Zusammenfassende Literatur Nierenzellkarzinom: (Ljungberg et al., 2007).
Das Nierenzellkarzinom ist der Häufigste bösartige Tumor der Niere, ausgehend vom Epithel verschiedener Nephronabschnitte. Synonyme: Nierenkrebs, Nierenkarzinom.
3 % aller Tumorerkrankungen, dritthäufigste maligne urologische Tumorerkrankung.
Inzidenz steigend mit 2 %/Jahr: 13–19/100 000, Männer:Frauen = 3:2 (Hock u.a., 2002).
des klarzelligen Nierenzellkarzinoms ist der proximale Tubulus, andere histologische Typen entstehen von distaleren Nephronabschnitten.
Rauchen (RR 1,4 bis 2,3 dosisabhängig), Kautabak, Cadmium, Blei, petrochemische Substanzen, Thorotrast, Teer und Holzschutzmittel.
Adipositas (RR 2,7), arterieller Hypertonus, niedriger sozialer Status, urbane Herkunft, Rauchen (RR 1,4 bis 2,3). Alkoholkonsum oder viel Sport sind protektiv.
bei der Mehrzahl der sporadischen Nierenzellkarzinome sind Mutationen des VHL-Gens nachweisbar (s. u.).
Eine familiäre Häufung ist insgesamt selten (4 %).
autosomal dominante Vererbung, ausführliche Darstellung siehe Von-Hippel-Lindau-Syndrom . VHL-Genmutation auf Chromosom 3, je nach Typ der Mutation entstehen unterschiedliche Manifestationen in unten aufgeführten Organen mit 100 % Penetranz. Das VHL-Protein ist ein Tumorsuppressorprotein. Die Tumoren entstehen gemäß der Knudson-Theorie der zwei Treffer: ein erkranktes Gen wird vererbt, die zweite Veränderung entsteht durch eine spontane Mutation. Tumoren entstehen nur, wenn beide VHL-Gene mutiert sind. Die Wahrscheinlichkeit für ein Auftreten des Nierenzellkarzinoms (klarzellig) bei Hippel-Lindau Patienten beträgt 25–70 %. Die Tumoren treten bei diesen Patienten früher, multifokal und kombiniert mit Veränderungen in anderen Organen auf (ZNS, Retina, Nebennieren, zystische Veränderungen in den parenchymatösen Organen).
die Histologie ist basophil papillär. Molekulare Veränderungen sind auf Chromosom 7 beschrieben worden, die Vererbung ist autosomal dominant, andere Tumorentitäten sind nicht gehäuft.
verstärktes Risiko eines Nierenzellkarzinoms [siehe Abschnitt Tuberöse Hirnsklerose].
Fibrofollikulome der Haut, renale Tumoren und pulmonale Zysten mit Gefahr des Spontanpneumothorax.
das Nierenzellkarzinom induziert eine immunologische Reaktion des Patienten:
aus dem Nierenzellkarzinom können Tumor-infiltrierende Immunzellen gewonnen werden, insbesondere T-Helferzellen, dendritische Zellen (antigen-präsentierende Zellen) und zytotoxische T-Zellen mit Spezifität für Tumorzellen.
das Immunsystem wird für die spontane Regression des Nierenzellkarzinoms verantwortlich gemacht, sie betrifft vor allem die Regression von pulmonalen Metastasen nach zytoreduktiver Tumornephrektomie (in 1–7 % der Fälle). Die Remission kann über einen langen Zeitraum stabil sein.
eine Vielzahl von Mechanismen für die Immuntoleranz des Nierenzellkarzinoms wurden publiziert, sie verursachen das moderate Ansprechen der Immuntherapie in nur 15–20 %.
die Expression von multidrug resistance protein-1 (MDR-1) wird für die fehlende Sensitivität gegenüber der Chemotherapie verantwortlich gemacht. MDR-1 (P-Glykoprotein) ist ein transmembranäres Protein, welches hydrophobe Substanzen aus der Zelle schleust.
