Dr. med. Dirk Manski

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Blasenschmerzsyndrom und interstitielle Zystitis (2/3): Pathologie und Diagnose


Zusammenfassende Literatur Interstitielle Zystitis: (von Heyden, 2000) (Oberpenning u.a., 2000) (Sievert u.a., 2000)

Pathologie der interstitiellen Zystitis

Die historische Einteilung der interstitiellen Zystitis in eine klassische IC mit histologischen Entzündungszeichen und zystoskopisch sichtbaren Ulzerationen und in eine nichtulzeröse (non-ulcer) IC ohne klassische Entzündungszeichen und ohne zystoskopisch sichtbare Läsionen hat sich nicht bewährt. Die histologischen Zeichen (wenn sichtbar) sind unspezifisch und korrelieren weder mit dem zystoskopischen Bild noch mit der Prognose der Erkrankung. Auch die Elektronenmikroskopie liefert kein eindeutiges pathologisches Korrelat für die intestitielle Zystitis. Die Hauptaufgabe einer histologischen Untersuchung ist der Ausschluss von anderen Erkrankungen wie das Carcinoma in situ.

Makroskopie:

Ulzeröse Läsionen in der Harnblase (Hunner-Ulzera) und Glomerulationen (punktförmige Schleimhautblutungen) nach Harnblasendistension. Die Sensitivität und Spezifität der zystoskopischen Befunde sind in der Bedeutung umstritten und treten sicher erkennbar nur bei einem kleinen Teil der Patienten auf. Im weiteren Verlauf der Erkrankung führt die zunehmende Fibrose der Harnblasenwand zu einer Verkleinerung der Harnblasenkapazität.

Mikroskopie:

Mastzelleninfiltration der Harnblasenwand, lymphozytäres Infiltrat, ulzeröse Epitheldefekte, kleine subepitheliale Hämorrhagien. Es existiert keine Korrelation zwischen Histologie und zystoskopischen Zeichen der interstitiellen Zystitis und der Prognose der Erkrankung.

Klinik der interstitiellen Zystitis

Basissymptome:

Unangenehme Empfindung (Schmerz, Druck, Unwohlsein) ausgehend von der Harnblase, begleitet von Symptomen der unteren Harnwege (LUTS) von mehr als 6 Wochen Dauer und ohne Hinweis auf Harnwegsinfektionen oder andere identifizierbare Ursachen als Erklärung für die Beschwerden (Hanno und Dmochowski, 2009).

Symptomscores:

Aufgrund der stark unterschiedlichen Beschwerden wurden mehrere Symptomscores für das Monitoring eines Therapieeffektes geschaffen: IC symptome index (ICSI) und IC problem index (ICPI), University of Wisconsin IC Scale (UW-IC-Scale).

Diagnose der interstitiellen Zystitis oder des Blasenschmerzsyndroms

Voraussetzung für die Diagnose "interstitielle Zystitis" oder "Blasenschmerzsyndrom" sind oben genannte Basissymptome ohne offensichtliche Ursache. Entscheidend für die Diagnose ist der Ausschluss von differentialdiagnostisch möglichen Erkrankungen (Ausschlussdiagnose, siehe Differentialdiagnose der interstitiellen Zystitis ).

Miktionsprotokoll:

Das Miktionsprotokoll dient zum Erfassen der Miktionsvolumina und der Pollakisurie. Typisch sind Miktionsvolumina von unter 250 ml, miktionsfreie Intervalle kleiner 2 h, immer Nykturie.

Urindiagnostik:

Sonographie:

Sonographie der Nieren und Harnblase zum Ausschluss von Nieren- und Harnblasenerkrankungen.

Zystoskopie:

Die Zystoskopie sollte bei Patienten mit Blasenschmerzsyndrom in Vollnarkose durchgeführt werden. Nach Füllung der Harnblase mit 80–100 cm H2O für 2 min wird die Harnblasenkapazität gemessen. Dann erneute Füllung der Harnblase und Inspektion auf Glomerulationen und Hunner-Ulcera. Die Sensitivität und Spezifität der zystoskopischen Befunde sind in der Bedeutung umstritten und treten sicher erkennbar nur bei einem kleinen Teil der Patienten auf (siehe oben).

Glomerulationen:

punktförmige Schleimhautblutungen nach Harnblasendistension. 9/10 IC-Patienten haben diese Glomerulationen.

Hunner-Ulcera:

Aufbersten des Urothels mit schlierenartigen Urothelblutungen nach Blasendistension. 1/10 der IC-Patienten haben Hunner-Ulcera.

Quadrantenbiopsie:

zum Ausschluss eines Carcinoma in situ. Die Biopsie wird nach der Hydrodistension durchgeführt.

Optionale Untersuchungen:

Urodynamik:

Die Urodynamik hat im Vollbild der Erkrankung aufgrund der Schmerzen nur wenig Aussagekraft. Typisch ist der Nachweis einer schmerzbedingten kleinen Harnblasenkapazität. Die Urodynamik ist indiziert zum Ausschluss einer überaktiven Harnblase.

Kaliuminstillationstest:

Die Kaliumchloridinstillation (0,4 mol/l) erzeugt Schmerzen. Der Test soll die erhöhte Permeabilität des Urothels nachweisen (moderat sensitiv, nicht spezifisch). Klinische Studien konnten keinen Benefit des Kaliuminstillationstests zum Management von Patienten mit Blasenschmerzsyndrom nachweisen.

Differentialdiagnose







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Literatur Interstitielle Zystitis

von Heyden 2000 HEYDEN, B. von:
Intravesikale Therapie bei interstitielle Zystitis.
In: Urologe A
39 (2000), S. 542–544

Oberpenning u.a. 2000 OBERPENNING, F. ; OPHOVEN, A. van ; HERWIG, R. ; PIECHOTA, H. J.:
[Diagnosis of interstitial cystitis].
In: Urologe A
39 (2000), Nr. 6, S. 530–4

Sievert u.a. 2000 SIEVERT, K. D. ; EDENFELD, K. D. ; OBERPENNING, F. ; PIECHOTA, H. J.:
[Oral therapy of interstitial cystitis].
In: Urologe A
39 (2000), Nr. 6, S. 535–8







 


  English Version: bladder pain syndrome and interstitial cystitis