Dr. med. Dirk Manski

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Syphilis (Lues) (1/2)


Zusammenfassende Literatur Syphilis (Lues): (Golden u.a., 2003) (Parkes u.a., 2004) (Schneede u.a., 2003) (Zeltser und Kurban, 2004).

Definition der Syphilis (Lues)

Die Syphilis ist eine chronische, in Stadien verlaufende, meldepflichtige Geschlechtskrankheit ausgelöst durch Treponema pallidum. Als Frühsyphilis werden die Krankheitsphasen der ersten zwei Jahre zusammengefasst, i.d.R. Primäraffekt, sekundäre Syphilis und Frühlatenz. Als Spätsyphilis werden die Krankheitsphasen zwei Jahre nach Erstinfektion zusammengefasst, also Spätlatenz und folgende Krankheitsphasen (siehe Klinik).

Epidemiologie der Syphilis (Lues)

Bis zum Jahre 2000 zeigte sich eine sinkende Häufigkeit, die Inzidenz war in den letzten Jahrzehnten von 20/100 000 auf 3/100 000 für die primäre und sekundäre Syphilis gefallen. Im letzten Jahrzehnt stieg die Inzidenz auf bis zu 5,5/100 000 (aktuelle Zahlen von 2013). Risikogruppen für Syphilis sind junge sexuell aktive Männer mit häufigem Partnerwechsel, fehlende Zirkumzision, fehlender Gebrauch von Kondomen, Homosexuelle, Prostitution und niedriger sozialer Status. Die aktuelle Zunahme der Syphilishäufigkeit betrifft vor allem junge Männer (Inzidenz 19/100 000 in der Altergruppe von 30–39 Jahren), während bei gleichaltrigen Frauen die Inzidenz zwischen 1–2/100 000 liegt. Knapp 80% aller in Deutschland gemeldeten Syphilis-Fälle werden über sexuelle Kontakte zwischen Männern übertragen (RKI, Epidemiologisches Bulletin 44/2013).

Ätiologie der Syphilis (Lues)

Erreger der Lues (Syphilis):

Treponema pallidum, Spirochät, bisher kulturell nicht anzüchtbar.

Morphologie:

15 μm langes spiralförmiges Bakterium, sichtbar in der Dunkelfeldmikroskopie [Abb. Treponema pallidum] . Beweglich durch Schraubenbewegungen.


Treponema pallidum in der Dunkelfeldmikroskopie (links) und Elektronenmikroskopie (rechts). Abbildungen von W. F. Schwartz (links) und Dr. D. Cox, Public Health Image Library, Center for Disease Control and Prevention, USA, www.cdc.gov/
treponema pallidum (Syphiliserreger) in Dunkelfeldmikroskopie und Elektronenmikroskopie

Übertragung der Syphilis (Lues):

Die Syphilis wird durch direkten Schleimhautkontakt übertragen. Bei einem Geschlechtsverkehr mit einem infiziertem Partner beträgt das Risiko der Übertragung 30%. Auch durch weniger intensive Kontakte ist eine Übertragung möglich. Seltene Übertragungswege: im Mutterleib oder perinatal, durch Bluttransfusion.

Pathologie der Syphilis

Der Befall von Endothelzellen führt zu Endarteriitis obliterans und Periarteriitis mit plasmazellulärer Infiltration. Durch zelluläre Immunmechanismen entstehen im weiteren Krankheitsverlauf Granulome.

Klinik der Syphilis (Lues)

Primäre Syphilis (Primäraffekt, Lues I)

Der Primäraffekt entsteht an der Eintrittsstelle (genital oder oral) mit einer Inkubationszeit von 10–90 Tagen:

Ulcus durum (harter Schanker):

aus einer Papel entsteht ein singuläres Ulkus (Harter Schanker), oberflächlich bis tief, 5–15 mm, rund bis oval, scharf demarkiert, fest induriert, nicht schmerzhaft [Abb. Ulcus durum]. Häufig besteht eine indolente inguinale Lymphadenopathie.

Primäraffekt (Ulkus durum, harter Schanker) im Stadium I der Syphilis: festes schmerzloses Genitalulkus. Abbildung von Dr. Gavin Hart und Dr. N. J. Fiumara. Public Health Image Library, Center for Disease Control and Prevention, USA, www.cdc.gov.
 Primäraffekt Ulkus durum Stadium I Syphilis Lues

Sekundäre Syphilis (Lues II)

Die sekundäre Syphilis entsteht nach 6 Wochen bis mehreren Monaten nach untherapierter Primärsyphilis:

Allgemeinsymptome:

Fieber, Arthralgien

Exantheme (Syphilide):

makulo-, papulo-, pustulo- oder squamöse Formen des Exanthems. Viele Krankheitsbilder der Dermatologie können imitiert werden.

