Dr. med. Dirk Manski

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Blutuntersuchung Serumelektrolyte (2/2): Kalzium, Chlorid + Magnesium


Die Darstellung der Normwerte und Differentialdiagnose von Blutwerten ist modifiziert nach (Siegenthaler, 1988).

Chlorid

Chlorid ist das wichtigste negativ geladene Elektrolyt (Anion) im Extrazellulärraum. Als Gegengewicht zum Natrium hat Chlorid eine essentielle Bedeutung im Volumenhaushalt und an der Zellmembran.

Normwert von Chlorid:

95–110 mmol/l im Serum.

Messmethode:

Messung mit ionenselektiver Elektrode, alternativ Flammenphotometrie.

Indikationen:

Bei allen Erkrankungen mit möglichen Veränderungen der Elektrolyte, des Wasserhaushalts und des Säurebasenhaushalts.

Differentialdiagnose Hypochloridämie:

Meist begleitend bei Hyponatriämie: bei Diuretikatherapie, Cushing-Syndroom, Hyperaldosteronismus, Erbrechen von Magensaft oder respiratorischer Azidose.

Differentialdiagnose Hyperchloridämie:

Meist begleitend bei Hypernatriämie: chronische Niereninsuffizienz, iatrogen durch Säurezufuhr oder Carboanhydrasehemmer, primärer Hyperparathyreoidismus oder respiratorischer Alkalose. Die hyperchlorämische metabolische Azidose (ohne Anionenlücke) entsteht bei Bicarbonatverlust (Diarrhoe, Darmfisteln oder nach Harnableitung) oder bei der renal-tubulären Azidose.

Kalzium

Der menschliche Organismus enthält insgesamt etwa 1 kg Calcium, mehr als 99% ist in Form von Hydroxylapatit im Knochen gespeichert. Das Gesamt-Kalzium im Serum besteht aus freiem ionisiertem Kalzium (50%), aus proteingebundenem Kalzium (40%) und Kalzium in Form von anorganischen Komplexen (10%, z.B. gebunden an Phosphat). Kalzium ist ein sehr wichtiges Elektrolyt für die elektromechanische Kopplung im Rahmen des Aktionspotentials von Muskelzellen. Weiterhin hat es Bedeutung bei der Signaltransduktion, Knochenfestigkeit, Blutgerinnung, Hormonausschüttung und im Immunsystem.

Normwert:

Gesamt-Kalzium 2,1–2,6 mmol/l, freies Kalzium 1,15–1.35 mmol/l.

Messmethode:

Messung des freien Kalziums mit ionenselektiver Elektrode, Messung des Gesamt-Kalzium mit z.B. Flammenphotometrie oder Atomabsorptionsspektrometrie.

Indikationen:

Nephrolithiasis, Hyperparathyreoidismus, Knochenmetastasen oder andere Knochenerkrankungen, Nierenzellkarzinom, chronische Niereninsuffizienz, akute Pankreatitis.

Hypokalziämie:

Zu niedrige Konzentration von Kalzium im Blut. Eine milde Hypokaliämie verursacht keine Symptome. Eine relevante Hypokalziämie führt zu Parästhesien, Muskelkrämpfe, Epilepsie, Verwirrtheit oder zu kardialen Arrhythmien. Ursachen sind Vitamin-D-Mangel (Mangelernährung, Malabsorption, gestörte Hydroxylierung in der Leber oder in der Niere), Proteinmangel, Hypoparathyreoidismus, Pseudohypoparathyreoidismus, osteoplastische Knochenmetastasen, medulläres Schilddrüsenkarzinom, Hyperphosphatämie (Zelluntergang, Niereninsuffizienz), akute Pankreatitis, hepatotoxische Medikamente. Die (respiratorische) Alkalose führt zu einem Mangel an freiem ionisiertem Kalzium.

Hyperkalziämie:

primärer Hyperparathyreoidismus, Hyperthyreose, Phäochromozytom, osteolytische Knochenmetastasen, paraneoplastisch, Vitamin A oder D-Überdosierung, Medikamente (Thiazide, Lithium), Sarkoidose, Tbc, Immobilisation, Niereninsuffizienz.

Magnesium

Normwert:

0,8–1,3 mmol/l.

Magnesium erniedrigt:

ungenügende Zufuhr, gastrointestinale Verluste, akute Pankreatitis, renale Verluste (Bartter-Syndrom, Polyurie nach akuter Niereninsuffizienz, Diuretika, Therapie mit Aminoglykosiden), Hyperthyreose, Hyperparathyreoidismus, Hyperaldosteronismus, Knochenmetastasen.

Magnesium erhöht:

iatrogen (Infusionen, Antazida, Laxantien), Niereninsuffizienz, Hypothyreose, Nebennierenrindeninsuffizienz.

Phosphat

Phosphate sind Salze der Phosphorsäure H3PO4. Die meisten Phosphate (86%) sind im Knochen verbaut und sorgen gemeinsam mit Calcium für die Festigkeit (Hydroxylapatit). Etwa 13% der Phosphate sind intrazellulärer Bestandsteil von Makromolekülen (DNA, RNA oder ATP). Nur ein geringer Anteil der Phosphate sind extrazellulär oder intrazellulär gelöst und haben eine wichtige Pufferfunktion im Säurebasenhaushalt. Der Phosphatspiegel im Blut hat einen zirkadianen Rhythmus (morgens hoch) und wird durch Somatotropin, Parathormon, Glucocorticoiden und Sexualhormonen reguliert.

Normwert:

0,8–1,5 mmol/l.

Messmethode:

photometrische Bestimmung.

Indikation:

Niereninsuffizienz, Nierensteine, Knochenerkrankungen, Erkrankungen der Nebenschilddrüse, nach Schilddrüsenoperationen, parenterale Ernährung, bei Mangelernährung, Alkoholismus.

Hypophosphatämie:

Die Hypophosphatämie ist eine zu niedrige Konzentration von Phosphaten im Blut. Unter einer Konzentration von 0,35 mmol/l führt der Phosphatmangel zu einer Störung der Energieversorgung der Zelle mit Muskelschwäche, ZNS-Symptomen, Rhabdomyolyse und hämolytische Anämie. Ursachen sind eine unzureichende Zufuhr, Alkoholabusus, Antazida, Malabsorption, Vitamin-D-Mangel, Hyperparathyreoidismus, Hyperventilation und respiratorische Alkalose, Diuretika, Insulintherapie bei diabetischem Koma, schnelle Kohlenhydratzufuhr bei Mangelernährung, Sepsis.

Hyperphosphatämie:

Die Hyperphosphatämie ist eine zu hohe Konzentration von Phosphaten im Blut mit ektopen Kalzifikationen, sekundärer Hyperparathyreoidismus und renaler Osteodystrophie. Ursachen sind entweder eine zu geringe Ausscheidung von Phosphaten (Niereninsuffizienz, Hypoparathyreoidismus, Akromegalie, Vitamin D Überdosierung) oder die Freisetzung aus dem Intrazellulärraum durch Zelluntergang (Azidose, Gewebehypoxie, Chemotherapie, Rhabdomyolyse, Hämolyse, Immobilisation).






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Literatur Elektrolyte

Siegenthaler 1988 SIEGENTHALER, W. ; SIEGENTHALER, W. (Hrsg.):
Differentialdiagnose innerer Krankheiten.
Georg Thieme Verlag, Stuttgart, New York., 1988