurch wird die Erregungsübertragung von Nerven auf die Zielzellen langanhaltend gehemmt. Für Botulinumtoxin A (OnabotulinumtoxinA) existiert die meiste klinische Erfahrung in der Urologie (Karsenty u.a., 2008).
Urologische Indikationen für Botulinumtoxin A:
Botulinumtoxin A ist indiziert bei unzureichendem Erfolg oder Unverträglichkeit der konservativen und medikamentösen Therapie bei neurogener Detrusorüberaktivität der Harnblase und bei überaktiver Harnblase (Cruz u.a., 2011). Eine Anwendung bei Detrusor-Sphinkter-Dyssynergie kann in ausgewählten neurogenen Fällen als Alternative zur Sphinkterotomie erwogen werden (häufig Off-Label).
Pharmakokinetik von Botulinumtoxin A
Botulinumtoxin A wird direkt in den Zielmuskel (M. detrusor vesicae oder Harnblasensphinkter) injiziert. Der klinische Therapieeffekt setzt typischerweise innerhalb von 3–14 Tagen ein und erreicht sein Maximum nach etwa 2–6 Wochen. Die Wirkdauer beträgt im Mittel etwa 6–9 Monate und ist individuell variabel.
Nebenwirkungen von Botulinumtoxin A
- Überempfindlichkeitsreaktionen (z.B. Exanthem, Urtikaria; selten Anaphylaxie).
- Mögliche systemische Toxinwirkung (sehr selten): Dysphagie, Dysarthrie, Ptosis, Diplopie, generalisierte Muskelschwäche oder Atembeschwerden.
- Urologische Nebenwirkungen bei Injektion in den Detrusormuskel: Harnwegsinfektion, Dysurie, Makrohämaturie, erhöhter Restharn, sowie Harnverhalt. Bei neurogener Detrusorüberaktivität ist zudem eine autonome Dysreflexie möglich.
Wechselwirkungen:
Die Gabe von Botulinumtoxin A kann theoretisch eine Muskelschwäche durch Aminoglykoside oder andere Medikamente, welche die neuromuskuläre Reizleitung hemmen, verstärken.
Kontraindikationen der intravesikalen Anwendung von Botulinumtoxin A
- Untherapierte Harnwegsinfektion
- Harnverhalt oder Restharn >200 ml bei Patienten, die keinen sauberen intermittierenden Selbstkatheterismus durchführen können oder wollen.
- Gerinnungsstörungen
- Bekannte Unverträglichkeit
- Vorsicht bei Myasthenia gravis oder Lambert-Eaton-Syndrom sowie bei anderen neuromuskulären Erkrankungen.
Dosierung von Botulinumtoxin A in der Urologie
Botox (Firma Allergan) mit dem Wirkstoff OnabotulinumtoxinA und Dysport (Firma Ipsen) mit dem Wirkstoff AbobotulinumtoxinA haben (unterschiedliche) urologische Zulassungen. Die Dosierungen zwischen beiden Präparaten sind unterschiedlich, eine Umrechnung ist nur bedingt möglich. Folgend werden die Dosierungen für OnabotulinumtoxinA (Botox) dargestellt (Mangera u.a., 2011):
Überaktive Harnblase mit selbstständiger Miktion:
Es werden 100 Einheiten OnabotulinumtoxinA (Botox) in den Detrusor verabreicht (Verdünnung 100 Einheiten auf 10 ml, 20 Injektionen mit 0,5 ml = 5 Einheiten). Die Injektionen werden gleichmäßig über die Detrusorwand verteilt, das Trigonum wird häufig geschont.
Detrusorüberaktivität ohne selbstständige Miktion:
Die Harnblasenkapazität kann bei Patienten mit Selbstkatheterismus mit der Injektion von 200 Einheiten OnabotulinumtoxinA (Botox) in den Detrusormuskel gesteigert werden (Verdünnung 200 Einheiten auf 30 ml, 30 Injektionen mit 1 ml ≈ 6,7 Einheiten). Bei unzureichendem Therapieansprechen kann die Dosis auf 300 Einheiten gesteigert werden.
Detrusor-Sphinkter-Dyssynergie:
Schwächung des überaktiven externen Sphinkters durch transurethrale Injektion von 100 Einheiten OnabotulinumtoxinA (Botox) in die Sphinkterregion; die Anwendung ist häufig Off-Label.
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Literatur
Cruz, F.; Herschorn, S.; Aliotta, P.; Brin, M.;
Thompson, C.; Lam, W.; Daniell, G.; Heesakkers, J. & Haag-Molkenteller, C.
Efficacy
and safety of onabotulinumtoxinA in patients with urinary incontinence due
to neurogenic detrusor overactivity: a randomised, double-blind,
placebo-controlled trial.
Eur Urol, 2011, 60,
742-750
Karsenty, G.; Denys, P.; Amarenco, G.; Seze, M. D.;
Gamé, X.; Haab, F.; Kerdraon, J.; Perrouin-Verbe, B.; Ruffion, A.;
Saussine, C.; Soler, J.; Schurch, B. & Chartier-Kastler, E.
Botulinum
toxin A (Botox) intradetrusor injections in adults with neurogenic
detrusor overactivity/neurogenic overactive bladder: a systematic
literature review.
Eur Urol, 2008, 53, 275-287.
Mangera, A.; Andersson, K.; Apostolidis, A.; Chapple,
C.; Dasgupta, P.; Giannantoni, A.; Gravas, S. & Madersbacher, S.
Contemporary
management of lower urinary tract disease with botulinum toxin A: a
systematic review of botox (onabotulinumtoxinA) and dysport
(abobotulinumtoxinA).
Eur Urol, 2011, 60, 784-795.
English Version: Side effects, contraindications and dosage of botulinum toxin A in urology
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