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Von Dirk Manski

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Harnröhrenkarzinom der Frau: Diagnose und Therapie

Das Harnröhrenkarzinom der Frau ist ein seltener maligner Tumor der Harnröhre, der am häufigsten bei Patientinnen über 70 Jahren auftritt. Ein primäres Harnröhrenkarzinom ist definiert als die Erstmanifestation an der Harnröhre ohne weiteren Befall anderer Abschnitte des Harntraktes. Das sekundäre Harnröhrenkarzinom tritt als Rezidiv nach Diagnose und Therapie eines Harnblasenkarzinoms oder Karzinom des oberen Harntraktes auf. EAU Guidelines Urethral Carcinoma.

Epidemiologie

Sehr selten, jährliche Inzidenz von 1,5 pro eine Million Einwohner. Etwa die Hälfte der Patientinnen hat zum Diagnosezeitpunkt bereits ein fortgeschrittenes Tumorstadium.

Ätiologie des Harnröhrenkarzinoms

Risikofaktoren sind chronische Entzündungen oder Infektionen, Divertikel, Karunkel, Papillome, Adenome, Leukoplakien und das Urothelkarzinom der Harnblase.

Pathologie des Harnröhrenkarzinoms

Histologie:

Am häufigsten ist das Urothelkarzinom (45%), gefolgt vom Adenokarzinom (29%) und vom Plattenepithelkarzinom (19%). Sehr selten sind Melanome (Derksen u.a., 2013).

Metastasierung:

Das Harnröhrenkarzinom der distalen Harnröhre metastasieren in die inguinalen Lymphknoten, Tumoren der proximalen Harnröhre in die pelvinen Lymphknoten. Die Trennung der Abflussgebiete ist nicht scharf. Hämatogene Metastasen entstehen beim Plattenepithelkarzinom im Gegensatz zum Urothelkarzinom erst relativ spät im Krankheitsverlauf.

Tumorstadien nach TNM [UICC 2017]

T:

Lokales Tumorstadium.

N:

Lymphknotenbefall.

M:

Fernmetastasen.

G:

Grading des Adenokarzinoms oder Plattenepithelkarzinoms

G:

Grading des Urothelkarzinoms

Klinik des Harnröhrenkarzinoms der Frau

Klinische Leitsymptome sind urethrale Blutungen, Dysurie, Pollakisurie, Harnverhalt, Dyspareunie sowie ein tastbarer urethraler Tumor oder eine lokale Verhärtung.

Diagnostik

Die Primärdiagnostik umfasst eine Zystoskopie mit Biopsie oder transurethraler Resektion. Bei invasiven Tumoren ist ein MRT des Beckens zur Beurteilung der lokalen Ausdehnung dem CT überlegen. Das systemische Staging erfolgt mittels CT des Abdomens sowie eines CT-Thorax.

Therapie des Harnröhrenkarzinoms der Frau

Lokale Exzision oder Resektion:

Geeignet für gut differenzierte nicht-invasive Harnröhrentumoren der distalen Harnröhre.

Komplette Urethrektomie mit Verschluss des Blasenhalses:

Indiziert bei invasiven Tumoren ohne Infiltration der Harnblase. Die Harnableitung erfolgt entweder mittels Appendikovesikostomie oder über einen suprapubischen Dauerkatheter.

Vordere Exenteration mit kompletter Urethrektomie:

Bei proximalen invasiven Tumoren, es ist nur eine heterotope Harnableitung möglich.

Lymphadenektomie:

Bei invasiven proximalen Tumoren wird die Lymphadenektomie wie beim Harnblasenkarzinom durchgeführt. Bei distalen invasiven Harnröhrenkarzinomen ist bei klinischem Verdacht zusätzlich eine inguinale Lymphadenektomie indiziert.

Neoadjuvante Chemotherapie:

Randomisierte Studien fehlen. Therapieentscheidungen erfolgen im Analogieschluss zur Histologie (Urothel- oder Plattenepithelkarzinom). Bei lokal fortgeschrittenen Urothelkarzinomen ist eine platinbasierte neoadjuvante Chemotherapie Standard.

Radiochemotherapie:

Insbesondere beim Plattenepithelkarzinom führt eine neoadjuvante Radiochemotherapie zu einer hohen Ansprechrate (80%), sodass ein organerhaltender Ansatz ohne kurative Resektion erwogen werden kann (Kent u.a., 2015). Eine adjuvante Radiochemotherapie nach kurativer Resektion von fortgeschrittenen Tumoren ist ebenfalls eine Therapieoption, insbesondere bei positivem Schnittrand oder Lymphknotenmetastasen.

Chemotherapie bei metastasiertem Harnröhrenkarzinom:

Studien für das Harnröhrenkarzinom liegen nicht vor. Die Auswahl der Chemotherapie richtet sich im Analogieschluss nach der zugrundeliegenden Histologie, siehe auch Abschnitt Chemotherapie des fortgeschrittenen Harnblasenkarzinoms

Prognose

Patienten mit lokalisiertem Tumorstadium haben eine 5-Jahresüberlebensrate von knapp 70%. Im fortgeschrittenen Tumorstadium beträgt die 5JÜR ca. 50%, im metastasierten Stadium liegt sie bei 17% (Derksen u.a., 2013).







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Literatur

Amin und Young 1997 AMIN, M. B. ; YOUNG, R. H.: Primary carcinomas of the urethra.
In: Semin Diagn Pathol
14 (1997), Nr. 2, S. 147–60

Derksen, J. W.; Visser, O.; de la Rivière, G. B.; Meuleman, E. J.; Heldeweg, E. A. & Lagerveld, B. W. Primary urethral carcinoma in females: an epidemiologic study on demographical factors, histological types, tumour stage and survival.
World journal of urology, 2013, 31, 147-153

G. Gakis, H. M. Bruins, and Comp&eacute, “EAU Guidelines: Primary Urethral Carcinoma,” 2022. [Online]. Available: https://uroweb.org/guidelines/primary-urethral-carcinoma/.

Kent, M.; Zinman, L.; Girshovich, L.; Sands, J. & Vanni, A. Combined chemoradiation as primary treatment for invasive male urethral cancer.
The Journal of urology, 2015, 193, 532-537.

Krieg und Hoffman 1999 KRIEG, R. ; HOFFMAN, R.: Current management of unusual genitourinary cancers. Part 2: Urethral cancer.
In: Oncology (Williston Park)
13 (1999), Nr. 11, S. 1511–7, 1520; discussion 1523–4

Rajan u.a. 1993 RAJAN, N. ; TUCCI, P. ; MALLOUH, C. ; CHOUDHURY, M.: Carcinoma in female urethral diverticulum: case reports and review of management.
In: J Urol
150 (1993), Nr. 6, S. 1911–4


  English Version: female urethral cancer

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