Dr. med. Dirk Manski

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Katheter und Drainagen (2/7): transurethraler Dauerkatheter

Zusammenfassende Literatur: (Sökeland et al., 2000).

Indikationen für transurethrale Dauerkatheter

Je nach Indikation der Drainage des unteren Harntrakts unterscheiden sich die verwendeten Dauerkatheter in Form und Material. Siehe auch Tab. transurethraler vs. suprapubischer DK bezüglich der Vor- und Nachteile von transurethraler oder suprapubischer Dauerkatheterisierung.


Vergleichende Darstellung der Vorteile und Nachteile von transurethralen und suprapubischen Dauerkatheter.
transurethraler Dauerkatheter suprapubischer Dauerkatheter
Vorteile
  • einfache Einlage, delegierbar an Assistenzpersonal
  • kaum Kontraindikationen
  • dicklumige Katheter mit Möglichkeit der Harnblasenspülung verfügbar
  • Vermeidung von Harnröhren- komplikationen (Verletzung, Infektion, Striktur)
  • Reduktion von Infektionen, insbesondere von Prostata und Nebenhoden.
  • Miktionstraining mit Restharnkontrolle möglich
  • bessere Verträglichkeit
Nachteile
  • zahlreiche Komplikationen wie Harnröhrenverletzung, Harnröhrenstrikturen oder Infektionen
  • schlechtere Verträglichkeit
  • Miktionsversuch mit liegendem Katheter nicht möglich
  • Anlage nur als operativer Eingriff durch einen Arzt. Auch der Wechsel des suprapubischen Katheters wird häufig nicht durch das Assistenzpersonal durchgeführt.
  • zahlreiche Kontraindikationen
  • Harnblasenspülung nicht möglich
  • selten schwerwiegende Komplikationen möglich (Darmverletzung)


Indikationen für die einmalige Entleerung der Harnblase:

Einmalkatheter werden zur sterilen Uringewinnung (bei Frauen), vor Zystogramm oder Urodynamik, zur intravesikalen Therapie (BCG, Mitomycin C u.a.) und zur Therapie eines Harnverhaltes verwendet. Einmalkatheter sind 1-Weg-Katheter, das Material ist meist PVC. Kurze Einmalkatheter für Frauen haben eine Nelaton-Spitze, lange Einmalkatheter für Männer werden mit Nelaton- und Tiemann-Katheterspitzen angeboten. Siehe auch Abschnitt Katheter für die Selbstkatheterisierung.

Indikationen für die dauerhafte Drainage der Harnblase:

aus diagnostischen Gründen (z.B. Bilanzierung), bei Verletzungen des Harntrakts, perioperativ zur sicheren Urindrainage oder zur Therapie von Harnblasenentleerungsstörungen. Verwendet werden 2-Wege-Katheter mit einem dicken Kanal für die Urindrainage und einem dünnen Kanal für die Ballonblockierung [Abb. Katheterquerschnitte]. Alle gängigen Katheterspitzen sind verfügbar, am häufigsten werden Nelaton- oder Tiemannspitzen verwendet [Abb. Katheterspitzen].


Querschnitt eines Dauerkatheters (2-Wege) und eines Spülkatheters (3-Wege).
Abb. Querschnitt von transurethralen Dauerkatheter (2-Wege) und Harnblasen-Spülkatheter (3-Wege)

Katheter aus reinem Silikon haben eine bessere Bioverträglichkeit, einen höheren Innendurchmesser und sind insbesondere für längere Katheterliegezeiten ideal. Sie sind jedoch gegenüber Latex- oder Polyurethankatheter teurer, welche für eine kurzzeitige Katheterisierung (unter 1 Woche) geeignet sind.

Indikationen für einen Spülkatheter:

Spülkatheter dienen zur Vermeidung einer Harnblasentamponade bei Blutungen des Harntraktes oder nach urogenitalen Operationen. Spülkatheter sind 3-Wege-Katheter mit einem Kanal für die Urindrainage, einem Kanal für die Spüllösung und einem dünnen Kanal für die Ballonblockierung [Abb. Katheterquerschnitte]. Als Material sind Silikon-, Polyurethan- und Latex-Spülkatheter verfügbar. Bei den Katheterspitzen existiert eine große Vielfalt hinsichtlich Form der Katheterspitze und Anordnung der Drainageaugen (Nelaton, Tiemann, Couvelair, Dufour oder Mercier, siehe Abb. Katheterspitzen).

Kontraindikationen für transurethrale Dauerkatheter:

Technik der transurethralen Katheterisierung beim Mann:

Flache Rückenlage mit vollständig entblößtem Unterkörper. Unterlegen eines flüssigkeitsundurchlässigen Tuchs. Vorbereitung der benötigten Arbeitsmaterialien, hygienische Händedesinfektion. Es sind sterile Handschuhe zu tragen. Der Penis wird mit der linken Hand proximal der Glans gefasst und nach oben gestreckt, diese Hand wird unsteril. Alle weiteren Arbeiten führt die rechte Hand aus. Der Penis wird mit Hilfe einer Pinzette mit Tupfern desinfiziert. Langsame Injektion von sterilem Gleitmittel mit Lokalanästhetikum in die Harnröhre. Das Genitale wird mit einem sterilen Lochtuch abgedeckt. Der sterile Katheter wird unter aseptischen Bedingungen in die Harnblase vorgeschoben. Eine gekrümmte Katheterspitze soll nach 12 Uhr zeigen. Wenn der Katheter die Sphinkterregion erreicht, wird der Penis unter Vorschieben des Katheters etwas abgesenkt, um die Krümmung der membranösen Harnröhre etwas auszugleichen. Der Ballon eines Blasenverweilkatheters wird mit destilliertem Wasser oder einer 10%igen Glycerin-Wasserlösung gefüllt.

