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Syphilis (Lues): Diagnose und Therapie
- Syphilis: Ursachen und Folgen
- Syphilis: Diagnose und Therapie
Diagnostik der Syphilis
Mikroskopischer Erregernachweis:
Aus Läsionen der Primär- oder Sekundärsyphilis kann der direkte Spirochätennachweis mittels Dunkelfeldmikroskopie oder Immunhistochemie gelingen. Falsch-positive Befunde sind durch apathogene Spirochäten möglich. Sensitivität und Spezifität hängen stark von Probenqualität und Erfahrung ab.
NAAT-Abstrich:
Der Nachweis von Treponema pallidum-DNA aus Läsionsabstrichen ist eine Option bei Frühsyphilis, ersetzt aber die Serologie nicht.
Serologische Labortests:
Die Syphilis-Serologie unterscheidet treponemale und nicht treponemale Tests. Treponemale Tests wie TPHA, TPPA, EIA, CIA oder FTA-Abs weisen spezifische Antikörper gegen Treponema pallidum nach; sie dienen als Such- oder Bestätigungstests und bleiben nach durchgemachter Infektion häufig lebenslang positiv. IgM-Immunoassays können ergänzend Hinweise auf eine frische oder aktive Infektion geben. Nicht treponemale Tests wie VDRL/RPR erfassen Anti-Cardiolipin-Antikörper, korrelieren besser mit der Krankheitsaktivität und dienen der semiquantitativen Verlaufs- und Therapiekontrolle.
Bei Verdacht auf Syphilis wird zunächst ein treponemaler Suchtest durchgeführt; bei positivem Ergebnis folgen ein treponemaler Bestätigungstest mit anderem Testprinzip und ein nicht treponemaler Aktivitätstest. Eine frühe Primärsyphilis kann in den ersten 2–4 Wochen serologisch noch negativ sein.
TPHA oder TPPA:
Treponema-pallidum-Hämagglutinationstest oder Partikelagglutinationstest. Patientenserum wird mit an Erythrozyten oder Partikel gebundenen Treponemen-Antigenen inkubiert; die Agglutination wird semiquantitativ in Verdünnungsstufen als Titer erfasst.
Immunoassays:
Rekombinante Treponemen-Antigene werden mit Patientenserum inkubiert; gebundene IgG- und IgM-Antikörper werden qualitativ oder quantitativ erfasst. Je nach Testverfahren werden IgM und IgG gemeinsam oder getrennt bestimmt. Immunoassays sind automatisierbar und eignen sich für das Screening.
FTA-Abs:
Der Fluorescent-Treponemal-Antibody-Absorption-Test ist ein spezifischer treponemaler Bestätigungstest: Auf Objektträgern fixierte Treponemen werden mit Patientenserum inkubiert; gebundene Antikörper werden mit fluoreszierendem Antihumanglobulinserum detektiert.
VDRL oder RPR:
Der Venereal-Disease-Research-Laboratory-Test und der Rapid-Plasma-Reagin-Test sind nicht treponemale Tests und messen die Krankheitsaktivität über Anti-Cardiolipin-Antikörper. Falsch-positive Befunde sind u. a. bei Autoimmunerkrankungen, Schwangerschaft, Lepra und anderen Infektionen möglich.
Syphilis-Schnelltests:
Moderne Point-of-Care-Tests können treponemale und nicht treponemale Antikörper kombiniert erfassen und ermöglichen eine rasche Orientierung, sie ersetzen jedoch nicht die normale Labordiagnostik.
Weitere Diagnostik:
Ein HIV-Test sowie Untersuchungen auf weitere sexuell übertragbare Infektionen, insbesondere Gonorrhö, Chlamydieninfektion und Hepatitis B/C, sind sinnvoll. Eine Partneranamnese und Untersuchung aller relevanter Sexualpartner sind notwendig.
Meldepflicht:
Nach dem Infektionsschutzgesetz (IfSG) ist der direkte oder indirekte Nachweis von Treponema pallidum nicht namentlich meldepflichtig, soweit er auf eine akute Infektion hinweist.
Therapie der Syphilis (Lues)
Die Behandlungsempfehlungen differenzieren zwischen einer Frühsyphilis (Primäre Syphilis, sekundäre Syphilis und frühe latente Syphilis) und einer Spätsyphilis (späte latente Syphilis und tertiäre Syphilis).
