Dr. med. Dirk Manski

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Indikation, Leben und Wechseln von suprapubischen Katheter

Zusammenfassende Literatur: (Sökeland et al., 2000).

Indikationen für einen suprapubischen Katheter


Anlage eines suprapubischen Dauerkatheters mit Hilfe eines Hohltrokars.
Abbildung Anlage eines suprapubischen Dauerkatheters mit Hilfe eines Hohltrokars

Siehe Tab. transurethraler vs. suprapubischer DK bezüglich der Vorteile und Nachteile von transurethraler oder suprapubischer Dauerkatheterisierung [Abb. Anlage eines suprapubischen Dauerkatheters].


Vergleichende Darstellung der Vorteile und Nachteile von transurethralen und suprapubischen Dauerkatheter.
transurethraler Dauerkatheter suprapubischer Dauerkatheter
Vor-
teile
  • einfache Einlage, delegierbar an Assistenzpersonal
  • kaum Kontraindikationen
  • dicklumige Katheter mit Möglichkeit der Harnblasenspülung verfügbar
  • Vermeidung von Harnröhren- komplikationen (Verletzung, Infektion, Striktur)
  • Reduktion von Infektionen, insbesondere von Prostata und Nebenhoden.
  • Miktionstraining mit Restharnkontrolle möglich
  • bessere Verträglichkeit
Nach-
teile
  • zahlreiche Komplikationen wie Harnröhrenverletzung, Harnröhrenstrikturen oder Infektionen
  • schlechtere Verträglichkeit
  • Miktionsversuch mit liegendem Katheter nicht möglich
  • Anlage nur als operativer Eingriff durch einen Arzt. Auch der Wechsel des suprapubischen Katheters wird häufig nicht durch das Assistenzpersonal durchgeführt.
  • zahlreiche Kontraindikationen
  • Harnblasenspülung nicht möglich
  • selten schwerwiegende Komplikationen möglich (Darmverletzung)


Längerfristige Dauerkatheterisierung:

Mittel der Wahl bei längerfristiger Dauerkatheterisierung (>1 Woche), insbesondere bei Männern.

Miktionstraining:

Ein suprapubischer Katheter ermöglicht längerfristige Prüfung des Restharns nach jeder Miktion.

Infektionen:

Ein suprapubischer Katheter sollte bei akuter Prostatitis oder Epididymitis mit Harnblasenentleerungsstörungen dem transurethralen Dauerkatheter vorgezogen werden.

Notfälle:

Erstversorgung der Harnröhrenverletzung bei fehlender Möglichkeit der transurethralen Katheterisierung.

Kontraindikationen für einen suprapubischen Katheter

Absolute Kontraindikationen:

Ungenügend gefüllte Harnblase (<200 ml), Harnblasentumoren, Unterbauchtumoren mit Verdrängung der Harnblase, Störungen der Blutgerinnung, Hauterkrankungen im Punktionsbereich.

Relative Kontraindikationen:

Voroperationen im Unterbauch, Ileus, Schwangerschaft, Adipositas per magna.



Kathetermaterialien von suprapubischen Katheter

Für eine kurze Dauer der Katheterisierung (perioperativ) werden oft 1-Wege-Katheter aus Polyurethran oder PVC verwendet, welche mit Hilfe einer Fadenfixierung an der Haut befestigt werden. Bei langfristiger Katheterisierung sollte spätestens nach dem ersten Katheterwechsel ein Silikon-Dauerkatheter mit Ballonblockade verwendet werden. Die Ballonblockade ermöglicht den Verzicht auf die Fadenfixierung an der Haut und senkt Infektionen der Einstichstelle. Es exisitieren spezielle Katheter mit kurzer Nelaton-Spitze und kleinem Ballon, um einen hohen Tragekomfort zu ermöglichen.

Technik der suprapubischen Katheterisierung

Rückenlagerung mit leichter Oberkörpertieflage, Rasur der Punktionsstelle. Füllung der Harnblase mit mindestens 200 ml NaCl (Einmalkatheter) und Sonographie des geplanten Punktionswegs (Darminterposition? Krankheiten der Harnblase?). Weiteres Arbeiten mit sterilen Handschuhen. Desinfektion des Unterbauchs und Abdecken mit einem Lochtuch. Lokalanästhesie mit z.B. 10 ml Lidocain, Punktionsstelle befindet sich median etwa 1–2 Querfinger über der Symphyse.

Probepunktion und Aspiration mit gleicher Nadel am Ende der Lokalanästhesie. Vorbereitung eines Hohltrokars (10–12 CH) mit passendem Katheter. Stichinzision der Haut und dem vorderen Blatt der Rektusscheide mit einem Skalpell. Senkrechte Punktion der Harnblase mit dem Hohltrokar, bis Urin im Katheter erscheint, dann Vorschieben des Katheters (und Blocken des Ballons). Zurückziehen des Trokars und Entfernung. Zurückziehen des suprapubischen DK bis zur Markierung am Kathetersystem oder bis der Ballon die Harnblasenwand erreicht. Ggf. Fadenfixierung eines einlumigen Katheters. Trockener Verband.

Komplikationen durch die suprapubische Punktion:

Blutungen perivesikal oder intravesikal, Fehlpunktion mit ggf. Verletzung von Nachbarorganen (Darmverletzung) oder von großen Gefäßen (Cave Cross-Over Bypass). Langfristig Infektion und Abszedierung ausgehend vom suprapubischen Punktionskanal (Ahluwalia u.a., 2006).

Nebenwirkungen und Komplikationen durch die Dauerkatheterisierung:

Katheterdislokation, Blockadeverhalt, Biofilmentstehung mit Verkrustung und Infektion, Harnblasensteine (siehe Komplikationen des transurethralen Dauerkatheters).







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Literatur

Ahluwalia, R. S.; Johal, N.; Kouriefs, C.; Kooiman, G.; Montgomery, B. S. I. & Plail, R. O.
The surgical risk of suprapubic catheter insertion and long-term sequelae.
Ann R Coll Surg Engl, 2006, 88, 210-213

Sökeland, J., Brühl, P., Hertle, L., and Piechota, H. (2000).
Katheterdrainage der harnblase heute.
Dtsch Arztebl, 97(4):A167-A174.