Dr. med. Dirk Manski

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Tuberöse Sklerose: Ursachen, Diagnose und Therapie

Definition der tuberösen Sklerose

Die tuberöse Sklerose ist eine autosomal dominant vererbte oder sporadische Phakomatose mit Hamartomen des Gehirns, der Haut, der Nieren und anderen Organsystemen (Bourneville-Pringle-Syndrom). Ursächlich liegt eine Mutation im TSC1 oder TSC2 Gen vor.

Phakomatose:

Sammelbegriff für klinische Syndrome mit ektodermalen Tumoren und Fehlbildungen: tuberöse Sklerose, von-Hippel-Lindau-Syndrom, Sturge-Weber-Krabbe-Syndrom, Morbus Recklinghausen.

Epidemiologie

1:6000 bis 1:15000

Ätiologie der tuberösen Sklerose

Genetik:

In 25 % autosomal dominant vererbt, in 50–80 % sporadisches Auftreten. Identifizierte mutierte Gene: TSC1 (Chromosom 9) und TSC2 (Chromosom 16). Es liegt in der Regel nur ein mutiertes Gen vor.

TSC1:

TSC1 kodiert für Hamartin, das die Zelladhäsion im Zusammenspiel mit Aktin-Filamenten reguliert.

TSC2:

TSC2 kodiert für Tuberin, einem Protein für den zytoplasmatischen Vesikeltransport.

Sowohl Hamartin als auch Tuberin wird die Funktion eines Tumorsuppressorgens zugeschrieben.

Pathologie der tuberösen Sklerose

ZNS:

Fehlbildungstumoren (Hamartome) am Kortex und in periventrikulärer Lokalisation. Subependymale Riesenzellastrozytome. Tuber corticale (Dysplasie, im MRT sichtbar).

Nieren:

Nierenzysten mit eosinophiler hyperplastischer Epithelauskleidung, welche zum Nierenzellkarzinom entarten können.
Angiomyolipome mit Wachstumstendenz und Neigung zu spontanen Rupturen mit lebensbedrohlichen Blutungen.

Angiomyolipome:

Angiomyolipome der Niere, Angiofibrome der Haut und anderer Organe.

Klinik der tuberösen Sklerose

Die Manifestation in unterschiedlichen Organsystemen ist individuell unterschiedlich ausgeprägt.

ZNS:

Oligophrenie, Epilepsie, Verhaltensauffälligkeiten, obstruktiver Hydrozephalus.

Niere:

Flankenschmerzen oder tastbarer Tumor. Selten Niereninsuffizienz bei ausgeprägter zystischer Manifestation.
Retroperitoneale Blutung bei Ruptur von Angiomyolipomen (Wunderlich-Syndrom).

Haut:

Adenoma sebaceum (Angiofibrome der Haut, wie ein vesikopapulöses Exanthem oder Akne im Gesicht), Hypopigmentierungen der Haut (1–3 cm groß, multiple), Bindegewebsnävi. Weiterhin periunguale Fibrome.

Weitere Organe:

Pneumonie (nach Epilepsie), Lymphangioleiomyomatose der Lunge (1–4 %) mit Ausbildung dünnwandiger Zysten: Husten oder spontaner Pneumothorax, Rhabdomyom des Herzens (50 %) mit Arrhythmien oder Herzinsuffizienz, retinale Hamartome.

Diagnose der tuberösen Sklerose

Die Diagnose der Erkrankung ist klinisch möglich, entweder liegen zwei Hauptsymptome vor oder 1 Hauptsymptom und 2 Nebensymptome (s. u.). Weiterhin ist der Nachweis der TSC1 oder TSC2 Mutationen möglich.

Hauptsymptome:

renale Angiomyolipome, Angiofibrome im Gesicht, nichttraumatische periunguale Fibrome, mehr als zwei hypomelanotische Maculae, Bindegewebsnävus, multiple retinale nodulare Hamartome, kortikale Tuber, subependymale Knoten, subependymale Astrozytome, kardiale Rhabdomyome, Lymphangioleiomyomatose.

Nebensymptome:

multiple Nierenzysten, nichtrenale Hamartome, hamartomatöse rektale Polypen, Knochenzysten, gingivale Fibrome, Hautläsionen, multiple dentale Schmelzgruben.

Bildgebung:

Sonographie und CT-Abdomen, MRT-Hirn, Hautuntersuchung unter UV-Licht, Herz-Echo, Fundoskopie.

Genetische Untersuchung und Beratung:

Eine molekulargenetische Analyse ist zeit- und kostenaufwändig und führt nicht immer zum Nachweis der verursachenden Mutation. Bei unklarer Diagnose, bei der Familienplanung und bei der genetischen Beratung kann ein Mutationsnachweis sinnvoll sein.

Therapie der tuberösen Sklerose

Urologische Therapie:

Regelmäßige Bildgebung der Nieren, die Nierenzellkarzinome können sich bei tuberöser Sklerose in sehr jungem Alter manifestieren.
Bei Angiomyolipomen über 4 cm Größe besteht die Gefahr der Ruptur mit starker Blutung, die selektive Embolisation oder organerhaltende Resektion sind Therapie der Wahl.

Neurologische Therapie:

Gegen die Epilepsie und Spastik.

Prognose der tuberösen Sklerose

Renale Komplikationen (Nierenzellkarzinom, rupturierte Angiomyolipome, Niereninsuffizienz) bestimmen die Prognose. Neurologische Komplikationen: Status epilepticus, Hirntumoren, Bronchopneumonie durch Schluckstörungen.






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Literatur tuberöse Sklerose

Lendvay und Marshall 2003 LENDVAY, T. S. ; MARSHALL, F. F.: The tuberous sclerosis complex and its highly variable manifestations.
In: J Urol
169 (2003), Nr. 5, S. 1635–42