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Von Dirk Manski

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Therapie der kindlichen Harninkontinenz


Therapie der Enuresis

Indikation zur Enuresistherapie:

Ab dem Alter von sieben Jahren beginnt die Enuresis häufig, soziale Probleme hervorzurufen, da Eltern, Freunde und das Kind selbst Trockenheit wünschen und erwarten.

Reihenfolge der Therapie bei NMEN und MEN:

Vorrang vor der Therapie der Harninkontinenz hat die Therapie von Störungen der Stuhlentleerung; dadurch bessert sich häufig auch die Harninkontinenz. Auch manifeste psychiatrische Störungen sollten zuerst behandelt werden. Im weiteren Verlauf wird die Harninkontinenz am Tage behandelt, zuletzt die Symptome der Enuresis nocturna.

Therapieoptionen bei Enuresis:

Die Basis der Enuresistherapie ist die Urotherapie. Zeigt diese keinen Erfolg, so kommen zusätzlich Medikamente oder die Alarmtherapie zum Einsatz. Weitergehende Therapieoptionen sind für Patienten mit NMEN vorbehalten.

Verhaltenstherapie ("Urotherapie") der Enuresis:

Die Basis der Enuresistherapie ist die Anleitung des Kindes zu einem geregelten Trink- und Miktionsverhalten. Miktion und regelmäßiges Trinken alle 2–2,5 h werden mit Hilfe eines Miktionstagebuchs geplant und mit einem Wecker erinnert. Die Trinkmenge beträgt über den Tag etwa 50 ml/kgKG, bis 17 Uhr sollte die größte Menge getrunken sein. 1–2 h vor dem Schlafen sollte nichts mehr getrunken werden.

Weitere Maßnahmen der Verhaltenstherapie sind das Trainieren einer entspannten Sitzhaltung auf der Toilette, ein Belohnungssystem für trockene Nächte, eigenverantwortliche Kontrolle der Therapie durch ein Miktions- und Trinktagebuch. Mit Hilfe eines Weckers kann sich das Kind in der Nacht wecken und selbstständig vor dem Einnässen die Harnblase entleeren.

Die Verhaltenstherapie ("Urotherapie") ist aufgrund der Einfachheit Mittel der ersten Wahl zur Therapie der Enuresis. Wenn die Urotherapie alleine nicht zu trockenen Nächten führt, werden gute Ergebnisse vor allem durch die Kombination mit Medikamenten und/oder der Alarmtherapie berichtet.

Medikamentöse Therapie der Enuresis:

Vasopressin-Analoga (Desmopressin), Anticholinergika und trizyklische Antidepressiva werden zur Therapie der Enuresis verwendet. Problematisch sind die hohe Rezidivquote nach Absetzen der Medikation, mögliche Nebenwirkungen und das Vorhandensein wirksamer nichtmedikamentöser Alternativen.

Enuresistherapie mit Desmopressin:

Desmopressin, ein Analogon des Vasopressins, reduziert die nächtliche Urinmenge und damit die Häufigkeit der Enuresis. Eine Wirkung auf die glatte Muskulatur oder den Blutdruck (wie bei Vasopressin) besteht nicht. Siehe auch Nebenwirkungen und Kontraindikationen von Desmopressin. Die kurzfristige Wirksamkeit und die gute Verträglichkeit der Therapie sind durch randomisierte Studien und Metaanalysen belegt. Problematisch ist das häufige Rezidiv nach Beendigung der Medikation.

Dosierung: zunächst 200 μg p.o. 0–0–1 über 2 Wochen. Nur bei fehlendem Effekt Erhöhung auf 400 μg p.o. 0–0–1 für 2 Wochen. Die maximale Desmopressin Dosis sind 600 μg p.o. 0-0-1. Eine Dauertherapie (3–6 Monate) sollte nur bei signifikantem Therapieerfolg durchgeführt werden, dann wird Desmopressin wieder schrittweise über 8–10 Wochen ausgeschlichen. Nach einer kurzen Therapiepause kann bei einem Rezidiv ein erneuter Zyklus Desmopressin über drei Monate verabreicht werden.

Anticholinerge Therapie der Enuresis:

Führt zu einer Erhöhung der funktionellen Harnblasenkapazität und inhibiert autonome Detrusorkontraktionen. Indiziert bei klinischem oder urodynamischem Nachweis der verminderten funktionellen Harnblasenkapazität oder der instabilen Harnblase.

Dosierung: z. B. Propiverin täglich 0,8 mg/kgKG in 2–3 Einzeldosierungen. Therapiealternativen für Kinder sind Trospium und Oxybutynin. Pharmakologie und Nebenwirkungen siehe auch Kapitel Medikamente/Anticholinergika.