die reiche Neovaskularisierung des Nierenzellkarzinoms wird ausgelöst durch die Überexpression von VEGF.
erhöhte Expression von TGF-α, EGF-Rezeptoren, Hochregulation der Ras-Raf-MAPK-Signaltransduktion und erhöhte Expression von MET Proto-Onkogen (Rezeptortyrosinkinase für den Hepatozytenwachstumsfaktor).
veränderte intrazelluläre Verarbeitung von Fibronectin, erhöhte Expression von Proteasen wie Plasmin und der Matrix Metalloproteinasen, verminderte Expression von E-Cadherin und Cadherin-6.
Tumor infiltriert das perirenale Fettgewebe, Venen oder Nebenniere, noch begrenzt innerhalb der Gerota-Faszie.
Das klassische Nierenzellkarzinom hat eine gelb-braune Schnittfläche, inhomogen durch Einblutungen und Nekrosen [Abb. 2.19]. Makroskopisch ist es relativ gut vom Nierengewebe abgetrennt, nur bei sarkomatoiden Tumoren kommt es zu einem infiltrativen Wachstum. Es besteht aber die Neigung zur Ausbildung von Tumorsatelliten. Weitere Formen beinhalten ein zystisches Wachstumsmuster. Verkalkungen findet man in 10–20 %. Eine Invasion der Nierenvene entsteht in 10 %, durch kontinuierliches Wachstum entsteht ein Tumorzapfen, der bis in den rechten Vorhof reichen kann.
die frühere klassische histologische Einteilung (Klarzellkarzinom, Granularzellkarzinom, papilläres Nierenzellkarzinom und sarkomatoides Nierenzellkarzinom) wurde aufgrund molekularer Erkenntnisse geändert, die sarkomatoide Entdifferenzierung kann bei mehreren Typen vorkommen (Storkel u.a., 1997).
makroskopisch gelb-braune Schnittfläche, durch reichhaltiges Glykogen und Fette im Zytoplasma erhalten die Zellen ein klares Aussehen bei konventionellen Färbemethoden [Abb. 2.20].
Es gibt aber auch granularzellartige (eosinophile), sarkomatoide (1–5 %) und gemischte Differenzierungsmuster. In 75 % sind VHL-Mutationen nachweisbar.
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Abbildung 2.20: Histologie eines konventionellen Nierenzellkarzinoms: durch reichhaltiges Glykogen und Fette im Zytoplasma erhalten die Zellen ein klares Aussehen bei konventionellen Färbemethoden. Abbildung von Dr. Edwin P. Ewing, Jr. Public Health Image Library, Center for Disease Control and Prevention, USA, www.cdc.gov. |
basophile oder eosinophile Zellen, welche papilläre oder tubuläre Muster bilden. Der Tumor ist gering vaskularisiert.
Die Prognose ist mit dem konventionellen Nierenzellkarzinom vergleichbar.
stammt vom kortikalen Anteil des Sammelrohrs ab. Das fehlende Anfärben des Zytoplasmas in der Färbung war namensgebend. Im Elektronenmikroskop finden sich zahlreiche Mikrovesikel, welche ein Mukopolysaccharid enthalten. VHL-Mutationen sind selten. Die Prognose erscheint eher besser als bei dem konventionellen Nierenzellkarzinom.
Histologisch ein Mischbild aus dilatierten Tubuli und papillären Strukturen. Die Prognose ist sehr schlecht.
tritt fast nur bei Sichelzellanämie auf, entspringt dem Kelchepithel in der Nähe der Papillen. Histologisch ist es dem Sammelrohrkarzinom ähnlich, auch die Prognose ist sehr schlecht.
In absteigender Häufigkeit: Lunge, Weichteile (Lymphknoten, Muskeln), Knochen, Leber, ZNS, Haut.
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Dr. med. Dirk Manski
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