Condyloma lata:

schmerzlose, warzenartige nässende Erosionen im Genital- und Perianalbereich [Abb. Condylomata lata].

Multiple Condylomata lata im Stadium II der Syphilis: schmerzlose, warzenartige nässende Erosionen im Genital- und Perianalbereich. Abbildung von Brian Hill, Neuseeland. Public Health Image Library, Center for Disease Control and Prevention, USA, www.cdc.gov.
Multiple Condylomata lata im Stadium II der Syphilis Lues Geschlechtskrankheit STD

Latente Syphilis

Die latente Syphilis ist definiert durch einen serologischen Anhalt für eine Syphilis ohne klinische Zeichen der Infektion. Wenn die Erstinfektion innerhalb der letzten zwei Jahre vermutet wird, so wird von einer früh latenten Syphilis gesprochen. Liegt die Erstinfekton mehr als zwei Jahre zurück, wird eine spät latente Syphilis diagnostiziert.

Tertiäre Syphilis (Lues III)

Die tertiäre Syphilis entsteht nach Frühlatenz (0–2 Jahre) oder Spätlatenz (2–10 Jahre) mit Manifestation an verschiedenen Organsystemen:

Haut:
Syphilide der Haut (braunrote Knoten)
Aortenaneurysma:
entsteht durch die Endarteriitis der Vasa vasorum.

Neurosyphilis:

Asymptomatische oder symptomatische Meningitis, Halbseitenlähmung, Epilepsie, progressive Paralyse (Hirnatrophie, Demenz, Psychosen), Tabes dorsalis (Gangataxie, Harnblasenstörungen). Die Neurosyphilis wird von manchen Autoren als eigenes Stadium (Lues IV) klassifiziert.

Gumma:

Granulome in Knochen, Haut und Schleimhäuten. Kutane Gumma können ulzerieren.

Augen:
Uveitis, Neuroretinitis und Neuritis des N. opticus.

Lues connata

Abhängig von Stadium der Syphilis der Schwangeren oder dem Zeitpunkt der (Neu-)Infektion besteht ein Risiko der Infektion des Fetus mit Lues connata. Die Infektion des Fetus ist am dem 3. bis 4. Schwangerschaftsmonat möglich. In der Folge der Infektion besteht das Risiko einer Totgeburt, eines Aborts oder die Geburt des Kindes mit Lues connata. Die Wahrscheinlichkeit einer „vertikalen Transmission“ beträgt 80–90% bei der primären Syphilis, 40% in der Frühlatenz und 10% in der Spätlatenz.

Klinik der Lues connata

Im Säuglingsalter manifestiert sich die Lues connata präcox mit Rhinitis syphilitica, interstitieller Hepatitis und der Parrot’schen Pseudoparalyse (Epiphysenlösung der Ulna). Weiterhin entstehen Häutläsionen 2–6 Wochen nach der Geburt: typisch sind periorale Infiltrate mit narbiger Abheilung (Parrot’sche Furchen).

Im Kindesalter manifestiert sich die Lues connata tarda mit einer Sattelnase, Parrot’schen Furchen und selten mit der Hutchinson’schen Trias (Keratitis parenchymatosa, Innenohrschwerhörigkeit, tonnenförmige Veränderungen der Schneidezähne).




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Literatur Syphilis (Lues)

Center for Disease Control and Prevention.:
Sexually transmitted diseases treatment guidelines 2006.
in: MMWR
2006; 55 (No. RR-11): 1–93.

Golden u.a. 2003 GOLDEN, M. R. ; MARRA, C. M. ; HOLMES, K. K.:
Update on syphilis: resurgence of an old problem.
In: Jama
290 (2003), Nr. 11, S. 1510–4

Parkes u.a. 2004 PARKES, R. ; RENTON, A. ; MEHEUS, A. ; LAUKAMM-JOSTEN, U.:
Review of current evidence and comparison of guidelines for effective syphilis treatment in Europe.
In: Int J STD AIDS
15 (2004), Nr. 2, S. 73–88

Schneede u.a. 2003 SCHNEEDE, P. ; TENKE, P. ; HOFSTETTER, A. G.:
Sexually transmitted diseases (STDs)-a synoptic overview for urologists.
In: Eur Urol
44 (2003), Nr. 1, S. 1–7

Zeltser und Kurban 2004 ZELTSER, R. ; KURBAN, A. K.:
Syphilis.
In: Clin Dermatol
22 (2004), Nr. 6, S. 461–8





 



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