Enuresistherapie mit trizyklischen Antidepressiva:

Aufgrund ihrer Nebenwirkungen sind trizyklische Antidepressiva Therapeutika der dritten Wahl. Der Wirkungsmechanismus beinhaltet den anticholinergen Effekt der Antidepressiva, einen antidiuretischen Effekt und auch eine Wirkung auf andere Transmittersysteme. Unter trizyklischen Antidepressiva kann ein Teil der Kinder vorübergehend trocken werden; bei weiteren Kindern wird zumindest eine Symptomreduktion erreicht.

Problematisch sind die Nebenwirkungen: Schlafstörung, Nervosität, Appetitstörung, Übelkeit und Erbrechen, Vergiftung, Kardiotoxizität, das hochwahrscheinliche Rezidiv nach Beendigung der Therapie und die geringe therapeutische Breite. Dosierung von Imipramin bei Kindern 25–50 mg (1,5 mg/kgKG) 0–0–1, eine Zulassung für die Indikation Enuresis besteht nicht.

Alarmtherapie der Enuresis:

Eine effektive Therapie der Enuresis ist die Alarmtherapie: Ein spezieller Feuchtigkeitssensor für die Unterhose weckt das Kind beim Einnässen. Durch eine klassische Konditionierung wacht das Kind im Verlauf der Therapie vor dem Einnässen auf und miktioniert auf der Toilette. Das Ansprechen der Therapie kann nach 12–16 Wochen abgeschätzt werden. Ideale Patienten für die Alarmtherapie sind motivierte und einsichtige Kinder mit MEN und nur einmaligem Einnässen in der Nacht.

Die Wirksamkeit und die im Vergleich zu allen anderen Therapieformen niedrige Rezidivrate nach Beendigung der Therapie ist durch viele randomisierte Studien und Metaanalysen belegt. Ein Therapieerfolg kann bei 50–80% der Kinder erwartet werden, dabei werden etwa 2/3 der Kinder trocken und schlafen durch, 1/3 der Kinder entwickeln eine Nykturie. Die Kombination der Alarmtherapie mit anderen Methoden der Verhaltenstherapie (Harnblasentraining, Beckenbodengymnastik und Motivationstraining) verbessert die Ergebnisse. Kritiker verweisen auf eine relevante Störung des Schlafverhaltens, die zu Konzentrationsschwächen am Tage führen kann. Die Störung betrifft häufig auch andere Familienmitglieder; deshalb wird die Alarmtherapie nicht selten abgebrochen.

Manche Autoren befürworten das sogenannte "Overlearning" nach erfolgreichem Ansprechen der Alarmtherapie: damit soll der Therapieerfolg gefestigt und ein Rezidiv vermieden werden. Dem Kind werden erhöhte abendliche Trinkmengen angeboten, dass es nachts miktionieren muss. Das "Overlearning" ist umstritten.

Weiterführende Therapie der Enuresis:

Bei V. a. eine habituelle Miktionsstörung kommt die Biofeedback-Therapie zur Anwendung. Bei V. a. funktionelle Harnblasenhalsobstruktion sind Alphablocker eine Option. Bei Verhaltensstörungen oder Aufmerksamkeitsdefizitstörung (ADHS) helfen Psychotherapie und weitere medikamentöse Maßnahmen.

Alternative Therapieformen der Enuresis:

Alternative Therapieformen wie Akupunktur und Hypnose werden in der S2-Leitlinie nicht empfohlen, sind jedoch verfügbar.






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Literatur Enuresis

S2 Leitlinie auf AWMF.org: Enuresis und nicht-organische (funktionelle) Harninkontinenz bei Kindern und Jugendlichen

Leitlinie der EAU: Paediatric Urology

Von Gontard, A.; Schaumburg, H.; Hollmann, E.; Eiberg, H. & Rittig, S. The genetics of enuresis: a review.
J Urol, 2001, 166, 2438-2443.

Hjalmas, K.; Arnold, T.; Bower, W.; Caione, P.; Chiozza, L. M.; von Gontard, A.; Han, S. W.; Husman, D. A.; Kawauchi, A.; LAckgren, G.; Lottmann, H.; Mark, S.; Rittig, S.; Robson, L.; Walle, J. V. & Yeung, C. K. Nocturnal enuresis: an international evidence based management strategy.
J Urol, 2004, 171, 2545-2561

Schultz-Lampel und Thüroff 2000 SCHULTZ-LAMPEL, D. ; THÜROFF, J. W.: Enuresis und kindliche Harninkontinenz.
In: THÜROFF, JW (Hrsg.) ; SCHULTE-WISSERMANN, H (Hrsg.): Kinderurologie in Klinik und Praxis.
Stuttgart New York : Thieme, 2000, S. 265–275



  English Version: Diagnosis and treatment of enuresis

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