Behandlung der Frühsyphilis:
Benzathin-Penicillin G 2,4 Million IU i.m. einmalig, meist werden zwei gluteale Injektionen links und rechts mit jeweils 1,2 Mio IU verabreicht.
Alternative Therapie bei Allergie oder Gerinnungsstörungen: Ceftriaxon 1–2 g i.m. oder i.v. über 10 Tage oder Doxycyclin 100 mg p.o. 1–0–1 über 14 Tage.
Behandlung der Spätsyphilis:
Benzathine Penicillin G 2,4 Million IU i.m. am Tag 1, 8 und 15. Die Tagesdosis wird auf zwei gluteale Injektionen links und rechts mit jeweils 1,2 Mio IU verteilt.
Alternative Therapie bei Allergie oder Gerinnungsstörungen: Ceftriaxon 1–2 g i.m. oder i.v. über 14 Tage oder Doxycyclin 100 mg p.o. 1–0–1 über 28 Tage.
Therapie der Neurosyphilis:
Die Neurosyphilis wird mit Penicillin G 3–4 Mio IU i.v. alle 4 h über 14 Tage behandelt. Alternative Therapie bei Allergien: Ceftriaxon 2 g i.v. über 14 d oder Doxycyclin 100 mg p.o. 1–0–1 über 28 Tage.
Behandlung der Lues connata:
Die vertikale Transmission zwischen Mutter und Kind kann zuverlässig verhindert werden, wenn die rechtzeitige Diagnose eine Therapie vor der 16. Schwangerschaftswoche ermöglicht. Die Schwangere sollte mit Benzathine Penicillin G behandelt werden, siehe o.g. Empfehlungen für die Behandlung der Früh- oder Spätsyphilis. Neugeborene mit konnataler Syphilis werden Penicillin G i.v. behandelt.
Jarisch-Herxheimer-Reaktion:
Endotoxinschock durch plötzlichen Erregerzerfall nach antibiotischer Therapie. Symptome: Fieber, Muskelschmerzen, Kopfschmerzen. Die Jarisch-Herxheimer-Reaktion tritt am häufigsten bei Patienten mit sekundärer Syphilis auf. Zur Prophylaxe (1 h vor Antibiotikagabe) oder symptomatischen Therapie wird 1 mg/kgKG Prednisolon p.o. verordnet.
Prophylaxe der Syphilis:
Benutzung von Kondomen, sexuelle Enthaltsamkeit oder Vermeidung von riskanten Sexualpartnern, Post-Expositionsprophylaxe mit Doxycyclin bei Risikogruppen: Einmalgabe von 200 mg Doxycyclin innerhalb von drei Tagen nach ungeschütztem GV reduziert das Risiko für eine Chlamydieninfektion (um 70–80%), Syphilis (um 70–80%) und Gonorrhoe (um 50%) (Luetkemeyer et al., NEJM 2023).
Prognose
Bei frühzeitiger Diagnose und stadiengerechter Therapie ist die Syphilis heilbar. Bei Spätsyphilis kann die Infektion durch adäquate Antibiotikatherapie eradiziert und eine weitere Progression verhindert werden; bereits eingetretene Organschäden sind jedoch häufig irreversibel.
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Literatur
Deutsche STI-Gesellschaft (DSTIG): Diagnostik und Therapie der Syphilis. 2021. https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/059-002
Centers for Disease Control and Prevention: “Sexually Transmitted Infections (STI) Treatment Guidelines,” 2021. [Online]. Available: https://www.cdc.gov/std/treatment-guidelines/STI-Guidelines-2021.pdf
IUSTI, European guidelines on the management of syphilis. https://iusti.org/wp-content/uploads/2020/11/2020-Syphilis-guideline.pdf
Luetkemeyer AF, Donnell D, Dombrowski JC, Cohen S, Grabow C, Brown CE, Malinski C, Perkins R, Nasser M, Lopez C, Vittinghoff E, Buchbinder SP, Scott H, Charlebois ED, Havlir DV, Soge OO, Celum C; DoxyPEP Study Team. Postexposure Doxycycline to Prevent Bacterial Sexually Transmitted Infections. N Engl J Med. 2023 Apr 6;388(14):1296-1306. doi: 10.1056/NEJMoa2211934.
Robert-Koch-Institut: RKI-Ratgeber Syphilis. https://www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Merkblaetter/Ratgeber_Syphilis.html
English Version: Treatment of Syphilis
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