Dr. med. Dirk Manski

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Blutuntersuchung: sonstige Serumparameter

Die Darstellung der Normwerte und Differentialdiagnose von Blutwerten ist modifiziert nach (Siegenthaler, 1988).

Alkalische Phosphatase (AP)

Normwert der alkalischen Phosphatase:

30–115 U/l.

Vorkommen der alkalischen Phosphatase:

in den Osteoblasten und in den Gallengängen, worüber auch die Enzymausscheidung stattfindet.

AP erhöht:

ossäre Ursachen: Hyperparathyreoidismus, Vit. D-Mangel, Knochenmetastasen, Osteomyelosklerose.
Hepatische Ursachen: Cholestase.
Weitere Ursachen: Tumoren (Niere, Hoden), Schwangerschaft, Hyperthyreose.

α-Amylase

Normwert der α-Amylase:

20–110 U/l.

Vorkommen der α-Amylase:

wird im Pankreas und in den Speicheldrüsen produziert, die Ausscheidung geschieht über die Nieren und zum Teil über den Darm.

α-Amylase erhöht:

Pankreatitis, Pankreasgangverschluss (Stein, Tumor, Striktur), penetrierendes Ulkus, Ileus, Peritonitis, Mesenterialinfarkt.
Speicheldrüsenerkrankungen, Niereninsuffizienz, paraneoplastisch, akuter Alkoholabusus (erhöht Speicheldrüsenamylase).

Blutzucker

Normwerte des Blutzuckers:

nüchtern 70–110 mg/dl (4–6 mmol/l).

Hypoglykämie:

verminderte Zufuhr aufgrund von Fasten, vermehrten Verlust durch renale Glukosurie, Postgastrektomiesyndrom oder Malabsorption, gesteigerten Verbrauch durch Sport, Fieber oder Tumoren.
Hyperinsulinismus: exogene Zufuhr, Sulfonylharnstoffüberdosierung, Tumoren, reaktiv.
Hormonstörungen: Hypophyseninsuffizienz, Nebennierenrindeninsuffizienz, Hypothyreose.
Stoffwechselerkrankungen: Glykogenspeicherkrankheiten (Typ I), Galaktosämie, Fruktoseintoleranz, Alkoholintoxikation, terminale Leberzirrhose.

Hyperglykämie:

Diabetes mellitus.
Pankreaserkrankungen: Pankreatitis, Insuffizienz, Karzinom, nach Operationen.
Hormonstörungen: Hyperkortisolismus (Cushing-Syndrom), Hyperthyreose, Akromegalie, Phäochromozytom.
Katabole Stoffwechsellage bei Schock, Fieber, Sepsis, Niereninsuffizienz, Intoxikationen.

Eiweiß

Normwerte des Eiweißes:

Gesamteiweiß 6–8,4 g/dl, Albumin 55–65 %, α1-Globuline 2,5–4 %, α2-Globuline 7–10 %, β-Globuline 8–12,5 %, γ-Globuline 14–20 %.

Gesamteiweiß erniedrigt:

ungenügende Eiweißzufuhr, ungenügende Eiweißresorption (Malabsorption, Leberzirrhose), Eiweißverlust (nephrotisches Syndrom, exsudative Enteropathie, Verbrennung, chronische Blutung), erhöhter Eiweißverbrauch (Tumoren, chronische Infektionen), Hyperhydratation.

Gesamteiweiß erhöht:

Plasmozytom, Morbus Waldenström, chronischen Entzündungen, Exsikkose.

Albumin erniedrigt:

Lebererkrankungen, nephrotisches Syndrom, exsudative Enteropathie, Tumoren, Hyperglobulinämien.

Albumin erhöht:

Exsikkose, Hypoglobulinämien.

α-Globuline erniedrigt:

Lebererkrankungen, α1-Antitrypsinmangel, Morbus Wilson, Haptoglobinmangel.

α-Globuline erhöht:

akut entzündliche oder nekrotische Prozesse, nephrotisches Syndrom.

β-Globuline erniedrigt:

Lebererkrankungen, Antikörpermangelsyndrom, Defektdysproteinämie.

β-Globuline erhöht:

Morbus Waldenström, multiples Myelom, Hyperlipidämien, nephrotisches Syndrom, Eisenmangelanämie, Lebererkrankungen, Schwangerschaft, Tumoren.

γ-Globuline erniedrigt:

primärer Antikörpermangel (angeboren), sekundärer Antikörpermangel bei hämatologischen Erkrankungen, Knochenmetastasen, Hyperkortisolismus (Cushing-Syndrom), Immunsuppression, nephrotisches Syndrom, exsudative Enteropathie.

γ-Globuline erhöht:

vermehrte Bildung: rheumatologische Erkrankungen, Autoimmunerkrankungen, chronische Infekte, Leberzirrhose. Bei Morbus Waldenström oder multiplem Myelom schmalbasige Zacke.

Harnsäure

Harnsäure ist das Endprodukt des Purinstoffwechsels (Purinbasen der DNA und RNA). Die Salze der Harnsäure heißen Urate. Die Ausscheidung der Harnsäure erfolgt zu 70–80% über die Nieren und zu 20–30% über den Darm.


chemische Strukturformel der Harnsäure
Chemische Strukturformel der Harnsäure.

Normwert der Harnsäure:

bei Frauen 2–6 mg/dl (120–360 μmol/l), bei Männern bei bis 8,2 mg/dl (490 μmol/l).

Messmethode:

Photometrische Bestimmung mit Hilfe der Urat-Oxidase.

Indikation:

Nephrolithiasis, bei Verdacht auf Hyperurikämie (Gicht) und zur Kontrolle der Gichtbehandlung, hämatologische Erkrankungen, im Rahmen einer Chemotherapie (Tumorlysesyndrom).

Hypourikämie:

Unter Therapie mit Allopurinol, Vegetarier, schwere Lebererkrankungen, renale Tubulusschäden im Rahmen einer Nephritis, bei der Xanthinurie.

Hyperurikämie:

Die Hyperurikämie entsteht durch vermehrten Anfall an Harnsäure, durch eine verminderte Ausscheidung der Harnsäure oder durch kombinierte Effekte.

Laktatdehydrogenase (LDH)

Normwert der Laktatdehydrogenase (LDH):

60–120 U/l.

Vorkommen der Laktatdehydrogenase (LDH):

intrazelluläres Enzym der Glykolyse, es existieren je nach Lokalisation 5 Isoenzyme.

LDH erhöht:

Erhöhung bei Zelluntergang (Trauma, Infarkt, Infektion) wie bei hämatologischen Erkrankungen (Hämolyse, Leukämie, Mononukleose), Lungenerkrankungen (Lungenembolie, Bronchialkarzinom), Herzerkrankungen mit Herzmuskeluntergang, Lebererkrankungen (Hepatitis, Zirrhose, Karzinom), maligne Tumoren (Hodentumoren...), Muskelerkrankungen.

Lipase

Normwert der Lipase:

20–160 U/ml.

Vorkommen der Lipase:

ausschließlich im Pankreas.

Lipase erhöht:

Pankreaserkrankungen.



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Literatur

Siegenthaler 1988 SIEGENTHALER, W. ; SIEGENTHALER, W. (Hrsg.):
Differentialdiagnose innerer Krankheiten.
Georg Thieme Verlag, Stuttgart, New York., 1988