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Syphilis (Lues): Epidemiologie, Ätiologie und Symptome
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- Syphilis: Diagnose und Therapie
Definition
Die Syphilis ist eine chronische, stadienhaft verlaufende, meldepflichtige sexuell übertragbare Infektion durch Treponema pallidum. Als Frühsyphilis werden die Krankheitsphasen des ersten Jahres zusammengefasst, meist Primärsyphilis, Sekundärsyphilis und frühe latente Syphilis. Als Spätsyphilis werden die Krankheitsphasen nach einem Jahr zusammengefasst, meist Spätlatenz und tertiäre Manifestationen (siehe Klinik) (RKI, 2010) (CDC, 2015).
Epidemiologie
Deutschland:
Bis zum Jahre 2000 zeigte sich eine sinkende Häufigkeit, die Inzidenz war in den letzten Jahrzehnten von 20/100 000 auf 3/100 000 für die primäre und sekundäre Syphilis gefallen. Seit 2000 steigt die Häufigkeit wieder, die Inzidenz betrug 2024 11/100 000. Betroffen sind überwiegend Männer (Inzidenz 43/100 000 in der Altergruppe von 30–39 Jahren), insbesondere Männer, die Sex mit Männern haben (MSM), sowie Personen mit häufig wechselnden Sexualpartnern, kondomlosem Sex, Sexarbeit, HIV-Infektion oder anderen STI (RKI, Epidemiologisches Bulletin 39/2025).
Außerhalb Deutschlands:
Die Syphilis-Epidemiologie ist regional sehr heterogen. Hohe Krankheitslasten bestehen vor allem in Regionen mit eingeschränkter medizinischer Versorgung. Die Rate der kongenitalen Syphilis kann in diesen Regionen bis zu etwa 1:100 Lebendgeburten betragen.
Ätiologie der Syphilis (Lues)
Erreger der Lues (Syphilis):
Treponema pallidum ist eine bewegliche Spirochäte und bisher nicht routinemäßig kulturell anzüchtbar.
Morphologie:
6–20 μm langes spiralförmiges Bakterium, in der Dunkelfeldmikroskopie sichtbar [Abb. Treponema pallidum] . Beweglich durch Schraubenbewegungen.
Übertragung der Syphilis (Lues):
Durch direkten Schleimhautkontakt mit infektiösen Läsionen. Bei sexuellem Kontakt mit einer infektiösen Person beträgt das Übertragungsrisiko etwa 30\,\%. Auch durch weniger intensive Kontakte ist eine Übertragung möglich. Weitere Übertragungswege sind die diaplazentare oder perinatale Transmission von der Mutter auf das Kind sowie sehr selten Bluttransfusion.
Pathologie der Syphilis
Der Befall von Endothelzellen führt zu Endarteriitis obliterans und Periarteriitis mit plasmazellulärer Infiltration. Im weiteren Verlauf können granulomatöse Entzündungsreaktionen entstehen.
Klinik der Syphilis (Lues)
Primäre Syphilis (Lues I)
Der Primäraffekt entsteht an der Eintrittsstelle nach einer Inkubationszeit von 10--90 Tagen, meist genital, anal, rektal oder oral.
Ulcus durum (harter Schanker):
Das Ulcus durum ist der typische Primäraffekt der Syphilis an der Eintrittsstelle von Treponema pallidum. Aus einer Papel entsteht meist ein singuläres, schmerzloses Ulkus mit fester Induration, scharfer Begrenzung und einem Durchmesser von etwa 5--15~mm [Abb. Ulcus durum]. Häufig besteht eine indolente regionale Lymphadenopathie.
Sekundäre Syphilis (Lues II)
Die sekundäre Syphilis entsteht typischerweise Wochen bis wenige Monate nach unbehandelter Primärsyphilis.
Allgemeinsymptome:
Fieber, Arthralgien, Myalgien, Lymphadenopathie, Abgeschlagenheit und Gewichtsverlust.
