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Penicillin-Antibiotika: Wirkmechanismus, Nebenwirkungen und Dosierung
Penicillin ist das natürlich vorkommende β-Lactam-Antibiotikum, welches von Schimmelpilzen gebildet wird und von Alexander Fleming (Nobelpreis 1945) entdeckt wurde.
- Penicillin G: natürlich vorkommendes Penicillin (Benzylpenicillin), nur für die parenterale Anwendung geeignet.
- Penicillin V: das partialsynthetisch hergestellte Penicillin (Phenoxymethylpenicillin) ist säurestabil und damit für die orale Gabe geeignet.
- Benzathin-Penicillin G: das Salz des Penicillin G mit Benzathin ist schwer wasserlöslich und wird intramuskulär als Depotpenicillin verwendet.
Wirkmechanismus von Penicillin:
Penicilline hemmen die Peptidoglykansynthese der Bakterienwand: sie binden an sogenannte Penicillin-bindende Proteine (Peptidoglykansynthetasen) und hemmen dadurch die Polymerisation des Peptidoglykans und kovalente Quervernetzung der Bakterienwand.
Wirkspektrum:
Bakterizide Wirkung auf Streptokokken, Meningokokken, Pneumokokken, Diphtheriebakterien und Treponema pallidum. Zunehmende Resistenzen sind bei Gonokokken zu beobachten.
Urologische Indikationen für Penicillin:
Therapie der Syphilis mit Benzathin-Penicillin G, Therapie der Neurosyphilis mit hochdosiertem Penicillin G i.v.
Pharmakokinetik von Penicillin:
- Penicillin G ist für intravenöse und intramuskuläre Anwendungen geeignet. Die Halbwertszeit von Penicillin G beträgt 30–60 min, 90% renale Ausscheidung.
- Die Applikation des Depotpräparat Benzathin-Penicillin darf nur intramuskulär erfolgen, nach 24 Stunden werden die maximalen Serumkonzentrationen gemessen. Das Depot-Penicillin wird langsam resorbiert und sorgt für eine effektiven Serumspiegel über etwa sieben Tage bei empfindlichen Bakterien.
Nebenwirkungen von Penicillin:
- Allergie (0,5–2%), insbesondere bei wiederholter Anwendung. Sehr selten schwere kutane Hautreaktionen.
- Bei sehr hoher Dosierung: neurotoxische Reaktionen mit Epilepsie, Hemmung der Thrombozyten, hämolytische Anämie und Neutropenie möglich
- gastrointestinale NW, pseudomembranöse Enterokolitis
- Jarisch-Herxheimer-Reaktion bei der Behandlung der Syphilis: Fieber, Muskelschmerzen, und Kopfschmerzen durch plötzlichen Erregerzerfall unter antibiotischer Therapie.
Wechselwirkungen:
Probenicid hemmt die renale tubuläre Ausscheidung von Penicillin und erhöht die Serumkonzentration.
Kontraindikationen:
Penicillinallergie. Unverträglichkeit gegen Lidocain bei Benzathin-Penicillin.
Dosierung von Penicillin:
Eine Million internationale Einheiten (IU) entsprechen 600 mg Penicillin.
- Milde Infektionen mit Streptokokken: 1 Mio IU p.o. oder i.v. alle 6 h, bei Kindern die Hälfte.
- Frühsyphilis: Benzathin-Penicillin G 2,4 Million IU i.m. einmalig, meist werden zwei gluteale Injektionen links und rechts mit jeweils 1,2 Mio IU verabreicht.
- Spätsyphilis: 3× Benzathin-Penicillin G 2,4 Million IU i.m. an den Tagen 1,8 und 15.
- Neurosyphilis: Penicillin G 3–4 Mio IU i.v. alle 4 Stunden über 14 Tage, Dosisreduktion und Intervallverlängerung bei Niereninsuffizienz in Abhängigkeit der GFR.
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Literatur
H. R. Brodt, A. Hörauf, M. Kresken, W. Solbach, and T. Welte, Infektionstherapie: Antibiotika, Virostatika, Antimykotika, Antiparasitäre Wirkstoffe. Thieme, 2023.
English Version: Pharmacology, side effects, and dosage of Penicillin
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