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Therapie des Blasenschmerzsyndroms und der interstitiellen Zystitis
- Interstitielle Zystitis: Definition und Ursachen
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- Interstitielle Zystitis: Therapie
Konservative nicht-medikamentöse Therapie der interstitiellen Zystitis
Folgende Interventionen werden angewendet, um alleine oder begleitend mit einer medikamentösen Therapie die Beschwerden des Blasenschmerzsyndroms zu lindern. Die Datenlage ist unsicher:
- Stressreduktion, warme Bäder, Beckenbodenentspannungsübungen mit Biofeedback.
- Harnblasentraining kann die funktionelle Harnblasenkapazität steigern, in der Folge sinkt die Miktionsfrequenz. Sie ist bei Pollakisurie ohne dominierende Schmerzen geeignet.
- Akupunktur: Kann einzelne Symptome bessern, ohne dass objektive Parameter konsistent verändert werden.
- Diätische Maßnahmen: Empfohlen wird die individuelle Meidung symptomverstärkender Trigger, insbesondere Koffein, Alkohol, Süßstoffe, scharfe Gewürze und urinansäuernde Getränke.
Gesicherte medikamentöse Therapie des Blasenschmerzsyndroms
Alle unten genannten Medikamente (bis auf PPS) sind für die Indikation interstitielle Zystitis nicht zugelassen (Off-Label-Anwendung).
Pentosanpolysulfat (PPS):
Pentosanpolysulfat ist ein pflanzliches, aus Baumrinden hergestelltes, halbsynthetisches Heparinoid. Die Dosierung beträgt 100 mg 1-1-1 p. o. PPS wird renal ausgeschieden, lagert sich an die GAG-Schicht des Urothels an und soll die Urothelpermeabilität vermindern. Ein Therapieeffekt ist erst nach 3–6 Monaten zu erwarten. Randomisierte Studien und Meta-Analysen zeigen Hinweise auf einen geringen bis moderaten Nutzen bei niedriger Evidenzqualität. Wegen relevanter Nebenwirkungen, insbesondere einer dosis- und dauerabhängigen Pigmentmakulopathie, raten manche Fachgesellschaften von einer Therapie mit PPS ab (Doiron u.a., 2025).
Vaginale Östrogenisierung:
Die vaginale Östrogenisierung bei postmenopausalen Frauen führt zu einer Linderung von Reizblasenbeschwerden und Reduktion von Harnwegsinfektionen, sie sollte als Basistherapie angeboten werden. Dabei ist die vaginale Anwendung als Kapsel, Salbe oder Ring mit Östrogenfreisetzung erfolgreicher und nebenwirkungsärmer als die orale Hormonersatztherapie. Dosierung: 0,03–0,5 mg intravaginal Estriol einmal pro Woche.
Hydroxyzin:
Hydroxyzin ist ein Antihistaminikum (H1-Antagonist) mit sedierender Wirkung. Die Dosierung ist 25 mg 0–0–1 p.o. für 1 Woche, dann Dosissteigerung auf 1–0–2 für 3 Monate. V. a. bei Patienten mit Hinweisen auf Allergien, allerdings konnte in einer randomisierten Studie keine Wirksamkeit nachgewiesen werden (Sant u.a., 2003).
Amitriptylin:
Amitriptylin ist ein trizyklisches Antidepressivum, welches auch zur Therapie von neuropathischen Schmerzen verwendet wird. Einschleichende Dosierung mit 25 bis 75 mg 0-0-1. Die Wirkung wird über anticholinerge, antihistaminerge und adrenerge Effekte vermittelt. Ein Drittel der Patienten berichtet über eine anhaltende Beschwerdeverbesserung. Sedierung ist die häufigste Nebenwirkung. Vorsicht: kardiale Toxizität ist möglich.
Schmerztherapie:
NSAR können eingesetzt werden, Langzeitnebenwirkungen sind zu berücksichtigen. Bei therapierefraktären Schmerzen ist eine multimodale Schmerztherapie nach WHO-Stufenschema indiziert.
Immunsuppressiva:
Ciclosporin kann bei refraktären Verläufen wirksam sein, ist wegen relevanter Nebenwirkungen jedoch spezialisierten Zentren und sorgfältig ausgewählten Patienten vorbehalten. Eine gleichzeitige Autoimmunerkrankung kann die Indikation unterstützen.
Antibiotika:
Bei positiver Urinkultur oder als einmalige empirische Therapie bei Erstmanifestation der Beschwerden. Ohne nachgewiesenen Harnwegsinfekt ist die Wirksamkeit gering.
