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Grundlagen für Klinik und Praxis
Von Dirk Manski

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Diagnose der Stressinkontinenz

Symptome und Klassifikation der Stressinkontinenz nach Schweregrad

Der Schweregrad der Belastungsinkontinenz wird nach Stamey eingeteilt:


Weitere Symptome: Beckenbodeninsuffizienz mit Organprolaps, Urgesymptomatik, Restharnbildung und rezidivierende Harnwegsinfektionen.

Diagnose der Belastungsinkontinenz

Anamnese:

Erfragt werden Miktionsbeschwerden, Ausmaß der Inkontinenz (Anzahl der Vorlagen), Leidensdruck, Voroperationen, Anzahl der vaginalen Entbindungen, Medikamente (Alphablocker, Clonidin), neurologische und urologische Erkrankungen. Weiterhin sollten Beschwerden durch Beckenorganprolaps, der Defäkation und des Sexuallebens erfasst werden.

Urin:

Urinsediment, Teststreifenanalyse und Urinkultur bei Infektverdacht.

Quantifizierung der Belastungsinkontinenz:

Erhebung der Trinkmengen, Miktionsvolumina und Inkontinenzepisoden durch ein Miktionstagebuch. Ausreichend ist meist ein Zeitraum über 24–48 h. Bei kooperativen Patientinnen mit einer Digitalwaage zuhause kann der Schweregrad der Inkontinenz durch Auswiegen der Inkontinenzvorlagen erhoben werden.

Vorlagen- oder Pad-Test:

Alternative zum Auswiegen der Vorlagen im Rahmen des Miktionsprotokolls: eine gewogene Vorlage wird in die Unterwäsche eingelegt, die Patientin sollte vor dem Test reichlich getrunken haben. Die Vorlage wird eine Stunde getragen, weiterhin werden definierte Provokationsübungen (Treppensteigen, Hüpfen, Husten....) durchgeführt. Danach wird die Vorlage erneut gewogen. Ein Urinverlust von über 25 g gilt als schwere Harninkontinenz.

Körperliche Untersuchung:

Neben einer orientierenden neurologischen Untersuchung werden eine vaginale und rektale Untersuchung in Steinschnittlage durchgeführt.

Wichtige pathologische Befunde sind Zysto- oder Rektozele, Beckenorganprolaps, verminderter Analsphinktertonus, fehlender Analreflex, fehlender Klitoris- oder Bulbokavernosusreflex sowie Nachweis der Inkontinenz unter Pressen, Husten oder beim Hackenaufpralltest.

Q-Tip-Test:

Bei gefüllter Harnblase wird ein angefeuchteter Q-Tip durch die Harnröhre bis zum Blasenhals geschoben. Unter Husten wird die Mobilität des Q-Tip beobachtet, eine Rotation über 30 Grad ist pathologisch und spricht für eine hypermobile Harnröhre.

Marshall-Bonney-Test:

Mit Zeige- u. Mittelfinger wird das Gewebe paraurethral angehoben und die Patientin hustet mit gefüllter Harnblase, der Test kann den Effekt einer Suspensionsplastik antizipieren.

Sonographie:

Zur Beurteilung von Restharn und der Harnblasenanatomie, u.a. Wanddicke oder Divertikel.

Introitussonographie:

Zusatzuntersuchung zur Darstellung von Blasenhalsmobilität, Harnröhrenmobilität, Öffnung des Blasenhalses und begleitendem Beckenorganprolaps. Sie wird in Ruhe mit gefüllter Harnblase und unter Pressen durch die Patientin durchgeführt. Bei unkomplizierter eindeutiger Belastungsinkontinenz nicht zwingend.

Miktionszysturethrogramm und Urodynamik:

Bei klinisch eindeutiger unkomplizierter Belastungsinkontinenz ohne weitere Symptome kann vor primärer Therapie auf eine Urodynamik und MCU verzichtet werden. Eine urodynamische Messung [siehe Urodynamik] mit MCU [MCU bei Belastungsharninkontinenz] sollte bei gemischter Harninkontinenz, verminderter Harnblasenkapazität, Harnblasenentleerungsstörungen, ausgeprägter Beckenbodeninsuffizienz, neurologischer Begleiterkrankung oder vor Rezidiveingriffen erfolgen.

Miktionszysturethrographie MCU Belastungsinkontinenz
Miktionszysturethrographie bei Belastungsharninkontinenz: nach Erreichen der funktionellen Harnblasenkapazität wurden Röntgenaufnahmen der Harnblase in seitlicher Projektion mit und ohne Valsalva-Manöver in Doppelbelichtungstechnik (zwei Aufnahmen auf demselben Röntgenfilm) durchgeführt. Neben einem leichten vertikalen Deszensus (x → y) zeigt sich eine Öffnung des Harnblasenhalses (weiße → schwarze Linie).

Vorrangige Aufgabe der Urodynamik ist weniger der Nachweis der Belastungsharninkontinenz, als der Ausschluss von komplizierenden Begleiterkrankungen, welche den operativen Erfolg gefährden. Der Nachweis einer Belastungsinkontinenz gelingt durch ein Harnröhrendruckprofil (Ruheprofil, passive und aktive Drucktransmission) und Valsalva-Leak-Point-Pressure (VLPP). Der direkte Nachweis des Urinverlustes gelingt mit liegendem Messkatheter manchmal nicht und ist auch nicht zwingend. Das Valsalva-Manöver kann auch ohne urethralen Messkatheter mit liegender rektaler Drucksonde durchgeführt werden.

Valsalva-Leak-Point-Pressure (VLPP): unter Messung der intraabdominellen und intravesikalen Drücke wird bei gefüllter Blase bis zum Harnverlust ein Valsalva-Manöver durchgeführt.

Zystoskopie:

Die Zystoskopie ist indiziert zur Differentialdiagnose von Inkontinenz, Pollakisurie oder Drangsymptomatik. Spezifische Zeichen einer Belastungsinkontinenz gibt es nicht.

Defäkographie oder dynamisches Beckenboden-MRT:

Demonstration einer Zystozele, Rektozele, Enterozele oder einen Deszensus unter Belastung. Als Bezugspunkt wird häufig die pubo-coccygeale Linie angegeben.






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Literatur Belastungsinkontinenz

Liedl u.a. 2005 LIEDL, B. ; SCHORSCH, I. ; STIEF, C.: [The development of concepts of female (in)continence. Pathophysiology, diagnostics and surgical therapy].
In: Urologe A
44 (2005), Nr. 7, S. W803–18; quiz W819–20

Viktrup u.a. 2004 VIKTRUP, L. ; SUMMERS, K. H. ; DENNETT, S. L.: Clinical practice guidelines for the initial management of urinary incontinence in women: a European-focused review.
In: BJU Int
94 Suppl 1 (2004), S. 14–22

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