Zusammenfassende Literatur Priapismus: (Melman und Serels, 2000).
Der Priapismus ist eine seit mindestens 2 h bestehende Dauererektion, welche ohne sexuelle Erregung besteht und mit Gefahr der Schwellkörperischämie einhergeht.
Der Name Priapismus leitet sich von Priapos ab, dem griechischen Gott der Fruchtbarkeit.
Die Inzidenz beträgt ungefähr 1–3/100 000. Häufig im Alter von 5–10 Jahren und 20–50 Jahren, prinzipiell aber in jedem Alter möglich .
Die SKAT-Therapie und die Sichelzellenanämie sind starke Risikofaktoren.
Kokain, Alkohol, Schmerzmittel, Psychopharmaka, Narkose, Antiepileptika, Antihypertensiva.
Der Antagonismus an α1-Rezeptoren verhindert die glattmuskuläre Kontraktion des Schwellkörpers und damit die Detumeszenz.
die Sludgebildung der Erythrozyten entsteht durch Manipulation oder nächtliche Hypoventilation und führt zu einem verminderten venösen Abfluss und ischämischen Priapismus. Die Ischämie verstärkt die Sludgebildung und den venösen Verschluss.
Die Wahrscheinlichkeit einen Priapismus zu erleiden beträgt bei homozygoter Sichelzellenanämie 40–90 %, das mittlere Erkrankungsalter beträgt 12–15 Jahre.
hauptsächlich ältere Präparate der SKAT-Therapie wie Papaverin (Opiumalkaloid) und Phentolamin (Alpha-Blocker) verursachen häufig einen Priapismus. Trotz steigender Inzidenz der SKAT sinkt die Häufigkeit des Priapismus, da fast nur noch Alprostadil verordnet wird. Ungefähr 1 % der Männer erleben einen Priapismus mit Prostaglandin-SKAT.
Rückenmarkkompression (Lumbalstenose, Bandscheibenvorfall), selten durch Spinalnarkose.
die Tumorinfiltration (lokal oder metastatisch) führt zur venösen Kompression. Insgesamt selten, darunter Leukämie, Prostatakarzinom, Nierenzellkarzinom, Melanom und entzündliche Beckentumoren.
ein stumpfes perineales Trauma oder Schwellkörperpunktionen führen zu Verletzung von Arterien im Corpus cavernosum. Die physiologische Erektion verstärkt die Verletzung und ein starker arterieller Einstrom resultiert. Wenn die venösen Abstromkapazitäten überschritten werden, entsteht ein nicht-ischämischer Priapismus.
nach langer sexueller Aktivität, Insektenstiche, parenterale Ernährung (bei schneller hochkonzentrierter Fettinfusion).
durch das Versagen der physiologischen Detumeszenz persistiert die Erektion, welche prall und schmerzhaft ist. Der Druck im Schwellkörper liegt über dem diastolischen Druck (80–120 mmHg), eine Durchblutung kann nicht mehr stattfinden.
Die Ischämie führt zur Lähmung der glattmuskulären Schwellkörpermuskeln, daraus entsteht ein Circulus vitiosus. Durch die 3fach erhöhte fibrinolytische Aktivität im Corpus cavernosum entstehen auch nach langer Ischämiezeit keine Thromben. Nach über 12 h Krankheitsverlauf beginnt der irreversible ischämische Schaden an den Schwellkörpern mit fibrotischer Abheilung.
weniger pralle und nicht schmerzhafte Erektion durch vermehrten arteriellen Einstrom, kompensiert durch suffizienten venösen Abstrom. Die Gefahr eines ischämischen Schadens am Schwellkörper besteht nicht.
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Dr. med. Dirk Manski
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