Ungesicherte medikamentöse Therapie:
Über zahlreiche Medikamente liegen positive Ergebnisse von unkontrollierten kleinen Studien vor, welche nie prospektiv oder randomisiert von anderen Arbeitsgruppen validiert wurden: L-Arginin (NO-Donator), Anticholinergika, Misoprostol (orales Prostaglandin), Montelukast (Leukotrien-Antagonist), Prednisolon, Nifedipin (Calcium-Antagonist), Cimetidin (H2-Antihistaminika).
Intravesikale Therapie
Hydrodistension der Harnblase:
Die Hydrodistension in Narkose hat vor allem diagnostische Bedeutung zur Bestimmung der Harnblasenkapazität und zur Phänotypisierung. Eine Besserung der Symptome ist bei einem Teil der Patienten zu erwarten. Wirkmechanismus und Dauerhaftigkeit sind unklar.
Intervesikale Instillationen zur Regeneration der GAG-Schicht:
Ziel ist die Verbesserung der Urothelbarriere. Zur Instillation werden Pentosanpolysulfat, Heparin, Chondroitinsulfat oder Hyaluronsäure einzeln oder kombiniert verwendet. Die Instillationen werden meist in wöchentlichen Intervallen begonnen und sind gut verträglich. Im Verlauf können die Dosierungsintervalle abhängig vom Ansprechen verlängert werden (Erhaltungstherapie).
Die Therapie ist je nach Präparat sehr teuer und wird meist von den gesetzlichen Kassen nicht übernommen. Es existieren nur wenige randomisierten Studien, diese konnten nur eine begrenzte oder statistisch nicht signifikante Wirkung nachweisen (Nickel u.a., 2012) (Madersbacher u.a., 2012). Die in Deutschland erhältlichen Fertigspritzen sind nach dem Medizinproduktegesetz zugelassen, damit wurde die Durchführung guter kontrollierter Studien vermieden.
Ungesicherte intravesikale Therapie
DMSO, Lidocain und Dexamethason (ggf. mit Iontophorese, ggf. gefolgt von einer Harnblasendehnung ohne Narkose), Injektionen von Botulinumtoxin A.
Operative Therapie der interstitiellen Zystitis
Endourologische Therapie:
Resektion oder Koagulation von Hunner-Läsionen können zu deutlicher Symptomverbesserung führen; Rezidive sind häufig und erfordern ggf. wiederholte Eingriffe. Die Koagulation von Glomerulationen oder Petechien ohne Hunner-Läsionen wird nicht empfohlen.
Sakrale Nervenstimulation:
Die sakrale Nervenstimulation bessert subjektive und objektive Symptome, bisher gibt es nur kleine Studien mit kurzer Nachbeobachtung. Dies gilt auch für die transkutane elektrische Nervenstimulation (TENS).
Offen-chirurgische Therapie:
Mittel der letzten Wahl nach erfolgloser medikamentöser und interventioneller Therapie. Die chirurgische Therapie ist eine gute Option bei quälender Pollakisurie aufgrund fehlender Harnblasenkapazität (<250 ml gemessen in Narkose). Die Beseitigung von chronischen Schmerzen gelingt mit chirurgischen Eingriffen weniger zuverlässig. Selbst nach kompletter Zystektomie und Harnableitung persistiert bei einem signifikantem Anteil der Patienten der chronische Schmerzzustand.
Supratrigonale Zystektomie:
Erhalt des Trigonums und Rekonstruktion der Harnblase mit Darm.
Subtrigonale Zystektomie:
Alternative zur Harnblasenaugmentation. Vorteilhaft ist die komplette Harnblasenentfernung als mögliche Symptomquelle, nachteilig ist die Notwendigkeit der Harnleiter-Darm-Anastomose.
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Literatur Interstitielle Zystitis
Doiron, R. C., Tadayon, B., Violette, P. D., Locke, J., Andrews, M., Nadeau, G., … Cox, A. (2025). 2025 Canadian Urological Association Guideline: Selected treatment recommendations for interstitial cystitis/bladder pain syndrome . Canadian Urological Association Journal, 19(4), 90–103. https://doi.org/10.5489/cuaj.9182
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Sant, G. R.; Propert, K. J.; Hanno, P. M.; Burks, D.;
Culkin, D.; Diokno, A. C.; Hardy, C.; Landis, J. R.; Mayer, R.; Madigan,
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Sievert u.a. 2000 SIEVERT, K. D. ; EDENFELD,
K. D. ; OBERPENNING, F. ; PIECHOTA, H. J.:
[Oral therapy of interstitial cystitis].
In: Urologe A
39 (2000), Nr. 6, S. 535–8
English Version: Treatment of bladder pain syndrome and interstitial cystitis
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