Exantheme (Syphilide):
Makulo-, papulo-, pustulo- oder squamöse Exanthems können zahlreiche dermatologische Krankheitsbilder imitieren. Palmoplantare Läsionen sind diagnostisch besonders hinweisend.
Condyloma lata:
Schmerzlose, warzenartige, nässende Läsionen im Genital- und Perianalbereich [Abb. Condylomata lata].
Disseminierte Frühmanifestationen:
Selten können bei Frühsyphilis eine ZNS"=, Augen"= oder Ohrbeteiligung auftreten, z.\,B. als syphilitische Meningitis, Hirnnervenbeteiligung, Uveitis, Optikusneuritis, Hörminderung, Tinnitus oder Schwindel.
Latente Syphilis
Die latente Syphilis ist definiert durch einen serologischen Anhalt für eine Syphilis ohne klinische Zeichen der Infektion. Wenn die Erstinfektion innerhalb der letzten zwei Jahre vermutet wird, so wird von einer früh latenten Syphilis gesprochen. Liegt die Erstinfekton mehr als zwei Jahre zurück, wird eine spät latente Syphilis diagnostiziert.
Tertiäre Syphilis (Lues III)
Die tertiäre Syphilis entsteht nach unbehandelter latenter Syphilis und kann verschiedene Organsysteme betreffen.
Gumma:
Granulome in Knochen, Haut, Schleimhäuten und inneren Organen. Kutane Gumma können ulzerieren.
Aortenaneurysma:
Entsteht durch die Endarteriitis der Vasa vasorum.
Neurosyphilis:
Meningitis, Hirnnervenbeteiligung und meningovaskuläre Verläufe mit Schlaganfall können frühe Manifestationen sein. Spätmanifestationen sind progressive Paralyse (Hirnatrophie, Demenz, Psychosen), Tabes dorsalis (Gangataxie, sensible Ataxie, Harnblasenstörungen) und seltener gummatöse ZNS"=Läsionen. Die Neurosyphilis wird von manchen Autoren als eigenes Stadium (Lues IV) klassifiziert.
Lues connata
Eine maternale Syphilis erhöht das Risiko für Abort, Totgeburt, Frühgeburt und kongenitale Syphilis. Das Transmissionsrisiko ist bei unbehandelter Frühsyphilis am höchsten und nimmt in späteren Stadien ab. Im Säuglingsalter manifestiert sich die Lues connata präcox mit Gedeihstörung, Rhinitis syphilitica (blutiger Schnupfen), Hepatosplenomegalie, Lymphadenopathie, Knochenveränderungen und makulopapulösen Hautläsionen. Neugeborene können jedoch auch asymptomatisch sein und erst durch Screening auffallen.
Klinik der Lues connata
Im Säuglingsalter manifestiert sich die Lues connata präcox mit Gedeihstörungen, blutigem Schnupfen (Rhinitis syphilitica), Hepatosplenomegalie und Hautläsionen (makulopapulöses Exanthem). Die Kinder können aber auch symptomfrei sein und nur durch Screening erkannt werden.
Bei späterer Diagnose manifestiert sich die Lues connata tarda mit Sattelnase, Parrot"=Furchen (periorale Narbenfurchen) und selten mit der Hutchinson’schen Trias aus Keratitis, Innenohrschwerhörigkeit und tonnenförmigen Schneidezähnen.
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Literatur
Deutsche STI-Gesellschaft (DSTIG): Diagnostik und Therapie der Syphilis. 2021. https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/059-002
Centers for Disease Control and Prevention: “Sexually Transmitted Infections (STI) Treatment Guidelines,” 2021. [Online]. Available: https://www.cdc.gov/std/treatment-guidelines/STI-Guidelines-2021.pdf
IUSTI, European guidelines on the management of syphilis. https://iusti.org/wp-content/uploads/2020/11/2020-Syphilis-guideline.pdf
Robert-Koch-Institut (2010): RKI-Ratgeber Syphilis. https://www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Merkblaetter/Ratgeber_Syphilis.html
English Version: Syphilis
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