Die Verwendung von Kathetersets und die Beteiligung einer Hilfsperson vereinfacht die Handhabung und vermindert das Infektionsrisiko.

Schwierige Situationen bei der transurethralen Katheterisierung:

Harnröhrenstrikturen, eine Via falsa durch frustrane Versuche oder Erkrankungen der Prostata können eine transurethrale Katheterisierung erschweren oder verhindern. Folgende Möglichkeiten sind zu erwägen, wenn eine transurethrale Katheterisierung nicht durch eine suprapubische Harnableitung zu ersetzen ist:


Technik der transurethralen Katheterisierung bei der Frau:

Flache Rückenlage mit vollständig entblößtem Unterkörper. Abgespreizte und angezogene Lagerung der Beine im Bett, besser (wenn möglich) Steinschnittlagerung. Unterlegen eines flüssigkeitsundurchlässigen Tuchs. Vorbereitung der benötigten Arbeitsmaterialien, hygienische Händedesinfektion. Es sind sterile Handschuhe zu tragen. Die linke Hand spreizt mit den Fingern die Schamlippen, diese Hand wird unsteril. Alle weiteren Arbeiten führt die rechte Hand aus. Die Vulva wird mit Hilfe einer Pinzette in der rechten Hand mit Tupfern desinfiziert. Das Genitale wird mit einem sterilen Lochtuch abgedeckt. Der sterile Katheter wird mit Gleitmittel benetzt und unter aseptischen Bedingungen in die Harnblase vorgeschoben. Der Ballon eines Blasenverweilkatheters wird mit destilliertem Wasser oder einer 10%igen Glycerin-Wasserlösung geblockt.

Die Verwendung von Kathetersets und die Beteiligung einer Hilfsperson vereinfacht die Handhabung und vermindert das Infektionsrisiko.

Schwierige Situationen:

Aufgrund einer Adipositas per magna oder Vulvaatrophie kann die Inspektion des Meatus externus der Urethra unmöglich sein. Folgende Techniken helfen bei der Katheterisierung:



Komplikationen von transurethralen Dauerkatheter:

Insbesondere mit starren Kathetern kann aufgrund einer Schleimhautfalte oder Harnröhrenenge eine Verletzung der Harnröhre oder Via falsa entstehen.

Harnröhrenstrikturen:

Harnröhrenstrikturen entstehen durch Infektionen oder durch eine ischämische Schädigung der Harnröhre. Risikofaktoren sind die Katheterisierungdauer, dicke Katheter oder Zug am Katheter.

Biofilmentstehung und Verstopfung:

Der Harnblasenkatheter wird innerhalb von Stunden von einem körpereigenen Film aus Proteinen und anderen Makromolekülen benetzt. Dieser Film wird durch bakterielle Kolonisation mit bakteriellen Makromolekülen in einen Biofilm umgewandelt, welcher bei entsprechender Dicke das Lumen verstopfen kann.

Keimaszension und Infektionen:

Trotz geschlossener Urinableitung gelangen Bakterien extraluminal durch eine Keimaszension entlang des Biofilms in die Harnblase. Die Rate an Bakteriurie steigt mit jedem Katheterisierungstag um 3-10%, davon ausgehend drohen klinische Infektionen (Zystitis, Urethritis, Prostatitis, Epididymitis oder Pyelonephritis). Siehe auch Kapitel Harnwegsinfektion.

Blockadeverhalt:

Salzausfällungen, Beschädigung des Blockadekanals oder Ventils können die Entblockung und Entfernung des Katheters verhindern. Zur Abhilfe eines Blockadeverhaltes wird zunächst der Katheter 10 cm vor dem Meatus der Harnröhre abgeschnitten, um einen Ventildefekt auszuschließen. Falls keine Entblockung stattfindet, kann der Ballon mit Hilfe eines starren und dünnen Mandrins (vom Ureterkatheter) durch den Blockadekanal perforiert werden. Manche Kathetermodelle erlauben dies nicht, es ist dann eine sonographisch gesteuerte suprapubische Punktion des Katheterballons bei gefüllter Harnblase notwendig.

Weitere Komplikationen:

Harnblasensteine. Plattenepithelkarzinom bei sehr langer Dauerkatheterisierung.







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Literatur

Ahluwalia, R. S.; Johal, N.; Kouriefs, C.; Kooiman, G.; Montgomery, B. S. I. & Plail, R. O.
The surgical risk of suprapubic catheter insertion and long-term sequelae.
Ann R Coll Surg Engl, 2006, 88, 210-213

Sökeland, J., Brühl, P., Hertle, L., and Piechota, H. (2000).
Katheterdrainage der harnblase heute.
Dtsch Arztebl, 97(4):A167-A174.